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Acht verschiedene Religionsgemeinschaften sind derzeit am interreligiöse Bauprojekt beteiligt.
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2022 soll der „Campus der Religionen“ in der Wiener Seestadt Aspern eröffnet werden. Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) gab am 26. Februar bekannt, dass die Stadt Wien dem interreligiösen Bauprojekt ein 10.000 Quadratmeter großes Grundstück schenkt. Bei dem „Frühstück der Religionen“ mit Repräsentanten österreichischer Glaubensgemeinschaften sagte Ludwig, dass Sakralbauten und gemeinsame Räume entstehen sollen. „Die Stadt Wien wird sich um Grundstücke bemühen, für einzelne Projekte übernehmen die Religionsgemeinschaften die Verantwortung“, und das sowohl architektonisch als auch finanziell. Jede teilnehmende Religionsgemeinschaft kann sich so präsentieren, wie sie es wünscht.

2015 wurde die Fläche, auf der das Projekt umgesetzt werden soll, geweiht. Nach dem Treffen im Februar 2019 mit Bürgermeister Ludwig ist nun klar: Nach einem Architekturwettbewerb und der Baugenehmigung sollen 2020 der Spatenstich und 2022 die Eröffnung stattfinden.

Vielfalt der Religionen

Der Campus ist als interreligiöse Bildungsstätte gedacht. Es soll der seelsorgerischen Arbeit in der Seestadt und auch als Anlaufstelle für Mitglieder der jeweiligen Religionsgemeinschaft bzw. interessierten Gäste dienen. Bürgermeister Ludwig will, dass der Campus veranschaulichen soll, dass in Wien die Religionen nicht nur nebeneinander, sondern auch miteinander leben könnten. Damit werde auch die Gefahr geringer, dass radikale Elemente Platz greifen würden. Nach einem Vandalenakt 2015 am künftigen Baufeld, bei dem eine Fahne der israelitischen Kultusgemeinde beschädigt wurde, protestierten die Vertreter aller beteiligten Religionen gemeinsam dagegen.

Wie im Bild oben zu sehen, sind acht verschiedene Religionsgemeinschaften derzeit am Bauprojekt interessiert: Priester Athanasius Buk (Orthodoxe), Oberrabbiner Arie Folger (Israelitische Kultusgemeinde), Superintendent Matthias Geist (Evangelische), IGGÖ-Präsident Ümit Vural (Muslime), Bürgermeister Michael Ludwig, Gursharan Singh Mangat (Sikhs), , Hirte Walter Hessler (Neuapostolische Kirche), Gerhard Weißgrab (Buddhisten) Bischofsvikar Dariusz Schutzki und Kardinal Christoph Schönborn (Katholische). Weitere Teilnehmer können sich aber weiterhin melden.

Kardinal Schönborn lobte in der gemeinsamen Pressekonferenz das geplante Projekt und das gute Miteinander der Glaubensrichtungen:

"Es geht nicht um eine Festung der Religionen, sondern um einen Campus, ein offenes Feld."

Kein gemeinsames Bauwerk

Allerdings wird es kein gemeinsames Bauwerk der Religionsgemeinschaften geben. Vielmehr habe man sich darauf geeinigt, dass jeder sein Objekt selbst gestalten könne, erklärte Bürgermeister Ludwig. Wobei er eine architektonische "Landmark" für die Seestadt in Aussicht stellte, berichtet „Die Presse“. Die Kosten für die einzelnen Gebäude sind von den Religionsgemeinschaften zu tragen. Bürgermeister Ludwig brachte jedoch die Idee einer Sammelaktion ein, diese sollte vor allem kleineren Gemeinschaften zugutekommen. Rechtlich wird das Projekt über einen neu gegründeten Verein abgewickelt. Auch die Gründung einer eigenen GmbH ist angedacht.

Gudrung Kugler: „Modell für den Frieden“

Der geplante „Campus der Religionen“ wird von der ÖVP Donaustadt begrüßt. „Dieses Projekt wird ein Schlüssel für gelungenes Zusammenleben sein. Wien braucht so ein Modell für den Frieden“, sagt Nationalrätin Gudrun Kugler, Bezirksparteiobfrau der Donaustadt. „Es ist großartig, wenn in der Planung eines neuen Stadtteiles der Religiosität des Menschen Rechnung getragen wird. Der Glaube ist nicht schwächer, sondern vielgestaltiger geworden. Der ‚Campus der Religionen‘ macht dies sichtbar“, so Gudrun Kugler zur APA.

Kirchliche Pädagogische Hochschule soll übersiedeln

Die katholische Kirche hat schon konkrete Pläne für ihre zur Verfügung stehenden Quadratmeter. Kardinal Schönborn wünscht sich die Übersiedlung der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) vom Campus Strebersdorf in die Seestadt Aspern. Der Hochschulbau wäre auch der optimale Ort für die interreligiöse Begegnung.

ÖEA: "Da ist noch vieles unklar"

Generalsekretär der Österreichischen Evangelischen Allianz (ÖEA) Christoph Grötzinger zeigt sich in einer Stellungnahme gegenüber GLAUBE.at skeptisch: "Es bleibt abzuwarten, wie sich das ganze Projekt entwickelt. Einstweilen stellt die Stadt Wien ja nur das Grundstück bereit. Bauen muss jeder selber. Und da ist noch vieles unklar. Also kann man noch nicht viel dazu sagen." Die Evangelische Allianz (EA) ist eine Sammlungsbewegung mit dem Zweck, die Gemeinschaft mit aktiven Christinnen und Christen aus christlichen Kirchen und religiösen Bekenntnisgemeinschaften christlicher Prägung zu suchen und zu pflegen. Die ÖEA ist beim "Campus der Religionen" nicht beteiligt.