In Wien klingt der Ruf „Gegen den Strom“ durch die frühherbstlich kühle Luft – nicht bloß als ein Motto des Gedenkjahres, sondern als eine Einladung, die Wurzeln der Freikirchen in Österreich (FKÖ) neu zu entdecken. Am 13. September laden die Freikirchen zu einem Festgottesdienst ein, der nicht nur Feier, sondern ein lebendiges Innehalten sein soll. Es ist ein Moment des Rückblicks, aber auch der Bestärkung für das heutige Glaubensleben. In feierlicher Segnung wird Peter Zalud, der neue Vorsitzende des Rates der Freikirchen in Österreich, sein Amt von Pastor Franz Gollatz übernehmen – ein symbolträchtiger Wechsel, der die Kontinuität und das Miteinander dieser kirchlichen Gemeinschaften unterstreicht.
Ein Blick in Geschichte und Gegenwart
Ein zweiter Höhepunkt wartet im Oktober: Im historischen Curhaus findet ein Symposion statt, bei dem unter dem Titel „Gegen den Strom: 500 Jahre reformatorische Täuferbewegungen“ internationale und nationale Expertinnen und Experten zu Wort kommen. Sie beleuchten die Geschichte, das leidenschaftliche Ringen um Glaubensfreiheit und Gewissensentscheidungen ebenso wie die gegenwärtige Bedeutung der Werte, die vor einem halben Jahrtausend geweckt wurden: Glaubenstaufe, freie Gemeindeformen, das Priestertum aller Gläubigen und der Mut zur Gewaltfreiheit.
Diese Feierlichkeiten sind kein bloßes Erinnern an ferne Zeiten. Die Bewegungen, auf die sie Bezug nehmen, formten eine Tradition, die bis heute lebendig ist. Freikirchliche Gemeinschaften wie die Baptisten, die Evangelikalen, Pfingstgemeinden, Elaia-Gemeinden und Mennoniten verstehen sich als Fortsetzung jener radikal-reformatorischen Strömungen, die im 16. Jahrhundert den Glauben neu denken wollten.
Erinnerung als Auftrag
Während damals Täuferinnen und Täufer vielerorts Verfolgung, Folter und Hinrichtung ausgesetzt waren für ihre Überzeugung – vor allem in Regionen, die heute Österreich umfassen – hat sich daraus ein Fundament entwickelt, auf dem heute Freikirchen stehen, die Vielfalt, Glaubensfreiheit und gesellschaftliches Engagement Leben.
Besonders eindrücklich ist der Spagat zwischen Erinnerungskultur und aktueller Relevanz. Die Täuferbewegung mahnt, dass Glaube nicht bequem sein darf – er fordert heraus, widerspricht dem Mainstream, fordert Verantwortung für Gesellschaft und andere auf, stellt Gewissensentscheidungen in den Mittelpunkt. Die freikirchlichen Bünde in Österreich streben davon geleitet danach, ihre Stimme hörbar und verbindlich im ökumenischen Gespräch und im öffentlichen Raum zu erheben.
Im ORF 2 erschien am 28.04.2025 der Dokumentationsfilm “Eine Heimkehr - Auf den Spuren der Täufer in Österreich”. Dieser kann bis zum 15.10.2025 auf der ORF-Streamingplattform angesehen werden (zum ORF-Dokumentationsfilm).
Ein Impuls für heute
Wer diesen Gedanken nachspüren möchte, ist eingeladen: Der Festgottesdienst eröffnet mit tiefer Dankbarkeit, das Symposion bringt Wissen, Diskurs und Inspiration zusammen. Und so wird aus einem Jubiläum kein nostalgischer Rückblick, sondern ein kraftvoller Impuls, den eigenen Glauben „gegen den Strom“ hineinzuleben in die Welt von heute.
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