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In der Kirche brauche es "Reformen in der Amtsstruktur, die das bestehende Machtgefälle zwischen Männern und Frauen, Klerus und Laien aufheben, dazu eine radikale Wende in der Sexualmoral", so Pernsteiner.
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Anlässlich des morgigen Weltfrauentages, am 08. März, fordert die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) Maßnahmen, "um unterschiedlichen Ausprägungen von Machtmissbrauch wirkungsvoll entgegentreten zu können", berichtet kathpress. Die katholische Frauenbewegung setzt sich für die Stärkung von Frauen ein.

In einer Aussendung vom 07. März meint kfbö-Vorsitzende Veronika Pernsteiner, dass „die Machtfrage“ gestellt werden muss. Es brauche strukturelle Veränderungen in der Kirche und der Gesellschaft, um Missbrauch zu verhindern. In der Kirche sei der Kampf um Gleichberechtigung, wie die aktuelle Debatte um sexuellen Missbrauch zeigt, "mehr als ein Gebot der Stunde".

„Gottes missbrauchte Dienerinnen“

Nicht nur Skandale über Pädophilie erschüttern die katholische Kirche, der Dokumentarfilm „Gottes missbrauchte Dienerinnen“ von Eric Quintin und Marie-Pierre Raimbault zeigt, dass auch zahlreiche Nonnen Opfer von sexuellem Missbrauch wurden. Der Film wurde auf Arte.tv am 04. März 2019 veröffentlicht und ist bis 03. Mai dort zu sehen.

Wie bereits berichtet, gab Papst Franziskus im Jänner zu, dass er weiß, dass so etwas geschah und auch noch immer passiert. Kardinal Christoph Schönborn stellte sich mit dem Satz „Ja, ich glaube Ihnen!“ auf die Seite der ehemaligen Nonne Doris Wagner. In dem Dokumentarfilm erzählt Wagner, wie sie von einem höher gestellten Priester sexuell missbraucht wurde.

„Hierarchie fördert Machtmissbrauch“

kfbö-Vorsitzende Veronika Pernsteiner betrachtet die Übergriffe durch Priester vorrangig als Machtmissbrauch und dieser sei "primär ein strukturelles Problem". In der Kirche brauche es deshalb "Reformen in der Amtsstruktur, die das bestehende Machtgefälle zwischen Männern und Frauen, Klerus und Laien aufheben, dazu eine radikale Wende in der Sexualmoral".

Frauen genießen bis dato nicht die gleichen Chancen. Diese Ungleichheit führe laut Pernsteiner zu hierarchischen, statt partizipativen, Strukturen und Hierarchie fördere Machtmissbrauch. „Frauen haben das über lange Jahrhunderte leidvoll erfahren," meint Pernsteiner.

Noch begünstigt der Klerikalismus den Missbrauch durch höher gestellte Männer. "Geistliche Macht", die im Weihesakrament verliehen wird, wird zu oft im Sinne von "beherrschen" verstanden. Doch es sollte vielmehr "ermächtigen" bedeuten. Macht müsse der Menschenwürde dienen und Gerechtigkeit und Gemeinwohl fördern, so Pernsteiner.

Weiheämter sollten Frauen zugänglich sein

Um dem „Missbrauch begünstigenden Klerikalismus“ entgegenzutreten, plädiert Pernsteiner für die Öffnung aller Weiheämter für Frauen. Geeigneten Frauen sollten alle Ämter zugänglich sein. Die Trennung von Weihe- und Leitungsamt in der Kirche solle helfen "Macht zu verteilen ", so die kfbö-Vorsitzende. Auch eine Reihe von Fachleuten wie der Jesuit Klaus Mertes und Ansgar Wucherpfennig teilen diese Ansicht. "Wir wollen Kirche gestalten, gemeinsam mit Männern, in geteilter Macht", erklärt Pernsteiner.