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Seit 2014 schoss Gaza nicht mehr auf Israel, der gestrige Abschuss zweier Raketen auf Tel Aviv kann als Eskalation bezeichnet werden, so Bell.
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Palästinenser schossen am Donnerstagabend, den 14. März, zwei Raketen auf Israels wichtigste Metropole Tel Aviv ab – eine Korrespondentin von GLAUBE.at erlebte den Beschuss live vor Ort. Die Raketen richteten kaum Schaden an, da diese auf unbewohntes Gebiet trafen. Israel antwortete mit dem Beschuss von 100 Zielen im Gazastreifen. Ein neuer Krieg in Gaza werde wahrscheinlicher, so die WELT.

Seit 2014 wurde aus dem Gaza nicht mehr auf Israel geschossen. Der gestrige Abschuss zweier Raketen auf Tel Aviv kann als "ernstzunehmende Eskalation" bezeichnet werden, so die CNN-Korrespondentin Melissa Bell aus Jerusalem.

GLAUBE.at-Korrespondentin erlebte Raketenangriff auf Tel Aviv

Um 21 Uhr Ortszeit machte sich die Korrespondentin von GLAUBE.at mit einem Kollegen auf den Weg, um etwas zu essen. Plötzlich sei der Alarm losgegangen, doch die beiden blieben auf der Straße. Als sie einen Kiosk passierten, kam der Eigentümer heraus und rief ihnen zuerst etwas auf Hebräisch zu. Als er merkte, dass seine Zuhörer die Landessprache nicht verstehen, erklärte er auf Englisch: „Oh you are tourists! This is not a drill – if you ever hear this again, you aren't supposed to continue walking in the middle of the street – seek shelter and lie flat on the street”.

Zu Deutsch: “Ach, ihr seid Touristen! Das ist keine Übung – wenn ihr das jemals wieder hört, dann dürft ihr nicht mitten auf der Straße bleiben – sucht euch einen Unterschlupf und legt euch flach auf die Straße.“ Unsere Korrespondentin berichtet: „Während er noch sprach, hören wir eine laute Explosion. Er greift nervös nach seinem Handy - auf dem Bildschirmschoner, ein Foto von seiner kleinen Familie.“

Auch in den umliegenden Städten heulten die Luftschutzsirenen auf. Hunderttausende Israelis liefen in ihre Schutzräume. Es seien deutlich zwei Explosionen hörbar gewesen.

Ein erneuter Krieg droht

Am 09. April wählt Israel eine neue Regierung, deshalb sei die Antwort von Israel auf den Raketenangriff politisch besonders wichtig, meint Melissa Bell. Die WELT schreibt, dass keine Regierung einen solchen Angriff auf die wichtige Stadt Tel Aviv ignorieren kann, ohne als schwach zu gelten. Deshalb musste der amtierender Premiere Netanjahu reagieren.

Noch in derselben Nacht feuerte das israelische Militär auf dutzende Gebäude der Hamas im Gaza-Streifen. Ein Büro, ein unterirdischer Komplex, in dem Raketen gebaut werden und das Zentrum des Drohnenprogramms seien die Ziele gewesen, so das Militär.

Wer ist verantwortlich für den Raketenangriff auf Tel Aviv?

Noch am Abend bekundete die Hamas jedoch, dass sie für den Beschuss nicht verantwortlich sei, so die WELT. In der Nacht verurteilte sie ihn sogar und erklärte, die Attacke am Abend schade palästinensischen Interessen. Auch der Islamische Dschihad meinte, er habe mit dem Angriff nichts zu tun, so die Süddeutsche Zeitung. Die abgefeuerten Raketen müssten gefunden werden, dann könnte der Urheber leichter identifiziert werden, da die einzelnen Gruppen im Gazastreifen Raketen unterschiedlichen Typs verwenden.

Die israelische Zeitung Haaretz berichtete am Freitagvormittag, dass es sich bei den Raketen um den Typ „M-75 Fajr“ handelt. Israel geht jetzt aber davon aus, dass es sich nur um ein Versehen bei dem Beschuss auf Tel Aviv handelt.

Hintergrund des Konflikts

Der Kampf um den Gazastreifen zählt zu dem Israelisch-Palästinensischen Konflikt, als Teil des Nahostkonflikts. Der letzte Krieg von 08. Juli 2014 bis 26. August 2014 zwischen den Hamas und Israel endete mit einem unbefristeten Waffenstillstand. Doch die Region war immer wieder Schauplatz von gewalttätigen Auseinandersetzungen.  

In den vergangenen Monaten herrschte erneut Spannung zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert. Eine ägyptische Delegation fungiert als Mediator zwischen den zwei Seiten und hat versucht, eine Eskalation zu verhindern.

Die Hamas fordert von Israel Zugeständnisse, die Premierminister Benjamin Netanjahu kurz vor den Wahlen am 09. April 2019 nicht machen will, um seine rechte Wählerbasis nicht zu verärgern. Doch Netanjahu wollte vor den Wahlen einen militärischen Konflikt unbedingt vermeiden, so die WELT. Deshalb sandte er mehrere Millionen US-Dollar in bar, Treibstoff und Strom an die Hamas. So wollte er sicher gehen, dass die Hamas Israel nicht angreifen.

Wie Netanjahu nach den Ereignissen der vergangenen Nacht weiter vorgehen wird und ob die ägyptische Delegation es schafft, beide Seiten von einem Waffenstillstand zu überzeugen, bleibt abzuwarten.