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Der Bischof für den Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, Hans-Jürgen Abromeit.
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Der Bischof für den Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald), hat den Beschluss des Deutschen Evangelischen Kirchentages kritisiert, bei seinem Treffen 2019 in Dortmund keine Vertreter der AfD sprechen zu lassen. „Es tut uns gut, zu der Partei auf Abstand zu gehen, aber mit den Menschen das Gespräch zu suchen. Die Entscheidung des Kirchentags halte ich für falsch“, sagte Abromeit vor Medienvertretern in Greifswald. Man müsse nicht alle Politiker der AfD dort sprechen lassen, könne aber schauen, wer zu Sachthemen etwas sagen könne. „Ich glaube, dass gerade der Kirchentag, der ein sehr großes, weites Dialogforum ist, sich hier eine Chance vergibt“, so Abromeit weiter. Die parteipolitische Zuordnung sollte innerhalb der Kirche keine Rolle spielen. „Kirche ist nicht links und nicht rechts – sondern Kirche ist da, wo die Menschen sind und wo Christus ist.“ Es sei im Umgang mit der AfD eine Herausforderung, überall zu sein, wo Menschen sind. „Man kann aber die Menschen, die meinen, bei der AfD gäbe es bestimmte Antworten, nicht einfach links liegen lassen.“ Abromeit positionierte sich damit anders als die Synode seines Pommerschen Kirchenkreises. Das Gremium begrüßte laut Mitteilung den Beschluss des Kirchentages und machte sich dessen Begründung zu eigen.

Unterstützung für Teilnahme am „Marsch für das Leben“

Abromeit äußerte sich ferner zu seiner Teilnahme am „Marsch für das Leben“ am 22. September in Berlin, bei dem er als erster landeskirchlicher Bischof gepredigt hatte. Dabei hatten 5.300 Teilnehmer gegen Abtreibungen demonstriert. In der Synode der Nordkirche habe es dazu lediglich eine kritische Rückmeldung gegeben, so der Bischof. Breite Unterstützung habe er in über 50 Briefen und E-Mails erhalten, die ausnahmslos positiv gewesen seien. Der Vorwurf, der Marsch für das Leben grenze sich nicht genug nach rechts ab, sei unzutreffend. Der Marsch sei parteipolitisch neutral und ökumenisch. Viele Medien hätten geschrieben, die Veranstaltung sei von der AfD geprägt oder mitgetragen, weil 2015 die AfD-Politikern Beatrix von Storch in der ersten Reihe mitgelaufen sei. „Da wird medial auch eine Stimmung erzeugt, weil einer vom anderen abschreibt“, so Abromeit. Er habe in seiner Predigt nichts gesagt, was nicht „Grundlage allgemein-christlicher Ethik“ und nicht in der ökumenischen Denkschrift „Gott ist ein Freund des Lebens“ von 1989 schon enthalten sei. Jeder vernünftige Mensch müsse doch zustimmen, dass etwa 100.000 Abtreibungen pro Jahr in einem Land wie Deutschland zu viel seien. Schwangere müssten viel stärker unterstützt werden, wenn sie über eine Abtreibung nachdächten. „Für mich ist es Ausdruck einer Theologie, die dem Leben einen sehr hohen Rang einräumt“, so Abromeit.

Vitalität von Gemeinden hängt nicht von Zahlen ab

In seinem letzten Jahr als Bischof möchte Abromeit, dessen Amtszeit Ende September 2019 endet, „vor allem Impulse und Ermutigung im Glauben geben“. Das soll etwa in einer geplanten bischöflichen Besuchswoche im Mai 2019 in Uckermünde geschehen. Am 29. April wird er darüber hinaus einen Gottesdienst im Greifswalder Dom halten, der auf Bibel TV übertragen werden soll. Abromeit rief dazu auf, nicht nur auf die zurückgehenden Mitgliedszahlen der Kirche zu sehen. „Die Vitalität einer Gemeinde hängt nicht davon ab, ob ein Großteil der Bevölkerung dazugehört.“ Im Sprengel Mecklenburg und Pommern sei der Gottesdienstbesuch und das Engagement sehr hoch. „Obwohl bei uns nur 17 Prozent der Menschen in der Kirche sind, haben wir bei der Anzahl der Veranstaltungen und kirchlicher Partizipation mehr zu bieten als die Stadt Hamburg.“ In den letzten 20 Jahren habe sich eine Vielzahl verschiedener Gottesdienstformen, etwa zu Dorffesten oder in Gaststätten, entwickelt, die der gesellschaftlichen Differenzierung Rechnung trügen. Solche Angebote müssten erhalten und ausgebaut werden. „Wir wären als Kirche dumm, wenn wir das nicht täten.“ Neben Abromeit ist Andreas von Maltzahn (Schwerin) Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern. Gemäß der Vereinbarung bei der Gründung der Nordkirche wird ab Oktober 2019 nur noch ein Bischof mit Sitz in Greifswald den Sprengel leiten. Er soll am 1. März 2019 gewählt werden. Die Nordkirche hat rund zwei Millionen Mitglieder in fast 1.000 Kirchengemeinden. Ihr Gebiet reicht von der dänischen bis zur polnischen Grenze.