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"Ulrich Zwingli und Dietrich Bonhoeffer eint, dass sie ihren Weg gegangen sind, auf den Gott sie geschickt hat, obwohl sie wussten, dass dieser Weg gefährlich ist", sagte Christoph Sigrist (r.)
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Internationalen Besuch hat die Pfarrgemeinde Wien-West am Sonntag, 28. April bekommen: Rund 30 BesucherInnen aus Zürich, allen voran der Pfarrer des Zürcher Großmünsters, Christoph Sigrist, sind zur Zwingli-Kirche gekommen um einen „außerordentlichen Gottesdienst“ zu feiern, wie Landessuperintendent und Ortspfarrer Thomas Hennefeld betonte. „Einerseits handelt es sich um den Besuch einer Pfarrgemeinde bei einer anderen Pfarrgemeinde“, so Hennefeld, „andererseits ist es natürlich auch ein Besuch des Reformationsbotschafters des Kantons Zürich im Zwingli-Jahr.“ Sigrist ist einer der Reformationsbotschafter in der Schweiz und als Pfarrer am Zürcher Großmünster der 33. Nachfolger des Reformators Ulrich Zwingli. Dieser hatte am 1. Jänner 1519 seinen Predigtdienst am Großmünster begonnen und in der Folge nahm die reformierte Reformation von hier aus ihren Weg.

Der Gottesdienst in der Zwingli-Kirche stand unter dem Zitat des Reformators „Gott braucht dich als Werkzeug“. Hennefeld und Sigrist hielten eine Dialogpredigt, in der der Landessuperintendent darauf hinwies, dass Gott sich Menschen suche als Werkzeuge, „wie etwa die Propheten, für ganz bestimmte, manchmal auch zeitlich begrenzte Aufgaben.“ Ulrich Zwingli sei so ein Werkzeug Gottes gewesen, zeigte Sigrist sich überzeugt in seinem Predigtteil. „Ebenso war Dietrich Bonhoeffer ein Werkzeug Gottes. Beide eint, dass sie ihren Weg gegangen sind, auf den Gott sie geschickt hat, obwohl sie wussten, dass dieser Weg gefährlich ist.“ Jeder und jede müsse überlegen, wo er oder sie ein Werkzeug Gottes sein könne. „Wir sehen uns als Pfarrgemeinde auch als ein Werkzeug Gottes“, betonte Hennefeld. „Wir sind eine politisch denkende Gemeinde und achten sehr darauf, was sich um uns herum in der Gesellschaft ereignet. Im Dienst Gottes stiften wir Frieden und erheben, wenn nötig, unsere Stimme zu scharfer Kritik.“ Dies sei auch im Sinne des Reformators Zwingli, der die Menschen immer gesehen hat, wie sie in einem Kontext der Gesellschaft leben. „Auch von daher ist es gut und wichtig zu überlegen, wo wir als Werkzeug Gotts wirken.“ Beim Gottesdienst und anschließenden Empfang, zu dem die Zwingli-Gemeinde eingeladen hat, waren auch Vertreter der Kirchenleitung H.B. anwesend.

Bei seinem mehrtägigen Besuch in Wien wird der Pfarrer und Reformationsbotschafter Sigrist auch mehrere Interviews mit Medien absolvieren, unter anderem mit dem ORF. Beim traditionellen Reformationsempfang der Evangelischen Kirchen im Oktober wird Sigrist heuer der Festredner sein.