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Jede Gemeindevertretung muss für sich beschließen, dass so ein Segnungsgottesdienst für homosexuelle Paare in ihrer Pfarrgemeinde stattfinden kann.
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<p>Am Samstag, den 09. März, einigte sich die Synode A.B. mit einer Mehrheit von 45 zu 18 Stimmen darauf, gleichgeschlechtlichen Paare in einem öffentlichen Gottesdienst zu segnen. Voraussetzung ist eine standesamtlich geschlossene Ehe, berichtet der Evangelische Pressedienst. Die Evangelische Kirche versteht diese Verbindung als „eheanalog“ und hält am „Verständnis der Ehe als der auf lebenslange Treue angelegten Lebensgemeinschaft von Mann und Frau“ fest. Diese sei in der Heiligen Schrift und dem kirchlichen Bekenntnis begründet, heißt es in dem Beschluss der Synode.

Jede Gemeindevertretung muss für sich beschließen, dass so ein Segnungsgottesdienst für homosexuelle Paare in ihrer Pfarrgemeinde stattfinden kann. Außerdem dürfen Pfarrer und Lektoren aufgrund ihres persönlichen Gewissens entscheiden, ob sie jene Paare segnen oder nicht.

Im Vorfeld der Synode wurde heftig über das Thema debattiert, das Thema polarisierte das ganze Land. Die OÖN berichtet, dass die evangelische Kirche vor einer Zerreißprobe steht, zwischen liberalen und konservativen Pfarren sowie zwischen Jungen und Älteren. Vertreter, die wollen, dass gleichgeschlechtliche Paare auch getraut werden, stehen der Seite gegenüber, die Homosexualität als unbiblisch bezeichnet und deshalb auch keine Segnung jener Paare wünscht.

Geschäftsführer der Diakonie Bildung und evangelischer Pfarrer Michael Chalupka meinte vor der Entscheidung: „Die Synode wird zu einem Ergebnis finden, das beiden Seiten viel abverlangt.“ Die sich widersprechenden Ansichten der beiden Gruppen machen einen Kompromiss schwer. Gerüchte über eine Spaltung der Evangelischen Kirche wurden laut.

Unterschiedliche Meinungen

Leiter der evangelischen Diözese Oberösterreich Superintendent Gerold Lehner könne mit seinem Gewissen nicht vereinbaren, die Verbindung von homosexuellen Paaren als Ehe zu definieren. "Hier sind die Aussagen der Bibel zu klar", sagt Lehner, berichtet die OÖN.

Pfarrerin Veronika Obermeir-Siegrist in Linz sagt hingegen: "Das österreichische Recht sieht vor, homosexuelle Paare nicht mehr zu diskriminieren. Und die Kirche sollte hier auch die Liebe in den Vordergrund stellen."

Christoph Grötzinger, Generalsekretär der Österreichischen Evangelischen Allianz (ÖEA) ist sich der brisanten Thematik bewusst und schreibt auf Anfrage von GLAUBE.at: „Wir haben uns vor der Synode als ÖEA bewusst nicht zu dieser innerkirchlichen Sache geäußert, und ich möchte auch jetzt keine Stellungnahme abgeben.“

Bischof Bünker ist stolz auf seine Kirche

Laut Bischof Bünker verdiene der jetzige Kompromiss mit den Segnungsgottesdiensten großen Respekt. „Ich bin persönlich zufrieden mit diesem Beschluss“, sagt der Bischof. „Dass viele mitgestimmt haben, die ursprünglich skeptisch waren – sonst hätten wir nicht die Zweidrittelmehrheit erreicht – zeigt, dass der Diskussionsprozess gut verlaufen ist“, meint der Bischof. „Ich bin stolz auf diese Kirche!“

Online Reaktionen zeigen, dass nicht alle den Kompromiss gutheißen. Dieser sei weder ein Sieg für die, die eine kirchliche Trauung wollten, noch für jene, die gar keine Zustimmung zu Homosexualität geben wollten. Somit haben im Grunde beide Seiten verloren und ein eindeutiges Bekenntnis, pro oder contra gleichgeschlechtliche Paare, fehlt. Tatsache ist jedoch, dass „segnen“ jemanden Gutes Wünschen bedeutet und das ist in jedem Fall zu begrüßen. Allerdings konnten sich homosexuelle Paare schon seit 2007 diesen Segen in privatem Rahmen holen.

Lektor Dieter Reichert: „Es ist ein großer Riss entstanden“

Der Lektor der Gemeinde in Windischgarsten und ehemaliger Direktor des „Blauen Kreuzes“ findet deutliche Worte. Im Gespräch mit GLAUBE.at meint Reichert: „Ich bin zutiefst erschüttert, dass die Evangelische Kirche von Gottes Wort so abgewichen ist. Homosexualität wird im Alten und Neuen Testament, sogar von Jesus selbst, als Sünde bezeichnet. Die Entscheidung legalisiert im Grunde diese Sünde. Ich bin nicht stolz auf Bischof Bünker, stolz wäre ich, wenn er sagen würde, dass das nicht in Ordnung ist, aber wir den Sünder lieben. Das hat Jesus ja auch getan. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie das weitergehen soll mit der Evangelischen Kirche. Ich denke, es ist ein großer Riss entstanden.“

Auf die Frage von GLAUBE.at, ob Bischof Bünker die Gefahr einer Spaltung der Kirche sieht, meint er: "Ich hoffe, dass mit dem Beschluss der
Synode vom 09. März ein Weg gefunden wurde, auf dem möglichst viele mitkönnen. In der Tat gibt es einzelne Mitglieder, die mir aufgrund dieser Synodenentscheidung ihren Entschluss mitteilen, aus der Evangelischen Kirche austreten zu wollen. Bis zum heutigen Tag bleibt dies allerdings im einstelligen Bereich."