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Laut dem Kinderpsychiater Winterhoff zeigt die Studie ein geschöntes Bild der Wirklichkeit. Die Zahlen seien zu niedrig.
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Der Kinderpsychiater Michael Winterhoff (Bonn) bezweifelt das Ergebnis einer Studie zum Suchtpotenzial von Sozialen Medien wie WhatsApp, Instagram und Snapchat. Laut einer Erhebung der Krankenkasse DAK zufolge sind rund 100.000 Jugendliche betroffen: Sie fühlen sich unglücklich, wenn sie soziale Medien nicht nutzen können, und haben kein Interesse an anderen Beschäftigungen. Jugendliche verbringen demnach durchschnittlich rund zweieinhalb Stunden täglich mit Sozialen Medien, wobei Mädchen dabei etwas länger online sind als Jungen. Die Folgen: zu wenig Schlaf, Realitätsflucht und Streit mit den Eltern. Jeder dritte Teenager, der diese Medien übermäßig nutze, habe Anzeichen einer Depression, so die Studie.

Winterhoff: Übermäßiger Konsum führt zu Schlafstörungen

Laut dem Kinderpsychiater Winterhoff (Bonn) zeigt das Ergebnis ein geschöntes Bild der Wirklichkeit. Die Zahlen seien zu niedrig: „Es sind mehr Kinder betroffen, und sie verbringen auch viel mehr Zeit mit den Sozialen Medien“, sagte er der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Kinder, die er in seiner Praxis betreue, seien täglich zwischen fünf und sechs Stunden online. Selbst nachts seien sie dort aktiv. Die Folge: „Wir haben immer mehr Kinder und Jugendliche mit Schlafstörungen.“ In der Schule könnten sie sich dann immer weniger konzentrieren. 17- bis 20-Jährige kämen in seine Praxis und bekundeten, unter Depressionen zu leiden. Er behandele sie, indem er sie zu einem Experiment über vier Wochen einlade. Sie sollen täglich nur noch eine Stunde online sein, um die wichtigen Nachrichten zu bearbeiten, anschließend ihr Mobiltelefon ausschalten und sich 45 Minuten bewegen. Nach vier Wochen sei eine „enorme Veränderung“ zu beobachten. Der leere Blick der Jugendlichen sei verschwunden. Und sie berichteten, dass sie die Zeit als „wohltuend“ erlebt hätten. Einige seien bereit, ganz auf das Smartphone zu verzichten und auf ein Handy nur zum Telefonieren umzusteigen. Nach Winterhoffs Worten liegt es vor allem an den Eltern, wenn ihre Kinder süchtig nach Online-Kontakten seien. Unter 14 Jahren sollten sie kein Smartphone benutzen dürfen. Und auch später sollten Eltern darauf achten, auf welchen Seiten ihre Kinder mit ihrem Gerät aktiv seien. Es sei falsch, sie allein mit dem Smartphone in ihr Zimmer zu schicken.

Christlicher Medienfachmann: „Smartphones nicht verteufeln“

Der Leiter des Missionswerks VisioM, Andreas Bartels (Gießen), warnte gegenüber idea davor, angesichts der Studie Smartphones zu verteufeln. Die Untersuchung zeige nur, wie wichtig es sei, dass Eltern ihre Kinder im Umgang mit diesen Minicomputern schulen. Im Unterricht sollten sie aber tabu sein. Eltern einer Klasse an einer öffentlichen Schule in Gießen hätten bereits vor drei Jahren durchgesetzt, ihren Kindern in der Klasse 6 und 7 Smartphones zu verbieten. Auch seine Kinder seien davon betroffen gewesen. Mit der Regelung habe man gute Erfahrungen gemacht: „Die Kinder haben in der Pause herumgetobt und gespielt.“ Zugleich müsse man zur Kenntnis nehmen, dass Smartphones und die Sozialen Medien für viele die vorherrschenden Kommunikationsmittel seien. Es sei falsch, dies zu beklagen. Christen müssten sich vielmehr fragen, wie sie dieses Medienverhalten nutzen könnten, um Menschen für den christlichen Glauben zu gewinnen. Mit entsprechenden Angeboten für Flüchtlinge machten VisioM und Partnerorganisationen gute Erfahrungen. Sie betreuen die Internetplattform Deutschland-Begleiter.de.