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Die traditionellen Erntedankfeiern im heurigen Herbst waren zwar aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen einfacher als gewohnt.
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Die traditionellen Erntedankfeiern im heurigen Herbst waren zwar aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen einfacher als gewohnt. Die Dankbarkeit für die Schöpfung kam aber angesichts der Pandemie in diesem Jahr deutlicher zum Ausdruck, als je zuvor. Das schlug sich sowohl in der liebevollen Gestaltung der traditionellen Erntegarben wie in den zahlreichen Gottesdiensten im Freien nieder.

11. November, St. Martin

Am 11. November feiert die Kirche den Hl. Martin von Tours. Traditionell finden in unseren Pfarren und vor allem in unseren Kindergärten stimmungsvolle Laternenprozessionen statt. Diese 1600 Jahre alte Tradition geht auf die Erzählung vom Tod des Heiligen zurück, bei dessen Begräbnis Tausende Menschen mit brennenden Kerzen den Leichnam des Heiligen begleitet haben.

Die wirkmächtige Geschichte vom Soldaten Martin, der vor den Toren der Stadt Amiens seinen Mantel mit einem Armen teilt, um ihn vor dem Erfrieren zu retten, gilt als Inbegriff der bedingungslosen Nächstenliebe. Gerade in Zeiten von Corona und der damit verbundenen Distanz erhält das Fest heuer einen besonderen Akzent.

Manche Kindergärten feiern das Licht- bzw. Laternenfest im kleinen Rahmen ohne die übliche Anwesenheit von Eltern und Verwandten. Die Weinviertler Pfarre Harmannsdorf schließt sich der aus Deutschland stammenden „Aktion Laternen Fenster“ an. Statt der Laternenprozession, erhellen seit Allerheiligen bis zum 11. November ins Fenster gestellte Laternen und Lichterketten die Straßen.

Anders der Zugang der Pädagoginnen und Pädagogen in den Kindergärten der Wiener St. Nikolausstiftung. Sie erarbeiten neue Rituale, die das Grundmotiv des Teilens erfahrbar machen sollen. Im Kindergarten Gatterhölzl/Wien - Meidling werden zum Beispiel Tücher, die von jedem Kind gestaltet wurden, geteilt und können dem/der Beschenkten als Halstuch für den kommenden Winter dienen. Das Thema „Teilen“, so die Idee dahinter, ist jeden Tag aktuell und wird in vielen konkreten Handlungen erfahrbar.

Martin ein europäischer Heiliger

Martin wurde um 316 im heutigen Szombathely an der ungarisch/österreichischen Grenze geboren und wuchs in Pavia auf. Als Sohn eines römischen Offiziers musste er die militärische Laufbahn einschlagen, verweigerte aber aufgrund seines christlichen Glaubens kurz vor einer Schlacht gegen die Germanen in Worms den Kriegsdienst. Als Schüler des Bischofs Hilarius von Poitiers wurde er schließlich getauft, war zunächst Einsiedler auf einer Insel nahe von Genua, gründete das erste Kloster in Westeuropa in Ligugé, wirkte als Friedenstifter und Wohltäter in Frankreich und Norditalien und wurde am 3. Juli 372 Bischof von Tours. Als solcher setzte er sich auch wiederholt, wenn auch erfolglos, für einen milden Umgang mit Irrlehrern aus. Bei einer Reise nach Candes, wo er einen Streit innerhalb des Klerus schlichtete, starb er am 8. November 397. Martin ist der erste Nichtmärtyrer, der von allen christlichen Konfessionen als Heiliger verehrt wird. In der alten Kirche begann am Sonntag nach dem Martinsfest das vierzigtägige „Martinsfasten“ bis Weihnachten. In der Erzdiözese Mailand hat sich dieser Brauch bis heute erhalten. Martin ist Schutzpatron von Frankreich und Ungarn, des Burgenlandes und der Diözese Eisenstadt, der Soldaten, Reiter, der Polizisten sowie der Reisenden, Armen, Flüchtlinge, Gefangenen und vieler anderer.

Leopoldifest

Der Hl. Leopold III, Markgraf von Österreich und Patron von Wien und Niederösterreich, wird am kommenden Sonntag, 15. November gefeiert. Die traditionellen Veranstaltungen, wie das berühmte Fasslrutschen in Klosterneuburg entfallen zwar, die Hauptreliquie des Heiligen ist in der Stiftskirche jedoch vom 9. bis 15. November täglich zwischen 9.00 und 18.00 zur Verehrung ausgestellt.

Am Sonntag, dem 15. November feiert der Bischof von St. Pölten, Dr. Alois Schwarz in Klosterneuburg einen Festgottesdienst, der auch via Livestream übertragen wird. Feierliche Gottesdienste zu Ehren des Landespatrons finden auch in den beiden anderen Klostergründungen Leopolds, der Abtei Heiligenkreuz und in der Basilika von Klein-Mariazell statt.

Im Wiener Stephansdom, in dem auch eine Reliquie des Heiligen aufbewahrt, feiert Dr. Michael Landau um 10.15 Uhr den Festgottesdienst zum Hochfest des Landespatrons, der auch von radio klassik Stephansdom übertragen wird. Alle Gottesdienste finden selbstverständlich unter den aktuellen Schutzmaßnahmen statt.

Leopold, ein rechtschaffener Herrscher in unruhigen Zeiten

Der Babenberger Leopold III. war Markgraf von Österreich und lebte im 11./12. Jahrhundert. Er stach besonders durch seine Friedenspolitik hervor und erfreute sich aufgrund seiner Großzügigkeit einer großen Beliebtheit in der Bevölkerung. Die ihm angebotene Kaiserwürde wies er aus Sorge über eventuelle Nachfolgestreitigkeiten zurück. Leopold war bei aller Friedfertigkeit nicht konfliktscheu. Im Streit zwischen Kaiser und Papst bezog er eindeutig Stellung zugunsten des letzteren. Bei seinem Plan, in seinem Gebiet ein Bistum zu errichten, ging er auch einer Auseinandersetzung mit den Bischöfen von Passau und Salzburg nicht aus dem Weg. Sein noch weitgehend unerschlossenes, vor allem waldreiches Gebiet kultivierte er durch drei markante Klostergründungen. Neben seiner bevorzugten Gründung, dem Stift Klosterneuburg, stiftete er im südlichen Wienerwald die Zisterzienserabtei Heiligenkreuz und die Benediktinerabtei Klein-Mariazell. In Heiligenkreuz erinnert heute das interdiözesane Priesterseminar Leopoldinum an den heiligen Klostergründer. Leopold starb in der Folge eines Jagdunfalls am 15. November 1136. Sein Grab befindet sich im Stift Klosterneuburg. Papst Innozenz VIII. sprach Leopold am 6. Januar 1485 heilig. 1663 wurde er zum Landespatron ernannt. Bis heute ist er Patron von Wien und Niederösterreich und zweiter Landespatron von Oberösterreich.