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Der Initiator des katholischen Jugendkatechismus YOUCAT, der Publizist Bernhard Meuser.
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Der Initiator des katholischen Jugendkatechismus YOUCAT, der Publizist Bernhard Meuser (Aschau im Chiemgau), hat sich kritisch zu dem Ergebnis der Gespräche im Vatikan über den Kommunionempfang für nichtkatholische Ehepartner geäußert. Die (katholische) Deutsche Bischofskonferenz hatte im Februar mehrheitlich entschieden, konfessionsverschiedenen Ehepaaren künftig im Einzelfall die gemeinsame Teilnahme an der Kommunion zu ermöglichen. Das stieß bei sieben Bischöfen auf Kritik. Ein Gespräch am 3. Mai im Vatikan brachte keine endgültiges Entscheidung: Die deutschen Bischöfe sollen ihren Streit selber lösen. Papst Franziskus ersuche sie, „im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung zu finden“, hieß es in einer Erklärung nach dem Treffen. Meuser betont in einem Kommentar für die Evangelische Nachrichtenagentur idea, dass der aktuelle Zustand vor Jesus nicht zu rechtfertigen sei. Denn sonst könne man Johannes 17,21 („Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“) gleich aus dem Evangelium streichen. Aber der Weg zur gemeinsamen Kommunion müsse durchdacht werden: „Eine bloße ,Zulassung’ evangelischer Christen zur Eucharistie verändert am realen Skandal der Spaltung nicht das Geringste.“

Die Trennungsgründe werden nicht beseitigt

Es sei ein falsches Zeichen, unter anderem weil es die Ökumene beschädige. Denn die wahren Trennungsgründe würden dadurch nicht beseitigt und die Ökumene somit auch nicht vorangetrieben. Ferner müsse den Protestanten bewusst sein, was im Hochgebet vor dem Kommunionempfang gesprochen werde. Dort werde beispielsweise die Gemeinschaft mit dem Papst und dem jeweiligen Ortsbischof beschworen und es würden Heilige angerufen: „Wenn ein evangelischer Christ dies mitspricht und mitglaubt, kann er auch an der Kommunion teilnehmen. Aber dann ist er katholisch – und muss dazu nicht einmal auf das Amtsgericht gehen. Oder er hört weg und setzt ein falsches Zeichen; ein Zeichen nämlich, das ein Protestant schlecht setzen kann, ohne sich von seinem Bekenntnis zu verabschieden und Kryptokatholik zu werden.“

Was stattdessen eine ökumenische Dynamik auslösen könnte

Eine aktuelle Möglichkeit könnte aus Sicht von Meuser die „geistige Kommunion“ sein. Sie sei etwa auf der ökumenisch orientierten Glaubenskonferenz „MEHR“ im Januar in Augsburg praktiziert worden. Dort wurden Meuser zufolge Protestanten ebenso eingeladen, nach vorne zu kommen. Sie hätten dann vor dem Altar die Hände über der Brust gekreuzt, „um vom Kommunionspender ein Kreuz auf die Stirne gezeichnet zu bekommen“. Wer gesehen habe, „mit welcher Würde und Freude evangelische Christen sich auf integre Weise geistlich mit dem Herrn vereinigten, wird dieses Zeichen schätzen“. Es sei vorstellbar, dass es eine ökumenische Dynamik auslösen könnte, wenn katholische und evangelischen Bischöfe das Zeichen ausweiteten und spirituell begleiteten. So werde der Schmerz der Spaltung deutlich und man gehe gleichzeitig nicht leichtfertig darüber hinweg, dass es noch keine Einheit gebe.

Prof. Körtner: Keine ökumenische Aufbruchstimmung

Der evangelische Theologieprofessor Ulrich H. J. Körtner (Wien) hatte zuvor gegenüber idea geäußert, die Aufforderung des Vatikans bedeute, dass die Mehrheit in der Bischofskonferenz nicht „einfach durchmarschieren“ könne. Ob weitere Gespräche zu einer einheitlichen Lösung führten, sei aber fraglich. Die Entscheidung „Roms“ sorge nicht für eine ökumenische Aufbruchstimmung. Sie lenke stattdessen den Blick auf die Risse, die durch die katholische Kirche in zentralen Glaubensfragen gingen: „In einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen von den Kirchen abwenden, ist die Optik fatal.“ Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, bezeichnete die Erklärung des Vatikan als „armselig“. Sie gebe keine Antwort auf die Kernfrage, nämlich dass es „keine sakramentale Gemeinschaft ohne kirchliche Gemeinschaft“ geben könne. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg (Münster), begrüßte hingegen gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) das Ergebnis der Beratungen. Es sei eine „weise Entscheidung“ des Papstes, die Bischöfe an ihre Pflicht zu brüderlicher Gemeinschaft zu erinnern.