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Ein norwegisches Kinderschutzgericht hat das Sorgerecht für drei amerikanische Kinder in staatliche Obhut übertragen. Die Kinder wurden im Mai durch die berüchtigte norwegische Kinderschutzbehörde Barnevernet von ihren Eltern getrennt. „Unsere Herzen sind zerbrochen“, sagt die Mutter Natalya Shutakova gegenüber US Medien. Die Amerikanerin war erst im September des vergangenen Jahres mit ihrem Ehemann, dem litauischen Staatsbürger Zigintas Aleksandavicius, und den gemeinsamen Kindern Brigita (11), Nikita (9) und Elizabeth (7) berufsbedingt von Atlanta/Georgia nach Norwegen gezogen.

Auch die Wiener Bürgerinitiative „Step up 4 Children‘s Rights“ hat Kontakt zur Familie. Laut Aussagen der Initiative wurden die Kinder von Barnevernet entzogen, nachdem sich Brigita in der Schule lautstark über ihre Eltern geärgert hatte, weil diese ihr neues Smartphone als Strafe vorübergehend weggenommen hatten. Außerdem behauptete sie, ihre Mutter hätte ihr an diesem Tag kein Pausenbrot mitgegeben. Eine Lehrerin meldete diesen Vorfall der Kinderschutzbehörde. Daraufhin standen am späten Abend Mitarbeiter der Kinderschutzbehörde Barnevernet mit der Polizei vor der Tür, rissen die Kinder aus dem Schlaf und brachten die ganze Familie auf eine Polizeiwache. Dort wurde die Familie getrennt verhört, und anschließend brachte man die Kinder in eine andere Stadt in eine Pflegefamilie. 

Steven Bennett von „Step up 4 Children‘s Rights“ meint dazu: „Es gab vor dem Entzug kein Gerichtsverfahren, keine ordnungsgemäße Untersuchung und schon gar keine Unterstützung für die Familie. Die Kinder wurden durch den Entzug unnötig traumatisiert und wollen unbedingt zurück nach Hause. Aber die norwegischen Behörden werden sie nicht freigeben. Sie begründen den Kindesentzug damit, dass der Tagesablauf der Familie nicht ausreichend routiniert geregelt sei. Keine Gewalt, kein Missbrauch, keine Drogen, sondern nur eine subjektive Einschätzung, dass die Familie den von ihnen erwarteten Standard nicht erreicht hat.“

Die Abnahme der Kinder erfolgte am 20. Mai, und den Eltern wurde eine bis zu zweijährige Haftstrafe angedroht, wenn sie den Fall innerhalb der nächsten drei Wochen an die Öffentlichkeit bringen würden. Darüber hinaus gab es für einen Monat eine Kontaktsperre zu den Kindern. Danach wurden wöchentliche Besuche für jeweils zwei Stunden unter Aufsicht genehmigt. Anfang Juli wurde Brigita aus unbekannten Gründen von ihren beiden Geschwistern getrennt und in eine andere Pflegefamilie gegeben. Mittlerweile hat die Polizei das Strafverfahren gegen die Eltern eingestellt, doch die Kinder dürfen noch immer nicht nach Hause zurück.

Bei der letzten Verhandlung am 16. September zeigten die Eltern ein Handy-Video, das Brigita gefilmt hatte. Sie sagt darin: „Es tut mir sehr leid, dass ich gelogen habe. Ich will meine Mutter und meinen Vater zurück. Ich will meine Familie zurück.“

Natalya erzählte der Initiative „Step up 4 Children‘s Rights“ und auch US Medien: „Ich habe das Video vor Gericht präsentiert. Am nächsten Tag wurde uns mitgeteilt, dass Brigitas Handy kaputt sei. Ich habe keinen Zweifel, dass dies absichtlich getan wurde, um sie davon abzuhalten, weitere Videos zu machen, da sie diese in ihrem TikTok Konto veröffentlicht hat“. TikTok ist ein soziales Netzwerk, das vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt ist.

Am 27. September erhielten die Eltern einen Anruf ihres Anwalts, indem er ihnen mitteilte, dass das Kinderschutzgericht das Sorgerecht in ständige staatliche Obhut übertragen hat. Das schriftliche Urteil werde in den kommenden Tagen zugestellt. Die Eltern wollen das Urteil anfechten, müssen aber mindestens anderthalb Monate auf die Berufung warten. In der Zwischenzeit verpassen sie den zehnten Geburtstag ihres Sohnes Nikita und dürfen ihm auch keine Geschenke zukommen lassen. In Sofia/Bulgarien forderten rund 3.000 Demonstranten nach Bekanntwerden des Urteils mit lauten Sprechchören die Rückgabe der Kinder.

In einem anderen Fall von Kindesentzug wurde Norwegen erst kürzlich am 10. September von der obersten Kammer des Europäischen Gerichtshofs in Straßburg wegen Menschenrechtsverletzungen verurteilt. Weitere 26 Fälle sind dort vor Gericht anhängig. Die ÖVP Menschenrechtssprecherin und Nationalratsabgeordnete Dr. Gudrun Kugler kommentiert: „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass Norwegen schnellstmöglich die Gesetze und die Praxis der Jugendhilfe ändert. Nur so können Menschenrechte sichergestellt werden. Es ist an der Zeit, diese Art von Jugendhilfe von Grund auf zu erneuern.“

Ob das Urteil des Europäischen Gerichtshofs auch Einfluss auf das weitere Berufungsverfahren um das Sorgerecht der amerikanischen Kinder haben wird, bleibt abzuwarten. Es deutet aber nichts darauf hin, dass die Kinderschutzbehörde um eine Rückführung der Kinder in ihre Familie bemüht ist. Die Initiative „Step up 4 Children‘s Rights“ geht eher davon aus, dass nun schrittweise eine Zwangsadoption eingeleitet werden soll.