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Der Politikwissenschaftler und ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier.
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Der Politikwissenschaftler und ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier (München) hat die CDU/CSU gemahnt, ihr christliches Profil nicht zu vernachlässigen. Die Zeit sei absehbar, in der Christen auch in Deutschland eine Minderheit bilden werden. Im Osten Deutschlands sei das schon jetzt der Fall. „Das kann aber für die CDU und für die CSU kein Anlass sein, ihre Herkunft zu verleugnen oder sie gar als Peinlichkeit zu betrachten“, schreibt Maier in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Ausgabe 19. Januar). In der wachsenden Profillosigkeit von heute sei Treue zu den Anfängen „eine dringend gebotene Tugend: Nur so kann neue Orientierung entstehen.“ Es sei auch ein Irrtum zu meinen, mit dem Rückgang des kirchlich verfassten Christentums habe „das Christliche“ überhaupt sein Gewicht verloren. Maier fragt: „Woraus nähren sich denn die Hilfe für Schwache, die Sorge um die Menschenwürde, das Eintreten für die Verfolgten, wenn nicht aus den Antrieben der Zehn Gebote und der Botschaft Jesu? Ist unser Sozialstaat ohne den Impuls der Nächstenliebe entstanden? Ist unser Asylrecht historisch ganz ohne Bezug zu dem Schutz, den Kirchen als Räume des Friedens seit jeher gewähren?“ Maiers Antwort: „Nein, die christlichen Überlieferungen bleiben aktuell, mögen säkulare Gegenströmungen noch so mächtig sein.“ Kritik übt er an der Flüchtlingspolitik der Unionsparteien. Dass sie in den Sondierungen mit der SPD über eine große Koalition die weitere Aussetzung des Familiennachzugs „zum Koalitionsgebot Nummer eins hochgespielt“ hätten, sei ein Skandal.

Gegen die Forderung nach einer „konservativen Revolution“

Maier wendet sich auch gegen die Forderung des CSU-Landesgruppenchefs im Bundestag, Alexander Dobrindt, nach einer „konservativen Revolution“. Davor könne er nur warnen, so der 86-Jährige. Die CSU sei stets „ebenso fortschrittlich wie konservativ, ebenso patriotisch wie europäisch“ gewesen. Sie auf „eine ‚konservative Revolution‘ – eine Formel aus Zeiten unmittelbar vor Hitler zu verpflichten – wäre Selbstverleugnung, parteipolitisch ein tödliches Eigentor“, so Maier. Er war von 1976 bis 1988 auch Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.