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Karl Lagerfeld: „Ich gehöre in die Hölle. Im Himmel ist es sicher langweilig.“
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<p>Der weltberühmte Chanel-Designer Karl Lagerfeld ist tot. Der Modeschöpfer ist im Alter von 85 Jahren in Paris am 19. Februar 2019 verstorben. Sein künstlerisches Erbe wird vermutlich noch lange weiterleben. Ein Star für die Modewelt und zugleich eine skurrile und widersprüchliche Gestalt.

Lagerfelds Erfolg

Der gebürtige Hamburger Karl Lagerfeld lebte Zeit seines Lebens in Paris. Er begann seine Laufbahn in der französischen Modewelt Mitte der 1950er Jahre. Seit 1965 war er als Designer bei der international bekannten, italienischen Modemarke „Fendi“ unter Vertrag. Mode unter seinem eigenen Namen entwarf Lagerfeld mit Unterbrechungen seit 1974. Seit 1983 arbeitete er für das französische Modehaus Chanel. Nach einem „Comeback“ der Marke in den 1980er Jahren stieg Chanel zu einem internationalen Milliardenkonzern auf. Dieser Erfolg wird zu großen Teilen Lagerfeld zugeschrieben. Außerdem erhielt Karl Lagerfeld unzählige Ausszeichnungen.

Lagerfelds Glauben

In einem Interview mit "Playboy" 2011 antwortete Lagerfeld auf die Frage, ob er in den Himmel oder die Hölle kommen werde: „Ich gehöre in die Hölle. Im Himmel ist es sicher langweilig.“ Karl war ursprünglich katholisch erzogen worden, aber seine Eltern waren aus der Kirche ausgetreten. Er hatte keinerlei religiöse Erziehung gehabt. Jedoch meinte Lagerfeld, dass er die Geschichte der Religionen gut kenne. „Ich frage mich, ob die Idee von Gott eine gute Idee war“, so Lagerfeld über die Schöpfung des Menschen. Für ihn war es grotesk zu glauben, die Ungläubigen kämen in die Hölle.

Gegenüber dem französischen Magazin «Numéro» sagte Lagerfeld, er wünschte sich keine Beerdigung: „Eine Beerdigung? Wie schrecklich!“

Lagerfelds kontroverse Aussagen: Flüchtlingspolitik und Frauen

Im Mai 2018 griff Lagerfeld Angela Merkel in einem Interview des französischen Wochenmagazins "Le Point" an: "Hatte sie (Merkel) es nötig zu sagen, dass man eine Million Migranten aufnehmen muss(...)?". Lagerfeld drohte sogar damit, seine deutsche Staatsbürgerschaft deshalb abzulegen. Lagerfeld äußerte sich auch kritisch gegenüber der #MeToo-Bewegung: "Was mich am meisten schockiert, ist, dass diese Starlets 20 Jahre gebraucht haben, um sich an das Geschehene zu erinnern. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es keine Zeugen der Anklage gibt." Laut dem Designer sollten sich jene Frauen eine andere Branche aussuchen. Lagerfeld erklärt weiters, dass sexuelle Belästigung in seiner Branche nichts Ungewöhnliches sei: „Wenn du nicht willst, dass an deiner Hose herumgezogen wird, werde kein Model! Tritt einem Kloster bei, es wird immer einen Platz für dich im Kloster geben. Sie rekrutieren sogar!“

2013 erklärte Karl Lagerfeld im französischen Fernsehen, dass niemand dicke Frauen auf dem Laufsteg sehen wolle und Übergewichtige der Gesellschaft auf der Tasche lägen: "Keiner im Publikum will Frauen mit Rundungen sehen." Das war nicht das erste Mal, dass sich der Designer abschätzig über molligere Frauen geäußert hatte, schreibt der Spiegel. Er fand beispielsweise Sängerin Adele "ein bisschen zu fett" und war überzeugt, es seien "die dicken Mütter mit ihren Chipstüten vor dem Fernseher, die sagen, dünne Models seien hässlich." 

"Die Modewelt verliert eine unermüdliche Triebfeder"

Lagerfelds einflussreiche Designs sind unumstritten wegweisend für die Modewelt gewesen und sein Erbe als inspirierender Künstler wird in Erinnerung bleiben. Er ist das Vorbild schlechthin für aufstrebende Modedesigner. Die FAZ hält fest: „Die Modewelt verliert eine unermüdliche Triebfeder, die Generationen von Menschen einkleidete und Heerscharen von Designern prägte.“ Seine politischen und frauenfeindlichen Ansichten sollten jedoch kritisch hinterfragt werden.