page-header
Interview mit Pamela Rendi-Wagner der "Sozialdemokratischen Partei Österreichs" (SPÖ).
Anzeige

Das Interview von GLAUBE.at über christliche Werte in der Politik mit Pamela Rendi-Wagner der "Sozialdemokratischen Partei Österreichs" (SPÖ), ist Teil des Leitfadens "Christliche Wahlprüfsteine 2019".

AUSSENPOLITIK UND EUROPA

GLAUBE.at Österreich unterhält viele Wirtschaftsbeziehungen mit Ländern wie Iran und Saudi-Arabien. Die islamische Republik Iran gilt beispielsweise als größter Sponsor des weltweiten Terrors und negiert das Existenzrecht Israels.
Welche Außenpolitik gedenken Sie gegenüber dem Iran und Saudi-Arabien zu verfolgen?

Rendi-Wagner Wir treten für eine friedensorientierte Außenpolitik ein. Die EU soll sich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass beide Länder ihren Kurs der (nuklearen) Aufrüstung und militärischen Intervention beenden. Beide Länder müssen davon überzeugt werden, sich an einem Friedensprozess in der Region zu beteiligen. Dafür braucht es diplomatischen Druck der internationalen Gemeinschaft, ein Ende der Waffenlieferungen in die Region und den Erhalt des Atomabkommens mit dem Iran.

GLAUBE.at Stichwort Brexit: Was wollen Sie machen, um die Einheit Europas in einer Zeit des wiedererstarkenden Nationalismus zu fördern?

Rendi-Wagner Die Gefährdung der Einheit Europas liegt an einer völlig verfehlten Wirtschafts- und Sozialpolitik auf nationaler und europäischer Ebene. Wir wollen, dass Europa nicht den Profit einiger weniger in den Vordergrund stellt, sondern den Wohlstand und die Bedürfnisse aller Menschen. Ein soziales, gerechtes und solidarisches Europa ist der Weg zur europäischen Einigung.

BILDUNG UND WISSENSCHAFT

GLAUBE.at Befürworten Sie die Errichtung einer christlichen Privatuniversität in Österreich? Konkret: Wie stehen Sie zur Anerkennung des öffentlichen Status von Campus Danubia als Privatuniversität?

Rendi-Wagner Die Gründung einer Privatuniversität – unter Einhaltung der entsprechenden, gesetzlichen Bestimmungen – ist jederzeit möglich.

GLAUBE.at Schulfach Ethikunterricht vs. Religionsunterricht: Wie stehen Sie dazu?

Rendi-Wagner Es geht nicht um ein entweder/oder. Religion ist ein wichtiger Bestandteil des Fächerkanons an unseren Schulen. Wir setzen uns aber auch für einen Ethikunterricht für alle SchülerInnen ab der Sekundarstufe 1 ein. Im Ethikunterricht erhalten die SchülerInnen die Möglichkeit, gemeinsam - über religiöse und kulturelle Grenzen hinweg - Wertefragen und Regeln des Zusammenlebens in einer modernen, pluralistischen Gesellschaften zu diskutieren.

ETHIK IN MEDIZIN UND FORSCHUNG

GLAUBE.at Befürworten Sie die Erzeugung von Mischwesen (Mensch/Tier), um Organe für Transplantationen zu züchten?

Rendi-Wagner Nein, die derzeitige Gesetzeslage soll nicht verändert werden.

GLAUBE.at Wie stehen Sie zur Leihmutterschaft? Befürworten Sie eine Legalisierung in Österreich?

Rendi-Wagner Die SPÖ lehnt, so wie alle anderen Parlamentsparteien auch, die Leihmutterschaft ab, wobei die Ablehnung der Ausbeutung von Frauen durch Leihmutterschaft im Vordergrund steht.

