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Papst Leo XIV. hat Josef Grünwidl am 17. Oktober 2025 offiziell zum Nachfolger von Kardinal Christoph Schönborn ernannt. Die Berufung von Josef Grünwidl zum neuen Erzbischof der Erzdiözese Wien markiert einen Aufbruch: Sein seelsorglicher Schwerpunkt, sein Brückenbau im Dialog und sein offenes Ohr für Kirche und Gesellschaft wecken berechtigte Hoffnungen – auch über die Katholische Kirche hinaus.
Persönliches Profil und pastorale Ausrichtung
Der gebürtige Niederösterreicher bringt langjährige Erfahrung in der Pfarrseelsorge mit und war zuletzt als Apostolischer Administrator der Erzdiözese Wien tätig. Grünwidl bezeichnete sich selbst als „Seelsorger, Teamplayer und Brückenbauer“, und machte klar, dass er „als Erzbischof nicht im Management untergehen, sondern bei den Menschen sein will – auch bei den Armen, den Kranken, den Kindern und Jugendlichen“. Seine Vision lautet: Eine Kirche mit „leichtem Gepäck“, die sich auf das Wesentliche konzentriert, dort präsent ist, wo Menschen Halt suchen, und sich in Gemeinschaft einbringt.
Er betonte, dass die Sakramente weiterhin zentral bleiben – Taufe, Kommunion, Firmung, Ehe und Krankensalbung – und dass Seelsorge nicht nur sonntags, sondern im Alltag stattfinden soll. Zugleich sprach er davon, dass Kirche nicht von oben herab agieren dürfe: „Tut das immer im Geist der Liebe. Nie von oben herab.“
Erwartungen innerhalb der römisch-katholischen Kirche
Innerhalb der Kirche wird Grünwidl als „nah und institutionserfahren“ wahrgenommen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz sagte, Wien bekomme mit ihm einen „wirklichen Hirten, einen Seelsorger, der mit weitem Herz und wachem Geist wirkt, und der die Nähe Gottes wie auch der Menschen zulässt“. Kirchenreformbewegungen würdigten seine Berufung als „erfreuliches Signal“ und hegen Hoffnung, dass Beteiligung von Laien, Frauen und Jugendlichen in der Diözese stärker Realität wird. Von Seiten der Caritas hieß es, Grünwidl bringe „Nähe, Empathie und die Sprache der Menschen“ mit – Eigenschaften, die ihn zu einem „Brückenbauer in orientierungsloser Zeit“ machen.
Ökumenische Grüße und freikirchliche Stimmen
Auch über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus sind die Reaktionen durchweg positiv. In der evangelischen Kirche äußerte sich der Bischof der Evangelischen Kirche A.u.H.B.: „Für Wien und für dieses Land ist es von großer Bedeutung, dass hier ein Seelsorger in ein so wichtiges Amt kommt, der das Ohr und das Herz bei den Problemen der Menschen hat.“ Er ergänzte: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und bin überzeugt, dass mit Josef Grünwidl der vorbildliche Weg der Ökumene in Österreich weiter und noch vertieft werden kann.“ Ein Landessuperintendent der Reformierten Kirche sprach von ihm als „nahbar, ökumenisch offen und sehr zugewandt“.
Freikirchliche Vertretungen wie die Evangelische Allianz Österreich betonen seit langem die Bedeutung von Kirche, die hörend und verbindend handelt – auch wenn zu dieser konkreten Ernennung keine ausführliche Stellungnahme veröffentlicht wurde. Im Sinne ihrer Grundüberzeugung: Es sei ein gutes Zeichen, wenn Kirche nicht nur intern strukturiert, sondern für Menschen da sei, die ihren Glauben Leben wollen und Gesellschaft mitgestalten. Ebenso verweist der Ökumenischer Rat der Kirchen in Österreich darauf, dass Grünwidl mit seiner Dialogbereitschaft und seinem hörenden Herzen wichtige Voraussetzungen für das Amt mitbringe – und wünscht ihm im Namen der Mitgliedskirchen Gottes reichen Segen für seinen Dienst.
Ausblick auf die Amtszeit
Die Amtseinführung ist für 24. Jänner 2026 im Stephansdom vorgesehen. Grünwidl tritt in einer Zeit an, in der die Erzdiözese Wien vor großen pastoralen und strukturellen Herausforderungen steht – von der Integration der Laien über den Einbezug von Frauen und Jugendlichen bis hin zur gesellschaftlichen Relevanz von Kirche in einer säkularisierten Umgebung. Sein Schwerpunkt wird sein, Pfarren als „Zentren lebendiger Nachbarschaft“ zu stärken, offene Orte zu gestalten, an denen Menschen unabhängig vom Glauben willkommen sind, und Jugend sowie Kinder ins Zentrum zu rücken.
Mit seiner Ernennung setzt die Erzdiözese Wien ein klares Zeichen: Es geht nicht primär um Verwaltung und Traditionalität, sondern um eine Kirche im Aufbruch – mit einem Leiter, der zuhören will, Brücken bauen möchte und Kirche „mit leichtem Gepäck“ sieht.