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Mehr Eheschließungen als 2016 hatte es zuletzt im Jahr 2000 gegeben.
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In Deutschland heirateten im Jahr 2016 so viele Menschen wie seit 16 Jahren nicht. Das geht aus dem diesjährigen „Datenreport – Sozialbericht“ hervor, den die Bundeszentrale für politische Bildung (Bonn) in Kooperation mit dem Statistischen Bundesamt (Destatis/Wiesbaden) veröffentlicht hat. Demnach heirateten in Deutschland 2016 insgesamt 410.000 Paare. Damit stieg die Zahl der Eheschließungen gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent. Mehr Eheschließungen als 2016 hatte es zuletzt im Jahr 2000 gegeben. Allerdings gaben sich Anfang der 1960er Jahre noch deutlich mehr Paare das Jawort, beispielsweise 1961 fast 700.000. Nach den derzeitigen Scheidungsverhältnissen werden etwa 35 Prozent aller in einem Jahr geschlossenen Ehen im Lauf der nächsten 25 Jahre wieder geschieden, also mehr als jede dritte Ehe.

Die Bedeutung der Ehe nimmt dennoch ab

Die Ehe sei zwar nach wie vor die häufigste Form, in der Paare zusammenleben, habe aber deutlich an Bedeutung eingebüßt, so der Datenreport. „Vor einigen Jahrzehnten lebte ein sehr großer Teil der Bevölkerung im mittleren Lebensalter in einer Ehe mit Kindern. Seither haben andere Lebensformen an Bedeutung gewonnen“, schreiben die Herausgeber der Studie. Paare lebten zunehmend unverheiratet als Lebensgemeinschaft zusammen. Auch die Geburt von Kindern sei für viele Paare kein Anlass mehr für eine Heirat. Die Zahl der Menschen steige, die als Alleinstehende ohne Partner und Kinder wohnen. Auch die Zahl der Alleinerziehenden, die zwar mit Kindern, aber ohne Partner leben, wachse.

Immer weniger Familien

Im Jahr 2017 gab es in Deutschland 8,2 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern; 2007 waren es noch 8,6 Millionen. Innerhalb von zehn Jahren sei die Zahl der Familien um rund 368.000 gesunken. Das entspricht einem Rückgang von vier Prozent. Während die Zahl der Ehepaare mit Kindern kontinuierlich gesunken ist, stieg die Zahl der Alleinerziehenden und der unverheirateten Lebensgemeinschaften mit Kindern. Gab es 2007 noch 6,3 Millionen Ehepaare mit minderjährigen Kindern, so waren es zehn Jahre später nur noch 5,7 Millionen (– zehn Prozent). Umgekehrt hat sich die Zahl der Lebensgemeinschaften mit minderjährigen Kindern von 675.000 im Jahr 2007 auf 934.000 im Jahr 2017 erhöht (+ 38 Prozent). Die Zahl der Alleinerziehenden stieg in diesem Zeitraum ebenfalls leicht an. „Die wachsende Bedeutung unverheirateter beziehungsweise alleinerziehender Familienformen führte zu einer Verschiebung der Familienstrukturen, bei der allerdings nach wie vor die Ehepaare mit Kindern deutlich überwiegen“ so der Datenreport. Im Jahr 2017 waren sieben von zehn Familien (70 Prozent) Ehepaare (2007: 74 Prozent). Alleinerziehende Mütter oder Väter machten 19 Prozent aller Familien aus (2007: 18 Prozent). Weitere elf Prozent aller Familien waren Lebensgemeinschaften mit Kindern (2007: 8 Prozent).

Familien haben meist nur ein Kind

Etwas mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Familien betreute 2017 genau ein minderjähriges Kind. Zwei Kinder unter 18 Jahren lebten in 37 Prozent der Familien. Drei Minderjährige wuchsen in neun Prozent der Familien auf, und in drei Prozent lebten vier oder mehr unter 18-Jährige.

Immer mehr gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften

2016 gab es in Deutschland rund 44.000 eingetragene homosexuelle Lebenspartnerschaften. Im Jahr 2016 wurden 7.733 Lebenspartnerschaften begründet, 4,5 Prozent mehr als 2015. Ähnlich wie eine Scheidung gibt es auch Aufhebungen von eingetragenen Lebenspartnerschaften: 2016 beendeten 1.238 Paare diese Partnerschaft, neun Prozent mehr als im Jahr davor. Seit Oktober 2017 können sich gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland standesamtlich trauen lassen. Der „Datenreport – Sozialbericht“ wird alle zwei Jahre erstellt und ist ein Gemeinschaftswerk des Statistischen Bundesamtes, des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) und der Bundeszentrale für politische Bildung.