EHE UND FAMILIE

GLAUBE.at Es gibt Studien (z.B. Coleman, P. (2011) Abortion and mental health: quantitative synthesis and analysis of research published 1995-2009. The British Journal of Psychiatry), die negative Folgen nach einer Abtreibung nachweisen. Zudem gibt es Fachkräfte sowie Organisationen (wie z.B. auch SaveOne), die täglich mit Menschen in Kontakt treten, die unter den Folgen einer Abtreibung leiden. Zu sagen, dass es keine negativen Folgen gibt oder dass Post-Abortion-Syndrom nicht existiert, ist unverständlich. Planen Sie Einrichtungs- und Beratungsstellen finanziell besser zu fördern, welche Schwangere in Krisensituationen helfen sowie Beratungs- und Unterstützungsangebote für Frauen und Familien nach einer Abtreibung bieten?

Rendi-Wagner Schwangerschaftsabbruch ist für uns ein Frauenrecht. An der Fristenregelung darf nicht gerüttelt werden. Frauen in ganz Österreich müssen die sichere Möglichkeit haben, eine Schwangerschaft abzubrechen. Und das mit bester medizinischer, psychologischer und sozialer Betreuung. Daher wollen wir auch die Möglichkeit von Schwangerschaftsabbrüchen in öffentlichen Krankenanstalten in allen Bundesländern garantieren. Das Budget für Frauen- und Gleichstellungspolitik braucht dringend eine massive Erhöhung.

GLAUBE.at Welchen Wert hat das klassische Familienbild (Vater, Mutter, Kinder) für Sie persönlich? Was wollen Sie tun, damit Österreich familien- und kinderfreundlicher wird?

Rendi-Wagner Familie ist, wenn zwei oder mehr Menschen füreinander Verantwortung übernehmen und sich wohl fühlen. Ob das Oma und Enkel, Alleinerziehende mit Kind, (gleichgeschlechtliche) Ehepaare mit und ohne Kind oder andere Formen des Zusammenlebens sind, spielt keine Rolle. Das typische Familienbild von Mutter, Vater, Kinder hat sich in unserer Gesellschaft verändert. Daher müssen sich auch unser Zugang und die Rahmenbedingungen für Familien verändern. Wir brauchen ein modernes Familienbild, das die Lebensrealitäten der Menschen widerspiegelt.

Unsere Vorschläge für ein kinder- und familienfreundliches Österreich:

  • Kinderbetreuungsplatz ab dem 1. Geburtstag für jedes Kind + zweites verpflichtendes Gratis-Jahr; ganztägig geöffnete und öffentlich finanzierte Kindergärten.
  • Flächendeckender Ausbau der Ganztagsschulen bis 2025, mit kostenlosem Mittagessen und Freizeitangebot.
  • Alle Familien sollen vom vollen 1.500 Euro-Familienbonus profitieren – unabhängig vom Einkommen der Eltern.
  • Existenzsichernder staatlicher Unterhaltsvorschuss. Nicht bezahlter Unterhalt gehört zu den größten Armutstreibern.

FLÜCHTLINGSKRISE UND INTEGRATION

GLAUBE.at Sollen NPOs Flüchtlinge im Mittelmeer retten und in europäische Häfen bringen?

Rendi-Wagner Viele Menschen müssen unfreiwillig ihre Heimat verlassen. Erzwungene Migration hat viele Ursachen: Flucht vor Krieg, Gewalt und Hunger vor individueller persönlicher Verfolgung. Wenn daher also Flüchtlinge im Mittelmeer in Seenot geraten, ist es unsere menschliche Pflicht diese hilfesuchenden Menschen vor dem Tod zu bewahren. In weiterer Folge ist es notwendig, Schutzsuchende in der Europäischen Union nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und Bevölkerungszahl der Mitgliedstaaten fair zu verteilen.

GLAUBE.at Sprechen Sie sich dafür aus, dass zum Christentum konvertierte Asylwerber definitiv nicht abgeschoben werden, wenn die Kirche die Rechtmäßigkeit der Konversion bestätigt?

