page-header
Abschlussbericht der Deutschen Evangelischen Allianz von Hartmut Steeb.
Anzeige

Anlässlich der 56. Sitzung des Hauptvorstands (HV) der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) am 13. und 14. März 2019 gab der amtierende Generalsekretär, Hartmut Steeb, seinen abschließenden Bericht nach 31 Dienstjahren. Nach insgesamt 60 unter seiner Mit-Verantwortung stattgefundenen und von ihm mit-geleiteten Sitzungen wurde er um einen ausführlichen Abschlussbericht gebeten, welcher Rückschau und Wegweisung zugleich enthalte.

Neben einem historischen Abriss der 173-jährigen Allianzgeschichte - sie ist als weltweite älteste interkonfessionelle Bewegung 1846 in London gegründet worden - mit einem Schwerpunkt auf dem Zusammenwachsen zwischen Ost und West in fast 30 Jahren gesamtdeutscher Allianzgeschichte berichtete Steeb auch von seiner eigenen Berufungsgeschichte und den Anfängen seines Wirkens für die DEA. Er markierte wichtige Höhepunkte seiner Arbeit als Generalsekretär und auch manche zu bewältigende Herausforderung im Dienst für die Kernanliegen der Allianz: Einheit, Gebet, Bibel, Evangelisation und Mission und gesellschaftliche Verantwortung.

„Einheit der Christen entspricht dem Willen von Jesus Christus. Darum ist es uns ernste heilige Verpflichtung dieses Geschenk der Einheit auszupacken, zu nutzen, zu gestalten. Wir müssen auf dem Weg der Lernenden bleiben, mehr Einheit zu wagen und zu leben, und wir dürfen auch andere Christen nicht in ihren Schützengräben eingeschlossen lassen. Wenn wir unseren Ansatz der persönlichen Glaubensübereinstimmung in Jesus Christus, unsere Glaubensbasis und ein allianzverträgliches Verhalten weiterhin als die drei einzig notwendigen Kriterien ernst nehmen, dann darf uns die Entscheidung einzelner Christen, in einer Konfession zu bleiben, die andere nicht für akzeptabel halten, nicht zu einer Grenze unserer Allianzgemeinschaft werden.“

Steeb sei auch der Überzeugung, dass „Menschen sich bekehren, aber auch ganze Gemeinden und Kirchen sich reformieren könnten“. So lag Steeb während seiner Dienstzeit immer daran, auch gegenüber Institutionen und Kirchen, speziell den Evangelischen Landeskirchen, das Verhältnis zu verbessern und kontinuierlich das Gespräch zu suchen. In seine Amtszeit entwickelte sich beispielsweise auch ein freundschaftlicheres Verhältnis zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Mittlerweile befindet sich die DEA bei der ACK als Gastmitglied in einem regelmäßigen Austausch durch den so genannten „Beobachterstatus“.

1996 kam es unter seiner Amtszeit zur neuen „Kasseler Erklärung“, einer Vereinbarung zwischen dem Präsidium des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden und dem HV der DEA. „Die Besonderheit der Vereinbarung liegt gar nicht nur darin, dass hier ein Brückenschlag zwischen Pfingstlern und Nicht-Pfingstlern gelang, es ist auch die Einzigartigkeit des Vorgehens.“ Die DEA verstehe sich nämlich als Geschwisterbund, daher seien Vereinbarungen mit Gemeindebünden oder Kirchenbünden ‚systemwidrig‘. „Hier erschien es nun ausnahmsweise“, so Steeb „auch wegen der wechselvollen und schmerzhaften Geschichte, nötig. Nie hat die DEA aber mit anderen Kirchen- oder Gemeindebünden ähnliche Vereinbarungen geschlossen.“

Im Hinblick auf theologische und ethische Positionierungen der DEA betonte Steeb: „Es wird uns nicht helfen, wenn wir diese klaren Grenzziehungen zugunsten einer Pluralisierung aufgeben und einfach „Alle“ mitnehmen wollen. Ich halte solche Pluralisierungen, wie ich sie natürlich aus meiner Landeskirche zur Genüge kenne, für falsch und sie sind schädlich für uns, werden das Vertrauen untergraben und uns auch verzichtbar machen. Sie sind falsch und sie sind schädlich. Die ‚Glaubensbasis‘ darf nicht angetastet werden.“

In seinem Fazit zum Stichpunkt Bibelbewegung lobte er eine gute Partnerschaft auf Augenhöhe in einem sogenannten „4-Säulen-Modell“ mit der EKD, der Katholischen Kirche, den weiteren Kirchen und den freien Werken unter der Leitung der Evangelischen Allianz bei den „Jahren mit der Bibel“ 1992 und 2003. Steeb sprach sich für ein neues Jahr der Bibel aus: „Ich würde mich sehr freuen, wenn noch einmal ein Jahr der Bibel mit einer solch breiten Trägerschaft möglich würde“. Er betonte, dass Evangelisation und Mission als sehr wichtige Aufgabenbereiche nicht nur an andere delegiert werden könnten sondern auch für die Deutsche Evangelische Allianz selbst zentrales Anliegen bleiben müsse.

Seine Ausführungen schloss Steeb mit den Worten: „Ich fühle mich gerade schon vielleicht wie im Endspurt eines Marathonlaufs mit einer besonderen Herausforderung: ich habe nicht nur den Marathonlauf zu beenden. Meine Aufgabe besteht zusätzlich darin, noch gute Stabübergaben zu schaffen. Das will ich gerne tun, damit auch meine Nachfolger Gabriele Fischer in der Leitung des Evangelischen Allianzhaues und Dr. Reinhardt Schink in der Aufgabe des Generalsekretärs der DEA – ebenso gerne und gut sich auf die nächste Etappe im Marathonstaffellauf begeben können.“ 

Der Vorsitzende der DEA, Ekkehart Vetter, sprach Hartmut Steeb im Anschluss im Namen der DEA seinen tief empfundenen Respekt und Dank aus für die während der letzten 31 Jahre von ihm in überaus großer Treue und Einsatzbereitschaft geleistete Arbeit im Amt des Generalsekretärs. Steeb wird im Herbst 2019 in Ruhestand treten. Sein Amt übernimmt am 12. Juni 2019 Dr. Reinhardt Schink aus München.