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„Wir sind Christen, und als Christen waren wir vom Moment der Todesnachricht an gewiss, dass es Maria gut geht, dass sie gut aufgehoben und bewahrt ist“, erklärt Friederike Ladenburger.
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Dem christlichen Ehepaar Ladenburger wird heute, Mittwoch der 13. März 2019, in Berlin der Bürgerpreis der Deutschen Zeitungen verliehen für ihre Gründung der „Maria Ladenburger Stiftung“, berichtet die Badische Zeitung. Im Herbst 2016 hat das Ehepaar ihre Tochter Maria verloren – durch einen Mord, der monatelang in den Medien war.

Der Bund Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) würdigt mit dem 20.000 Euro dotiertem Preis für herausragendes bürgerschaftliches Engagement, dass die beiden Christen im Namen ihrer Tochter eine Stiftung für Studierende eingerichtet haben, um ein "Zeichen der Mitmenschlichkeit" zu setzen.

Der Fall Maria L.

Die 19-jährige Medizinstudentin Maria Ladenburger ist im Oktober 2016 Opfer eines Sexualverbrechens geworden. Die Polizei nahm den, nach eigenen Aussagen minderjährigen Flüchtling aus Afghanistan, Hussein K. fest. Im September 2017 begann der Prozess gegen K. vor dem Landgericht Freiburg. Im März 2018 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Stiftung

Im Interview mit der Badischen Zeitung sagt der Vater Clemens Ladenburg: „Es war unser Wunsch, dass die Erinnerung an unsere Tochter nicht nur mit diesem entsetzlichen Verbrechen verbunden sein soll, sondern mit ihrem Leben.“ Mutter Friederike meint, sie und Clemens seien sehr dankbar, für die Zeit, die sie mit Maria verbringen durften. „Deshalb wollten wir anderen Studierenden etwas schenken, was Marias Wirken und ihrer Ausstrahlung entsprechen und ein Zeichen der Mitmenschlichkeit in ihrem Sinne setzen sollte.“

Die Stiftung fördert laut eigener Webseite Studierende der Universität Freiburg mit Behinderung, plötzlichen Erkrankungen oder in schwierigen Lebenssituationen sowie ausländische Studierende bei deren Integration in das universitäre Leben. Sie fördert auch Projekte der Entwicklungshilfe, zum Beispiel durch Praktika im Medizinstudium. Die Universität Freiburg wählten die zwei auch deshalb, weil das Ehepaar dort Recht studiert und sich kennengelernt hatte. Heute leben und arbeiten sie in Brüssel, wo Maria auch begraben ist.

Die Gründung dieses Projekts verstehen die Ladenburgers als Zeichen gegen Hass und Menschenverachtung. Das Ehepaar sah mit großer Sorge mit an, dass das Schicksal ihrer Tochter instrumentalisiert und mit ihrem Namen Hass geschürt wurde. Doch Hass dürfe nicht mit Hetze und noch mehr Hass beantworten werden. Sonst drohe eine zerstörerische Spirale, die an den Grundlagen des Miteinanders rühre, so die beiden Christen.

Gott trägt in Zeiten der Trauer

„Wir sind Christen, und als Christen waren wir vom Moment der Todesnachricht an gewiss, dass es Maria gut geht, dass sie gut aufgehoben und bewahrt ist“, erklärt Friederike. Während ihres Trauerprozesses haben Clemens und Friederike Halt bei Gott gefunden. Gott ist in ihrem Leiden gegenwärtig und teile ihr Leid. Für die Gewissheit, dass sie ihre Tochter eines Tages wiedersehen werden, sind die beiden sehr dankbar.

Und doch hatte das Ehepaar „Momente der Bitterkeit, der Wut, auch der Niedergeschlagenheit und Resignation“. Clemens meint, dass sie Fragen, die zu schwer für sie seien, an Gott abgeben. Er ist sich jedoch ganz sicher, dass Gott nicht gewollt hat, dass das Maria angetan wurde. Denn Gott will das Böse nicht. Aber er hat Menschen als freie Wesen erschaffen und ihnen damit auch die Möglichkeit gegeben, Böses zu tun.

Friederike Ladenburger ergänzt: „Ohne Zweifel mussten und müssen wir als trauernde Eltern einen schwierigen Weg gehen – wie viele andere Eltern auch.“ Doch Marias sehr reife und starke Art mache ihnen Mut, „den Blick auf das Positive zu lenken, auf das Tragende, auf den Halt in aller Zerrissenheit und allem Leid“.

Denn Gott gibt ihnen die Kraft, dieses Schicksal zu meistern. Die Christen wissen, dass Gott bei ihnen ist und sie begleitet. Mit dem gewaltsamen Tod ihrer Tochter umgehen zu lernen, sei jetzt ihre neue Lebensaufgabe und das Ehepaar weiß, sie können das schaffen. „Das Gefühl der Dankbarkeit, von der wir schon sprachen, hilft uns, all die anderen Gefühle nicht so sehr hochkommen zu lassen, dass sie die Oberhand gewinnen“, erklärt Friederike Ladenburger.

Der Prozess

Die Haltung des Ehepaars während des Gerichtsprozess gegen den Mörder ihrer Tochter spiegelt ihre christlichen Werte wider. Die Badische Zeitung weist auf den fast milden Stil des Prozessvertreters der Ladenburgers hin, der nicht die Spur von Bitterkeit, den Wunsch nach Vergeltung oder politischer Anklage erkennen ließ. Friederike Ladenburger antwortete: „Der Stil entsprach unseren Vorstellungen. Mein Mann und ich, wir sind beide Juristen. Wir wollten, dass die Wahrheit gesucht und die Tat angemessen geahndet wird, so gut es in einem Rechtsstaat geht.“ Clemens meint sogar in Bezug auf den Täter: „Gott weiß, was aus diesem Menschen noch werden kann.“

Stiftung erinnert an die getötete Studentin Maria L. I Landesschau Baden-Württemberg