Rendi-Wagner Ein Asylwerber, der wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe verfolgt wird, kann definitiv nicht abgeschoben werden. Das gilt selbstverständlich auch für Asylwerber, die glaubhaft machen können, dass ihnen aufgrund ihrer Konvertierung zum Christentum eine Verfolgung im Herkunftsstaat droht. Eine Bestätigung der Kirche über die Rechtmäßigkeit der Konversion kann hierbei ein Indiz darstellen.

GESUNDHEIT UND PFLEGE

GLAUBE.at Soll der Schutz der Gewissensfreiheit von Menschen im Gesundheitsbereich gesetzlich verankert werden (bspw. wenn ein Arzt oder Hebamme keine Abtreibung durchführen möchte)?

Rendi-Wagner Kein Arzt und keine Ärztin wird gegen seinen oder ihren Willen dazu gezwungen, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Für mich ist aber auch klar, dass die Möglichkeit für einen sicheren Schwangerschaftsabbruch für jede Frau bestehen muss. Die SPÖ-Frauen setzen sich hier seit Jahren dafür ein, Schwangerschaftsabbrüche in allen Bundesländern zu ermöglichen.

GLAUBE.at Wie stehen Sie zur aktiven Sterbehilfe?

Rendi-Wagner Die aktive Sterbehilfe lehnen wir ab. Die Vision der Sozialdemokratie ist es, die Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich derart flächendeckend und bedarfsorientiert auszubauen, dass sich der Wunsch nach "aktiver Sterbehilfe" erübrigt.

GLAUBENS- UND GEWISSENSFREIHEIT

GLAUBE.at Würden Sie einen Gesetzesentwurf, der den Karfreitag als allgemeinen Feiertag einführt, zustimmen?

Rendi-Wagner Für uns ist klar: Der Karfreitag muss ein Feiertag für alle ArbeitnehmerInnen werden. Und zwar ohne dass dadurch ein Urlaubstag konsumiert werden muss. Die arbeitnehmerInnenfeindliche Regelung von ÖVP und FPÖ lehnen wir entschieden ab.

GLAUBE.at Wo sehen Sie die Religionsfreiheit in Österreich gefährdet?

Rendi-Wagner Die Religionsfreiheit ist ein wichtiges Gut unserer demokratischen Gesellschaft. Jeder Mensch in Österreich hat das Recht, sich zu einer Glaubensgemeinschaft zu bekennen. Diese Freiheit sehen wir nicht gefährdet.

GLEICHWERTIGKEIT UND CHANCENGLEICHHEIT

GLAUBE.at Welche Maßnahmen fordern Sie, um die Chancengleichheit von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt zu verbessern?

Rendi-Wagner Mit 1. August wurde unsere langjährige Forderung nach einer Anrechnung der Karenzzeiten umgesetzt. Das ist ein sozial- und frauenpolitischer Meilenstein um die Lohnschere zwischen Frauen und Männern zu schließen.

Außerdem fordern wir:

  • Mehrarbeitszuschläge in Teilzeit nicht mit 25 sondern wie bei Vollzeitüberstunden mit 50% abgelten.
  • Ersatzzeiten als Beitragszeiten für die Pension, wie jene für die Kindererziehung, anrechnen.
  • Einkommenstransparenz massiv ausweiten.
  • Ausbauoffensive in der Kinderbetreuung.

GLAUBE.at Wie stehen Sie dazu, wenn bereits Kinder geschlechtsneutral erzogen werden, oder brauchen wir klare Männer- und Frauenbilder?

Rendi-Wagner Wir wollen unsere Kinder dazu ermutigen nicht in klassischen Rollenbildern aufzugehen. Dabei wollen wir sie frühzeitig unterstützen und PädagogInnen bereits in der Ausbildung stärker sensibilisieren. Mädchen und Burschen sollen sich frei für einen Beruf entscheiden können. Haus- und Erziehungsarbeit wird noch überwiegend von Frauen geleistet. Frauen sind dadurch öfter von Altersarmut betroffen. Dabei brauchen wir Frauen in technischen Berufen ebenso wie Männer in sozialen und Dienstleistungsbranchen. Das Aufbrechen von Rollenbildern spielt dabei eine zentrale Rolle.

