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Kirche werde oft „mit einem Theaterabo verglichen und man schaut, rentiert sich‘s oder rentiert sich‘s nicht“, meint der neue burgenländische Superintendent Robert Jonischkeit.
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<p>Kirche habe eine relevante Botschaft, „gerade in diesen Zeiten, wo ich erlebe, dass Solidarität und Miteinander oft aufgegeben werden zugunsten eines persönlich gelebten Egoismus“, sagt der designierte evangelische Superintendent im Burgenland Robert Jonischkeit. Ganz aktuell seien Gemeinschaft, Teilen, und das Miteinander zentrale Werte, die die Kirche vermitteln könne, betonte der Kufsteiner Pfarrer am Samstag, 6. März, unmittelbar nach seiner Wahl im Gespräch mit Medienvertretern. Ob diese Vermittlung in der Kirche oder an einem anderen Ort geschehe sei „gar nicht so entscheidend“, so Jonischkeit weiter.

Kirche ist kein Theaterabo

Eine Herausforderung, der sich die Kirche zu stellen habe, seien die sinkenden Mitgliederzahlen. Die sieht Jonischkeit vor allem darin begründet, „dass die Denkweise des modernen Menschen mehr in Richtung Konsumverhalten geht als in Lebensplanung“. Viele Menschen würden aus der Kirche austreten, da sie meinten, die Mitgliedschaft lohne sich für sie nicht, da sie ohnehin nur selten in den Gottesdienst gingen. „Da wird Kirche mit einem Theaterabo verglichen und man schaut, rentiert sich‘s oder rentiert sich‘s nicht. Ich versuche dann darauf hinzuweisen, dass Kirche eigentlich ein Lebenskonzept ist.“

Um den Rückgang an Mitgliedern aufzuhalten will Jonischkeit insbesondere auf die Jugend und die Kerngemeinden bauen. Jugendliche würden im Burgenland oft in der Kirche sozialisiert, kämen „dann aber irgendwann abhanden“. Es gelte, sie „abzuholen, wo sie sind, und dann auf sie zu hören“. Die Gemeinden im Bundesland mit dem höchsten Anteil an Evangelischen seien zudem „stark und lebendig“. Hier ließen sich neue Mitglieder über die persönliche Ansprache gewinnen.

Begegnung und Kontakte bauen Angst gegenüber dem Fremden ab

Die Diskussion um Flüchtlinge flammt in der öffentlichen Diskussion immer wieder auf. Jonischkeit appelliert hier an die Humanität: „Ich persönlich mag den Begriff Flüchtlinge nicht besonders gern. ‚Menschen auf der Flucht‘ macht deutlich, dass es sich um Menschen handelt, und damit auch um eine Frage der Menschlichkeit.“ Das Fremde mache Angst, solange es fremd sei. Ablehnung gegenüber geflüchteten Menschen erlebe er daher vor allem dort, wo es gar keine gebe. „Dort wo Menschen auf der Flucht integriert und aufgenommen werden, dort finden Kontakte statt und die Angst wird abgebaut.“

Was die digitale Kirche betrifft zeigt sich Jonischkeit beeindruckt von einem „ganz großen Technologiefortschritt“, der auch in der Evangelischen Kirche im vergangenen Jahr geschehen sei. Er selbst etwa streamt seine Predigten auf YouTube. Gleichwohl lebe Kirche von Gemeinschaft, „und ich bete dafür, dass wir bald wieder Gemeinschaft Leben können“.

Spagat zwischen Beruf und Familie

Jonischkeit hatte sich überraschend bereits im ersten Wahlgang gegen die Pfarrerinnen Iris Haidvogel und Claudia Schörner durchgesetzt. Auf die Frage, wie er jene ins Boot holen wolle, die sich eine Superintendentin erhofft hatten, meint Jonischkeit, er wolle sein Bestes tun, „um auch das Vertrauen derer zu gewinnen, die sich einen anderen Ausgang der Wahl gewünscht hätten“. Er sei „sehr dafür, dass Frauen in kirchenleitenden Funktionen tätig sind. Das Mann-Frau-Sein zum entscheidenden Kriterium zu machen würde aber der Gleichberechtigung nichts Gutes tun.“ Er selbst erwartet mit seiner Frau aktuell das dritte Kind. Die Vereinbarung von Beruf und Familie würde nicht leicht werden, „aber ich bin mir sicher, dass dieser Spagat nicht nur zu schaffen ist, sondern dass er auch bewältigbar sein muss“.

In tagespolitischen Diskussionen wolle er sich „möglichst spärlich“ öffentlich zu Wort melden, „aber es kann tatsächlich Bereiche geben, die so zentral und so wichtig sind, dass man dazu in der Öffentlichkeit etwas sagen muss“.