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„Wer mit dem Auferstandenen schon einmal Gottesdienst gefeiert hat, der lässt die Dinge nicht so, wie sie sind. Der sucht nicht mehr die Geborgenheit des Gewohnten.“
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<p>Angesichts des noch nichts absehbaren Endes der Coronakrise hat der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka zu Zuversicht aufgerufen. Im Radiogottesdienst zum Ostermontag, 13. April, erinnerte Chalupka an die biblische Geschichte der Emmausjünger, die nach Jesu Kreuzigung ganz in ihre Trauer versunken gehen und so den Auferstandenen erst nicht erkennen, der ihnen begegnet. „Ich denke, ihre Augen waren voller Tränen, voller Schmerz und Verzweiflung. Diese Erfahrung ist in diesen Tagen vielen nicht fremd“, so Chalupka in der aus Mödling in den ORF-Regionalradios übertragenen Feier. „Ihre Augen waren voller Tränen. Wie die Augen von Julia, die ihren Mann nicht mehr im Pflegeheim besuchen kann und Sorge hat, ob er sie noch wiedererkennen wird, dann, wenn es wieder möglich sein wird, ihn zu besuchen. Oder wie die Augen der Ärztinnen und Ärzte in Bergamo, New York oder Wuhan, die auch Tränen der Verzweiflung geweint haben angesichts der vielen Kranken, denen sie nicht helfen konnten.“

Erst nachdem Jesus zu den Jüngern gesprochen und das Brot gebrochen hatte, hätten sie ihn als den Messias erkannt, woraufhin dieser nach der Erzählung des Lukas-Evangeliums aber verschwand. „Das ist hart. Jesus mutet seinen Jüngern da einiges zu. Er zeigt sich als der Auferstandene, gibt den Mutlosen Mut und den Hoffnungslosen neue Hoffnung. Doch als sie ihre Augen aufschlagen und ihn erkennen, ist er wieder weg.“ Auch hier ortet Chalupka deutliche Parallelen zur Situation vieler Menschen in der Coronakrise: „Jesus entzieht sich der körperlichen Berührung, er bleibt auf Abstand, er schenkt ihnen das lebendige Zeichen des Abendmahls, der Gemeinschaft mit ihm und mit all seinen Jüngerinnen und Jüngern seither und mit uns im Abendmahl, bei dem er gegenwärtig ist.“

Sehnsucht nach persönlicher Begegnung

Diese Sehnsucht nach der persönlichen Begegnung sei aktuell besonders gut nachzuvollziehen, da auf Grund von Ausgangsbeschränkungen und Veranstaltungsverboten kein gemeinsames Abendmahl gefeiert werden könne. „Was uns aber bleibt, sind die Erzählungen von der Gemeinschaft mit Jesus, sind die Erfahrungen der Gemeinschaft untereinander und mit ihm, und die Gewissheit, dass der Tag kommen wird, da wir wieder das Mahl der Gemeinschaft miteinander feiern werden können.“ Der Weg der Jünger sei auch nach der Begegnung mit dem Auferstanden steinig und gefährlich gewesen, immer wieder seien sie der Gefahr ausgesetzt gewesen, die Hoffnung zu verlieren.

„Jesus geht immer mit“

Einen ähnlichen, beschwerlichen Weg beschritten heute viele: „Wer mit dem Auferstandenen schon einmal Gottesdienst gefeiert hat, der lässt die Dinge nicht so, wie sie sind. Der Sucht nicht mehr die Geborgenheit des Gewohnten.“ Als Beispiel führte Chalupka unter anderem die Pfarrerinnen und Pfarrer an, die etwa per YouTube oder Telefon neue Formen des Gottesdienstes und der Seelsorge beschritten. Der Unterschied zwischen den Emmausjüngern und denen, die heute beschwerliche Wege auf sich nehmen, besteht nach Chalupka jedoch im Wissen darum, wie die Geschichte um die Auferstehung Jesu ausgehe: „Der Weg mag noch so steinig und schwierig sein und voller Gefahren. Wir wissen, anders als die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus, am Ende wird alles gut. Jesus geht immer mit.“

Den Radiogottesdienst gestaltete Bischof Michael Chalupka gemeinsam mit der Mödlinger Pfarrerin Anne Tikkanen-Lippl.