KINDER UND JUGENDLICHE

GLAUBE.at Adoptiveltern dürfen laut der jetzigen Gesetzgebung ein Kind erst nach 6 Monaten adoptieren. Mit 3 Monaten kann ein Kind Eltern als seine Bezugspersonen von anderen Personen deutlich unterscheiden? Bis dahin dürfen die leiblichen Eltern jederzeit ihr Kind zurückfordern. Sollte diese Zeitspanne zum Wohl der Kinder auf 3 Monate reduziert werden?

Rendi-Wagner Derzeit sind keine Änderungen im Adoptionsrecht angedacht.

GLAUBE.at Pornografische Inhalte werden Kindern und Jugendlichen über neue Medien immer leichter zugänglich. Wie wollen Sie den Schutz für Kinder in den Medien erhöhen?

Rendi-Wagner Heutzutage, wo fast jedes Kind mit einem Internetzugang zuhause aufwächst, ist es wichtig, auch den richtigen Umgang mit diesen sogenannten neuen Medien zu vermitteln. Kritische Auseinandersetzung mit digitalen Inhalten gehört hier zu einer wichtigen Kernkompetenz, die wir unseren Kindern vermitteln müssen.

LEBENSSCHUTZ UND MENSCHENWÜRDE

GLAUBE.at Die Bürgerinitiative #Fairändern wurde von über 60.000 Österreichern unterschrieben. Derzeit wird #Fairändern im Petitionsausschuss des Parlaments behandelt und beinhaltet 6 Punkte:

  • Offizielle Statistik und anonyme Motivforschung zu Schwangerschaftsabbrüchen
  • Hinweispflicht des Arztes auf Unterstützungs- und Beratungsangebote für schwangere Frauen 
  • Bedenkfrist zwischen Anmeldung und Durchführung des Schwangerschaftsabbruchs von mindestens 3 Tagen
  • Informationskampagne über Adoption/Pflege als Alternative zum Schwangerschaftsabbruch
  • Beendigung der Diskriminierung von behinderten Kindern vor der Geburt
  • Breitgefächertes Beratungs- und Unterstützungsangebot für Eltern, die ein Kind mit Behinderung erwarten.

Welche der 6 Punkte von #Fairändern sollen Ihrer Meinung nach umgesetzt werden? Bitte um eine kurze Stellungnahme zu jedem der 6 Punkte.

Rendi-Wagner An den Rechten der Frauen darf nicht gerüttelt werden, das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper muss bestehen bleiben. Gleichzeitig stellen wir klar, dass wir jede Form von Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen vehement ablehnen. Menschen, die sich für ein Kind mit Behinderung entscheiden, brauchen Beratung und Unterstützung - aber auch die Freiheit, sich im Fall einer embryopathischen Indikationen gegen eine solche Schwangerschaft zu entscheiden. Statt einer Veränderung bzw. einem Rütteln an der embryopathischen Indikation braucht es viel mehr echte Förderungen für Frauen und vor allem für Menschen mit Behinderungen. Denn es kann nicht sein, dass Menschen mit Behinderungen sowie Mütter von Kindern mit Behinderungen von unserer Gesellschaft behindert werden. Die Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist ein Grundrecht jeder Frau und diese darf nicht angetastet werden.

