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Beter beim Gottesdienst in Neumünster.
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Zum 173. Mal fand 2019 die Internationale Gebetswoche der Evangelischen Allianz in Deutschland und gleichzeitig vielen Ländern Europas statt. Für dieses Jahr hatte die Spanische und Portugiesische Evangelische Allianz die Textvorlagen zur Allianzgebetswoche erarbeitet. Unter dem Thema "Einheit leben lernen" trafen sich in der zurückliegenden Woche an ca. 1.000 Orten in Deutschland etwa 300.000 Teilnehmer zu Allianz-Gebetsveranstaltungen - in immer vielfältiger werdenden Formen, noch internationaler und multikultureller als in den Vorjahren und mit mehr Beteiligung von Christen unterschiedlichster Nationen und Backgrounds, überwiegend aus dem evangelischen Bereich. Auch die zunehmende Beteiligung von katholischen Geschwistern an den Allianzveranstaltungen wurde beobachtet. An einzelnen Orten wirkten auch Christen aus neuapostolischen Gemeinden mit. Aus vielen örtlichen Allianzen wurde zudem von besonders intensiven Gebetsveranstaltungen mit gesunkenem Altersdurchschnitt berichtet.

Ekkehart Vetter, Erster Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz, fasste in seiner Rückschau zusammen, dass die Gebetswoche der Evangelischen Allianz „mancherorts eher eine liebenswerte alte Dame, durchaus in die Jahre gekommen“ sei, aber andernorts frisch, ideenreich und innovativ wirke. Ihn freue sehr, dass es neben den guten traditionellen Gebetsabenden auch viel Neues gäbe wie Jugendgebetsabende, nicht selten „in cooler Location“, ein Gebetsflashmob im Zentrum von Bremen, einen Tag lang kontemplatives Gebet in einem Bauwagen in Mülheim an der Ruhr („Eine Stunde in der Stille. Mit Gott im Dialog. In einem Bauwagen.“), eine „Kindergebetsparty“ z. B. in Frankfurt/Main, ein 24-Stunden-Gebet & Worship (z.B. in Nürnberg) und eine Kundgebung für Religionsfreiheit in der fränkischen Metropole. Dazu kämen immer häufiger Gebetsversammlungen außerhalb der kirchlichen Räumlichkeiten, z.B. in Krankenhäusern, Rathäusern, Senioreneinrichtungen und vielerorts auch Gebetskonzerte. Sein Eindruck: „Gerade, wo man neue und vielleicht ungewohnte Formen findet, wo man junge Leute in die Planung und Umsetzungsverantwortung mit einbezieht, gewinnt man auch neue Leute, die mit beten.“ Er stellt dankbar fest: „Allianz ist generationsübergreifend, wird tendenziell jünger, es existiert wachsendes zwischengemeindliches Wohlwollen füreinander und das gemeinsame Gebet in sehr unterschiedlichen Formen ist weiterhin ein gutes Zukunftsmodell“.

„Das macht uns viel Mut“, so Hartmut Steeb, der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz bei seinem ersten Fazit direkt nach der Gebetswoche „Wir sind in der Evangelischen Allianz von Anfang an auch eine Gebetsbewegung. Das wurde wieder neu sichtbar. Die Einheit der Christen ist dabei ein zentrales Thema. Gemeinsames Handeln setzt Einigkeit und gemeinsames Beten voraus. Ich bin bewegt von der Intensität, Ernsthaftigkeit und Freude, mit der an vielen Orten im Land zusammen gebetet und Einheit gefeiert wurde. Christen beten miteinander. Es ist eine Wucht zu sehen und zu erleben, dass eines der großen Allianzziele nicht Theorie, sondern Praxis ist: Gemeinsam Glauben, miteinander beten. Wenn Menschen fragen: ‚Was bringt beten?‘ antworte ich: sehr viel, weil Gott Wunder tun kann. Aber das Gebet hat auch eine innere Wirkung: Wer miteinander betet, tut sich schwerer, sich anschließend miteinander zu streiten."

Die Gebetstreffen seien gleichzeitig auch eine Schulungswoche zum Allianzthema Einheit gewesen. „Wir betonen das Gemeinsame, dann verliert das Trennende seine Kraft“, so Steeb. „Je näher Menschen zu Jesus kommen, desto näher kommen sie auch einander“. Steeb, der im Laufe des Jahres 2019 in Ruhestand tritt, hat 31 Jahre auch die Allianzgebetswochen mit vorbereitet und mit gestaltet. In diesem letzten von ihm verantworteten Durchgang sei ihm in besonderer Weise das Geschenk dieser Gebetswoche deutlich vor Augen gestanden. Nach seiner Kenntnis gäbe es mit Ausnahme der sonntäglichen Gottesdienste und kirchlicher Wallfahrten keine andere jährlich stattfindende kirchliche Veranstaltungsreihe, die schon 1846 beschlossen und seit 1847 ununterbrochen gefeiert werde. Darauf müsse man weder stolz noch arrogant werden, dürfe es aber auch mit großer Dankbarkeit zur Kenntnis nehmen.

Steebs Nachfolger, der designierte Generalsekretär Dr. Reinhardt Schink, predigte zu Beginn der Gebetswoche in Hildesheim und wirkte bei einem Empfang der Stuttgarter Evangelischen Allianz im Zusammenhang mit der Abschlussveranstaltung in Stuttgart mit. Dabei sagte er zum Auftrag der Christen: „Wir bauen gemeinsam Gottes Reich und nicht unsere eigenen kleinen Fürstentümer.“ Aufgrund dieser Perspektive könnten Christen gemeinsam beten „Dein Reich komme“ und „dann zurück an den Bauabschnitt gehen, an den Gott uns gestellt hat“.

Der Vorsitzende der württembergischen Christus-Bewegung und Mitglied im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz, Dekan Ralf Albrecht, fasste sein Eindrücke auf Facebook so zusammen: „Christen finden zusammen. Super Impuls. Urmutter dieses Impulses? Die Allianzgebetswoche!! 8 Tage gemeinsames Gebet seit über 150 Jahren. Und so vielfältig!! Lieder - Gebete pur! Musik - Gebet pur. Und Fürbitten und Dank und viel mehr. Tolles Konzept. Beten at its best. Wie die ganze Allianzgebetswoche eben. Vielfältig. Weltweit. Jesus zentriert. Gebetsmotivierend. Und vor allem eins: Christen zusammen bringen. Das Original - seit 1846. Die haben weltweite Ökumene erfunden. Toll, nach so langer Zeit ein ganz kleiner Teil davon sein zu dürfen!“

Uwe Heimowski, politischer Beauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz sieht den Schlüssel für die Einheit der Christen „in der gemeinsamen Ergriffenheit, im gemeinsamen Staunen, im Erkennen, dass wir – sündige, eingeschränkte, fehlbare – Menschen, doch vor dem einen und einzigen Gott stehen. Vor dem Schöpfer des Himmels und der Erde, vor dem Erlöser der Menschheit, vor dem Richter, der am Ende Gerechtigkeit und Frieden schaffen wird.“