Peter Wiegand, Gründer und langjähriger Leiter des Freizeit- und Bibelschulzentrums Schloss Klaus, ist am 25. Juli 2025 im Alter von 88 Jahren verstorben. Der gebürtige Hamburger pachtete 1963 gemeinsam mit seiner Frau Runhild das damals baufällige Schloss, renovierte es in Eigeninitiative und machte es zu einem Zentrum für christliche Jugendarbeit, Bildung und Begegnung.
Unter seiner Leitung entwickelte sich Schloss Klaus zu einem weit über die Region hinaus bekannten Treffpunkt mit jährlich mehr als 20.000 Übernachtungen. Neben Freizeiten, Bibelschulprogrammen und Tagungen engagierte sich das Haus auch in internationalen Hilfs- und Missionsprojekten.
Schloss Klaus – Vom Verfall zum geistlichen Zentrum
Die Schlossanlage am Fuße der Kremsmauer blickt auf eine über 800-jährige Geschichte zurück. Als Wiegand sie 1963 entdeckte, war sie dem Verfall preisgegeben. Mit einem kleinen Team begann er umfangreiche Sanierungsarbeiten, und schon 1964 fanden die ersten Jugendfreizeiten im Rahmen der internationalen Bewegung „Missionsgemeinschaft der Fackelträger“ statt. Heute verfügt Schloss Klaus über rund 150 Gästebetten, eine Bibelschule und vielfältige Seminar- und Freizeitangebote.
1980 rief Wiegand die Diakonie in der Gemeinde (DIG) ins Leben – eine diakonische Arbeit für Menschen mit Behinderung in der Region Windischgarsten und Kirchdorf. Auslöser war die Situation seiner Tochter Birgit, für die es nach der Sonderschule keine geeignete Betreuungseinrichtung gab.
„Wir hatten in den Eltern der Kinder mit Beeinträchtigungen die wahren Helden kennengelernt [...] gleichzeitig hatten wir viele Male erfahren, wie nahe Gott kommt, wo Not und Leid [...] Distanz schaffen.“
Die DIG begann in bescheidenen Räumen, erhielt 1981 die offizielle Anerkennung nach dem oö. Behindertengesetz und verfügt heute über vier Standorte mit rund 100 Betreuungsplätzen sowie mehr als 40 Mitarbeitenden.
Internationale Wirkung
Unter Wiegands Leitung entwickelte Schloss Klaus auch weltweite Projekte: Ab 1978 unterstützte man Gemeinden und Projekte in Ländern wie Sudan, Indien, Rumänien oder Albanien – von Entwicklungszusammenarbeit bis zu missionarischen Initiativen.
2013 feierte die Missionsgemeinschaft ihr 50-jähriges Bestehen mit einem großen Fest, zu dem über 550 Gäste aus Kirche, Politik und Zivilgesellschaft kamen.
Anerkennung und Auszeichnungen
Für sein Lebenswerk erhielt Peter Wiegand im Januar 2025 von Diakonie Österreich das Kronenkreuz in Gold – eine der höchsten Auszeichnungen der evangelischen Kirche in Österreich.
Peter Krömer, ehemaliger Präsident der Evangelischen Synode, würdigte ihn als „profilierte, geistliche Persönlichkeit“, die es verstand, „Kirche Fernstehenden das Evangelium, vor allem unter jungen Menschen, zu verkündigen“ und Menschen zu schulen, „um ehrenamtlich im Rahmen der Evangelischen Kirchen mitarbeiten zu können“.
Gerald Wakolbinger, langjähriger Geschäftsführer des Werks für Evangelisation und Gemeindeaufbau, bezeichnete Wiegand als „einen der prägendsten und einflussreichsten geistlichen Leiter unseres Landes und weltweit darüber hinaus“.
In einer Aussendung von Schloss Klaus heißt es in Anlehnung an Psalm 23: „Bis zuletzt war es Peters Gewissheit, dass sein Weg nicht im dunklen Tal endet, sondern in den Armen des lebendigen und auferstandenen Herrn Jesus [...] Wir zeichnen diesen Nachruf in Dankbarkeit für einen besonderen Menschen, der uns ein großes Vorbild war und unzählige Segensspuren hinterlassen hat.“
Peter Wiegand übergab die Leitung von Schloss Klaus am 1. Jänner 2000. Seine Arbeit hat das kirchliche und soziale Leben in der Region und weit darüber hinaus geprägt. Die Beerdigung findet am 2. August 2025 in Oberösterreich statt.