Stattdessen braucht es sogar massive Verbesserungen von staatlicher Seite:

  • Es muss endlich in ganz Österreich möglich sein, einen Schwangerschaftsabbruch in einem öffentlichen Spital durchführen zu lassen. Frauen müssen darauf vertrauen können, dass sie in ihrer Nähe medizinisch gut betreut werden.
  • Es braucht außerdem einen selbstbestimmten Umgang mit Sexualität, flächendeckende, kostenfreie Sexualpädagogik und einen kostenlosen Zugang zu Verhütungsmitteln.
  • Und es muss der Aktionsplan Frauengesundheit dringend umgesetzt werden - mit speziellem Blick auf die Maßnahmen zum Wirkungsziel13
  • Und es braucht sozialpolitische Maßnahmen für Frauen und Kinder, wie etwa eine Unterhaltsgarantie, eine Ausbauoffensive im Bereich der Kinderbetreuung, einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem 1. Geburtstag sowie € 1.500 Familienbonus für jedes Kind

GLAUBE.at In Deutschland wird von Gesundheitsminister Jens Spahn eine Studie (vgl. Coleman, P. (2011) Abortion and mental health: quantitative synthesis and analysis of research published 1995-2009. The British Journal of Psychiatry) zu den psychologischen Folgen eines Schwangerschaftsabbruches in Auftrag gegeben. Es gibt internationale Studien, die ein erhöhtes Risiko für psychologische Folgen und Substanzmissbrauch nach einer Abtreibung aufzeigen*. Eine anonyme Statistik zu der Anzahl an Schwangerschaftsabbrüchen und eine dazugehörige Motivforschung ist der erste Schritt, Handlungsbedarf aufzuzeigen und das bereitgestellte Unterstützungs- und Beratungsangebot anzupassen.

Würden Sie eine anonyme Statistik und Motivforschung unterstützen?

Rendi-Wagner Frauen in ganz Österreich muss die sichere Möglichkeit offenstehen, eine Schwangerschaft abzubrechen. Und das unter bestmöglicher medizinischer, psychologischer und sozialer Betreuung. Vor diesem Hintergrund muss auch das Budget für die Frauen- und Gleichstellungspolitik dringend erhöht werden. Eine weitere Motivforschung halten wir nicht für notwendig, da es bereits zahlreiche internationale und heimische Studien zu den Gründen für einen Abbruch gibt.

SCHUTZ FÜR VERFOLGTE CHRISTEN

GLAUBE.at Wie wollen Sie verfolgte Christen in Österreich (bspw. Gewalt, Mobbing, bewusste Fehler beim Dolmetschen von Asylanträgen) unterstützen?

Rendi-Wagner Die bewusst falsche Übersetzungen von Asylanträgen zieht eine straf-bez. zivilrechtlichen Verfolgung des/der Dolmetschers/Dolmetscherin nach sich.

GLAUBE.at Wie wollen Sie sich für die Rechte verfolgter Christen sowie anderer religiöser Minderheiten einsetzen?

Rendi-Wagner Die SPÖ wird sich immer für Menschen einsetzen, die aufgrund ihrer Herkunft, Religion, sexueller Orientierung, ihres Geschlechts, ihrem Einkommen oder ihrer körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit diskriminiert werden. Die SPÖ unterstützt daher auch regelmäßig Entschließungen im Nationalrat, die unsere Regierung dazu auffordern, aktiv zu werden und weltweit - im Rahmen der EU oder auch bilateral - gegen die Diskrimminierung von Religionsgruppen einzutreten.

SENIORINNEN UND ALTERSVORSORGE

GLAUBE.at Welche Maßnahmen wollen Sie im Kampf gegen Altersarmut aktuell setzen?

Rendi-Wagner Im August haben wir für 2019 bei Pensionen bis 1.111€ eine Erhöhung um das doppelte der Inflation durchgesetzt.

Außerdem wollen wir:

  • Das Umlageverfahren und die Pensionskonto-Gutschrift gegen Kürzungen verfassungsrechtlich absichern.
  • Auf das Pensionsantrittsalter achten (kein Automatismus).
  • Die Werterhaltung der Pensionsansprüche garantieren.
  • Gesellschaftlich wichtige, aber unbezahlte Arbeit (z.B. Kinderbetreuung, Pflege) stärker berücksichtigen. Wir wollen z.B. Kindererziehungszeiten besser anrechnen, so dass Mütter/Väter zumindest 50€/ Monat mehr erhalten.

