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Rotraud Perner erzählt in ihrem neuen Buch über den Weg zur Theologie und in den Pfarrerinnenberuf.
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Mit fast 70 Jahren entschied sich die Psychoanalytikerin und Universitätsprofessorin Rotraud A. Perner, evangelische Theologie zu studieren und Pfarrerin zu werden. Nun ist mit „Als Pfarrerlehrling in Mistelbach“ ein Buch der bekannten Wissenschaftlerin und Publizistin erschienen, in dem sie ihre Schritte ins Pfarrerinnenamt in der niederösterreichischen Gemeinde und die Reaktionen ihres Umfelds schildert. Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde das „multidisziplinäre Tagebuch“, wie es im Untertitel heißt, am 12. Dezember in der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Mistelbach.

Den Anstoß, das Theologiestudium aufzunehmen, gab der Tod ihres Mannes im Jahr 2009, drei Wochen vor dem 40. Hochzeitstag des Paares. Glaubensfragen hätten sie schon vorher beschäftigt, sagt Rotraud A. Perner im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst, erst danach hatte sie jedoch die Zeit, sich voll auf ein weiteres Studium einzulassen: „Der Weg zum Glauben war für mich ein abenteuerlicher.“ Erst mit 38 sei sie der Evangelischen Kirche beigetreten, als sie ihren evangelischen Mann nach einer Ehekrise auch kirchlich heiratete. Wirklich zum Glauben habe sie Jahre später bei der Lektüre eines Gedichts gefunden: „Da hat es mich ‚ergriffen‘.“

Die Entscheidung, Pfarrerin zu werden, sei dann erst während des Theologiestudiums gekommen, „als ich meine geistige Heimat fand, nach der ich schon so lange gesucht hatte“. Zweifel an der Neuorientierung im fortgeschrittenen Alter seien ihr dabei aber nie gekommen, auch jetzt als Pfarrerin im Ehrenamt nicht, wo sie die kirchliche Arbeit mit ihrem Hauptberuf verbinden müsse: „Ich habe einfach ‚gewusst‘, was ich zu tun habe – und dieses tiefinnerliche ‚Wissen‘ ist für mich gleichbedeutend mit ‚Glaube‘.“

Einen tiefen Zugang zum Glauben findet Perner über die Sprache. Im Studium habe sie einerseits die Poesie des Alten Testaments kennengelernt und andererseits „die Relativität der Übersetzungen und damit die Notwendigkeit, die spirituellen Botschaften zu meditieren, um ihren Sinn für die Gegenwart zu erahnen“. Dadurch sei sie auch motiviert, sich „voll Wohlwollen von den Übersetzungen zu distanzieren, die meinem Herzensverständnis nach Gottes Botschaften menschlich tendenziös oder unzulänglich formuliert haben“.

Die 1944 geborene Rotraud A. Perner studierte Jus, Soziologie und Psychoanalytische Sozialtherapie und arbeitete unter anderem im Bereich der Sexualforschung und -therapie. 2016 wurde Perner von Bischof Michael Bünker zur Pfarrerin im Ehrenamt ordiniert und beauftragt, die Evangelische Hochschulseelsorge in Niederösterreich aufzubauen.

Das Buch „Als Pfarrerlehrling in Mistelbach. Ein multidisziplinäres Tagebuch“ ist im aaptos-Verlag erschienen.