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Bislang wurden im Jahr 2019 bereits 144.300 Waldbrände über Satellit auf brasilianischem Boden entdeckt, so die Queimadas-Website des „National Institute of Special Investigations of Brazil“. Das entspricht einer Steigerung von rund 50 % gegenüber dem Vorjahr, einem Jahr, das mit 94.504 Vorfällen dieser Art endete.

Die am stärksten betroffene Region ist Amazonien. Die dortige Regierung unter der Führung der Sozial Christlichen Partei behauptete, dass die Entwicklung im Jahresvergleich mit nur 1.700 Waldbränden im Vergleich zu den 2.220 Waldbränden von 2016 und den 1.780 von 2017 positiv sei.

Die Beobachtung zeigt, dass 2019 ein Jahr der zunehmenden Entwaldung des Landes war. Konkret sagen „Global Forest Watch Fires“ und die NASA, dass es in den ersten acht Monaten des Jahres 2019 verglichen mit dem Vorjahr einen Anstieg der Waldbrände um 39 Prozent gab.

Politisierte Brände

"Der Amazonas wird nicht durch Feuer verwüstet, wie einige lügende Medien sagen", so Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro diesen Monat, auf der Versammlung der Vereinten Nationen in New York. Der Chef der brasilianischen Exekutive hatte in den vergangenen Wochen einen diplomatischen Konflikt mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, welcher in den sozialen Medien meinte, dass "der Wald des Amazonas, die Lunge, die 20 % des Sauerstoffs unseres Planeten produziert, in Flammen steht".

"Es ist eine internationale Krise", so der Vorsitzende des Elysée-Palastes während des G7-Gipfels im August in Biarritz. Frankreich genehmigte einen Hilfsfonds in Höhe von 22 Millionen Dollar für Amazonien. Die Worte von Macron empörten Bolsonaro, der vor der Annahme der Hilfe eine Entschuldigung forderte, und bezeichnete die Haltung des französischen Präsidenten als "neokolonial".

"Leider leben wir in Brasilien in einer Zeit der politischen Polarisierung", so Beto Barros, Geschäftsführer der Brasilianischen Evangelischen Allianz, gegenüber dem spanischen Nachrichten-Portal Protestante Digital.

"Die Regierung, die wir gewählt haben, ist entschlossen, die Korruption in allen Gebieten der Region zu bekämpfen, und in der Region Amazonien gibt es viele komplizierte wirtschaftliche Interessen, da es viele Bodenschätze unter der Erde gibt. Die Regierung offenbart diese Interessen. Dies verärgert wiederum Menschen, Politiker, NGOs sowie nationale und internationale Unternehmen."

Jährliche Waldbrände in Brasilien

Die brasilianische evangelikale Allianz sagt: "Jedes Jahr ereignen sich für lange Zeit Waldbrände auf dem gesamten lateinamerikanischen Kontinent." Im Jahr 2017 verzeichnete Brasilien 141.000 Brände, 2016 waren es 125.000 und 2015 waren es 124.000. "Aufgrund der nationalen und internationalen Auswirkungen haben die Menschen vielleicht gedacht, dass diese Regenwaldbrände erstmals auftreten", so Barrios. "Jedes Feuer von großem Ausmaß verursacht großen Schaden für die Natur, die Naturschutzgebiete und das öffentliche und private Erbe, und das bedrückt uns", fügt er hinzu. An manchen Stellen gehen " die Waldbrände durch den Regen natürlich zurück", an anderen Stellen "wurden Truppen zur Brandbekämpfung eingesetzt". Dennoch, sagt Barros, sei der Amazonas-Regenwald "so dicht und nass, dass es schwierig ist, durch das Feuer zerstört zu werden." Das eigentliche Problem ist, wenn Brände entstehen, "wo es Entwaldung gegeben hat, sei es durch legale oder illegale Aktivitäten."

Das Problem der nicht kontrollierten Entwaldung

Im August veröffentlichte die brasilianische Evangelische Allianz ein Manifest, in dem sie die Notwendigkeit bekräftigte, die Schöpfungspflege in den Mittelpunkt zu stellen und die Bedeutung der "Erhaltung des Amazonas, um das Klimagleichgewicht der Welt zu verbessern."

Darüber hinaus forderte die Evangelische Allianz "strengere Gesetze" über die Waldnutzung im Land. Barros betont: "Die Gesetzgebung ist aufgrund diverser Interessen zurzeit äußerst nachsichtig. Die Behörden haben bereits Tausende von Bußgeldern verhängt, doch nach gerichtlichen Einsprüchen von Einzelpersonen sowie nationalen und internationalen Unternehmen, werden die Strafen in zweiter Instanz oftmals stark reduziert oder annulliert."

"Ich bin bereits mehrmals über die Amazonas-Landschaft geflogen und es ähnelt einem Flug über das Meer: Es sind Stunden des Fluges über einem Meer von Bäumen. Die Kontrolle ist sehr schwierig, weil wir Tausende von Kilometern an Grenzen haben, die das Fällen von Bäumen und die Gewinnung von Gold erleichtern."

Laut Global Forest Watch kamen 88 % der Warnmeldungen, die mit registrierten Bränden zu tun haben, aus ungeschützten Gebieten, und 28 % wurden in sogenannten Bergbaugebieten lokalisiert.