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ProChrist-Hauptredner Steffen Kern.
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Die Kirchen in Westeuropa sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt, anstatt Menschen mit der christlichen Botschaft erreichen zu wollen. Diese Ansicht vertrat der Vorsitzende des württembergischen Gemeinschaftsverbandes „Die Apis“, Steffen Kern (Walddorfhäslach bei Reutlingen), in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Anlass ist die Evangelisation proChrist, die vom 11. bis 17. März in Leipzig stattfindet. Kern ist dort einer der beiden Hauptredner.

Zu wenige Pfarrer sind für Evangelisation freigestellt

Das Christentum hat laut Kern den Kontinent über Jahrhunderte geprägt, „inzwischen aber sind die Tagesordnungen unserer kirchlichen Leitungsgremien voll mit Immobilienkonzepten, Gemeindefusionen, Pfarrplänen“. Das alles sei nötig, aber nicht die Hauptaufgabe der Kirche: „Wir besitzen noch zu viel. Jesus hat seinen Jüngern nicht befohlen, Kathedralen zu bauen, sondern Menschenfischer zu sein.“ Es gebe zu wenige Pfarrer, die für Evangelisation freigestellt seien, sagte Kern: „Wir brauchten eine Schwerpunktsetzung auf das Missionarische. Unser Urthema muss wieder in den Mittelpunkt gerückt werden: Wie werden Menschen gerettet? Wie kommen sie zum Glauben?“

„Das Christentum ist längst nicht mehr der einzige Anbieter“

Wie Kern weiter ausführte, haben sich die Kirchen noch zu wenig auf die „veränderte Marktlage“ eingestellt: „Wir leben in einer Multi-Optionsgesellschaft. Das Christentum ist längst nicht mehr der einzige Anbieter.“ In den vergangenen 16 Jahren haben die 20 evangelischen Landeskirchen etwa fünf Millionen Mitglieder verloren. Das entspreche drei mittelgroßen Landeskirchen. Kern: „Das ist einigermaßen dramatisch.“ proChrist sei eine Möglichkeit, Außenstehende mit der christlichen Botschaft zu erreichen. Dass zu den Veranstaltungen erfahrungsgemäß vor allem Christen kommen, ist für Kern kein Problem: „Es ist ein Fest des Glaubens, und da erwarte ich regelrecht, dass Christen kommen.“ Allerdings wünsche er sich, dass Christen auch Freunde und Bekannte einladen und mitbringen: „Ein Verhältnis von 80 Prozent Christen und 20 Prozent Distanzierten fände ich großartig.“

Übertragungen bis nach Kroatien und Serbien

Die Evangelisation proChrist wird in diesem Jahr von Leipzig aus an rund 500 Orte übertragen. Vom 11. bis 17. März laden christliche Gemeinden, Vereine, Hauskreise und einzelne Gastgeber dazu ein, Kernaussagen des christlichen Glaubens kennenzulernen. Übertragungen gibt es nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch in der Slowakei, Kroatien und Serbien. Hauptrednerin an den sieben Themenabenden ist neben Kern die Theologin Elke Werner (Marburg) in der Kongresshalle in Leipzig. Die Woche steht unter der Überschrift „UNGLAUBLICH?“. Zur Sprache sollen unter anderem zentrale Aussagen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses kommen. Die überkonfessionelle Veranstaltungsreihe will Menschen dazu einladen, sich mit Sinn- und Glaubensfragen auseinanderzusetzen. proChrist wurde erstmals 1993 aus Essen ausgestrahlt. Hauptredner der per Satellit übertragenen Evangelisation war der US-Baptistenpastor Billy Graham (980.000 Zuschauer), der am 21. Februar im Alter von 99 Jahren gestorben ist. Es folgten Veranstaltungen mit Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel) 1995 in Leipzig (585.000), 1997 in Nürnberg (900.000), 2000 in Bremen (1,4 Millionen), 2003 in Essen (1,8 Millionen), 2006 in München (1,5 Millionen), 2009 in Chemnitz (1,1 Millionen) und 2013 in Stuttgart (1,2 Millionen, inklusive Internet). Danach wurde beschlossen, proChrist mit mehreren Rednern durchzuführen. Zu proChrist Live 2015 an 120 Orten kamen rund 100.000 Besucher. In diesem Jahr findet die proChrist-Reihe zum neunten Mal statt.