GLAUBE.at Wie wollen Sie die Altenpflege unterstützen, um die zunehmenden Aufgaben zu bewältigen?

Rendi-Wagner Wir haben im Sommer durchgesetzt, dass das Pflegegeld ab 2020 in allen Stufen jährlich entsprechend der Inflation erhöht wird.

Außerdem fordern wir:

  • Rechtsanspruch auf Pflegekarenz bzw. Pflegeteilzeit für pflegende Angehörige, zeitliche Entlastung pflegender Angehöriger durch Pflegeservicestellen.
  • Ordentliche Bezahlung und gute Rahmenbedingungen für professionelles Pflegepersonal, Einführung einer BHS um junge Menschen für Pflegeberufe zu begeistern.
  • Der Staat soll aus einem zu schaffenden steuerfinanzierten Pflegegarantiefonds alle Kosten für Pflege und Betreuung übernehmen.

SICHERHEIT UND KRIMINALITÄT

GLAUBE.at Im Antisemitismusbericht vom „Forum gegen Antisemitismus“ ist ein deutlicher Anstieg von antisemitischen Vorfällen in Österreich zu sehen (Beschimpfungen/Bedrohungen, Internet/Social Media, Briefe/Anrufe).
Wie will Ihre Partei gegen den steigenden Antisemitismus vorgehen?

Rendi-Wagner Wir dürfen nicht zulassen, in unserer Gesellschaft antisemitische Untertöne und Hetzparolen akzeptiert werden. Wir fordern hierbei auch explizit die FPÖ auch endlich bei den eigenen FunktionärInnen durchzugreifen. Durch „Einzelfälle“ und „Ausrutscher“ befördern sie eine Verrohung der Sprache und eine sukzessive Desensibilisierung der Öffentlichkeit.

GLAUBE.at Welche Maßnahmen fordern Sie für eine höhere Sicherheit in Österreich?

Rendi-Wagner PolizistInnen sollen echte Polizeiarbeit leisten können und nicht als LückenbüßerInnen in der Verwaltung eingesetzt werden. Sie setzen sich täglich zahlreichen Risiken aus und haben die besten Arbeitsbedingungen verdient. Wir werden 2.500 PolizistInnen mehr auf unsere Straßen bringen, mit zeitgemäßer Ausrüstung und moderner technischer Ausstattung. Überwachungsmöglichkeiten brauchen eine starke Kontrolle. Vor dem Einsatz von Überwachungsmethoden müssen unabhängige RichterInnen zustimmen. Das Parlament muss nach dem Einsatz alle Möglichkeiten der Kontrolle haben.

UMWELT- UND KLIMASCHUTZ

GLAUBE.at Klimawandel: Wie stehen Sie zu einer CO2-Steuer? Wie wollen Sie klimaneutrale Mobilität erreichen?

Rendi-Wagner Für uns ist es wichtig, die ökologische und die soziale Frage miteinander zu verbinden und Klimaschutz im Sinne der Menschen fair und sozial ausgewogen zu gestalten. Denn wir können unsere Klimaziele nur mit einer breiten Unterstützung in der Bevölkerung erreichen. Eine Eu-weite, sozial ausgewogene CO2-Steuer sehen wir als ein wesentliches Mittel, um Treibhausgase zu minimieren und unser Klima zu schützen.

Sauberer Verkehr ist ein wesentlicher Beitrag zur Bekämpfung der Klimakrise. Darum wollen wir:

  • Das Öffi-Fahren günstiger, schneller und einfacher machen und die Infrastruktur in Stadt und Land massiv ausbauen.
  • Ein Österreichweites Klimaticket: Jahreskarten für alle Öffis: (1€/Tag für ein Bundesland, 2€/Tag für zwei Bundesländer, 3€/Tag für ganz Österreich).
  • Klimabonus bei der Pendlerpauschale
  • Abschaffung der klimaschädlichen Steuerprivilegien für Flugverkehr und Schifffahrt.

GLAUBE.at Hunderttausende Jugendliche gehen für Klimaschutz auf die Straßen: Wie reagieren Sie auf „Friday for Future“?

Rendi-Wagner Wir nehmen die Anliegen und das Engagement der „Friday for Future“-Bewegung sehr ernst. Darum wollen wir auch, dass sie an dem von uns geforderten nationalen Klimakonvent teilnimmt, um dort an konkreten Klimaschutzmaßnahmen mitzuarbeiten. Im Mai haben wir einen Green New Deal für Österreich veröffentlicht. Dieser beinhaltet Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise durch den Ausbau von fossilfreier Energie, nachhaltigem Verkehr sowie Investitionen in nachhaltige Industrien und Zukunftsberufe wie Forschung, Pflege und Bildung.

WIRTSCHAFT UND ARBEITSMARKT

GLAUBE.at Welche Jobs sind aus Ihrer Sicht Auslaufmodelle? Welche Jobs haben Zukunft? Welche konkreten Maßnahmen empfehlen Sie, um den Standort Österreich zu stärken?

Rendi-Wagner Die Sozialdemokratie ist die einzige Kraft im Land, die Antworten für alle ArbeitnehmerInnen auf die Herausforderungen des digitalen Wandels und der Klimakrise hat. Der Schlüssel liegt in einem Recht auf Arbeit. Es braucht öffentlich unterstützte Umqualifizierung und Ausbildung, um alle für die neuen Herausforderungen zu wappnen. Österreich ist ein wettbewerbsfähiger und leistungsstarker Wirtschaftsstandort. Damit das so bleibt, wollen wir die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so gestalten, dass bei uns alle Menschen von ihrer Arbeit gut leben können. Klein- und Mittelbetriebe sind das Rückgrat unserer Wirtschaft und Jobmotor. Mit einem KMU-Bonus in den Ausschreibungskriterien wollen wir sicherstellen, dass diese Unternehmen bei (Groß-) Aufträgen in Zukunft nicht durch die Finger sehen. Wir wollen Unternehmen besonders fördern, die in Forschung und Entwicklung und/ oder die Schaffung neuer Arbeitsplätze investieren. Dafür braucht es gut ausgebildete Fachkräfte. Wir fordern daher eine Fachkräfteoffensive und Stärkung der Lehrlingsausbildung. Außerdem fordern wir stärkere Investitionen - etwa in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs.

GLAUBE.at Wie kann die Jugendarbeitslosigkeit erfolgreich bekämpft werden?

Rendi-Wagner Damit alle Jugendlichen die besten Voraussetzungen für einen guten Arbeitsbplatz erhalten, setzen wir auf die Ausbildungspflicht bis 18, bzw. die Ausbildungsgarantie bis 25. Jeder Jugendliche soll einen über den Pflichtschulabschluss hinausgehenden Bildungsabschluss haben. Niemand soll die Schule verlassen, ohne sinnerfassend lesen, schreiben und rechnen zu können. Durch gezielte Maßnahmen wollen wir die Lehrlingsausbildung attraktiver machen. Das Bildungssystem soll so reformiert werden, dass unsere Jugendlichen die Chance auf die beste Bildung haben.

GLAUBE.at Vielen Dank für das Interview, Frau Rendi-Wagner!


CHRISTLICHE WAHLPRÜFSTEINE

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer freiwilligen Spende:
IM Österreich - GLAUBE.at
Spendenzweck: Christliche Wahlprüfsteine
IBAN: AT34 6000 0602 1010 6386

Anlässlich der bevorstehenden Österreichischen Nationalratswahl befragte GLAUBE.at die Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten der wahlwerbenden Parteien. Ein parteiunabhängiges Expertengremium definierte hierzu im Vorfeld 15 relevante Themenbereiche zu denen Christinnen und Christen unterschiedlicher Gesellschaftsschichten und Kirchen jeweils zwei Fragestellungen erarbeiteten.

Folgende 18 Kirchen und Organisationen sind Partner der christlichen Wahlprüfsteine: