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Şehitlik-Moschee
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Mit Zurückhaltung hat der Islam-Experte der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Friedmann Eißler (Berlin), auf eine Studie der US-Denkfabrik „Pew Research Center“ (Washington) reagiert, wonach die Zahl der Muslime in Europa stark steigen könnte. Das Institut prognostiziert, dass sich der muslimische Bevölkerungsanteil bis 2050 im Falle einer anhaltend „hohen Zuwanderung“ auf 14 Prozent in Europa und auf knapp 20 Prozent in Deutschland verdreifachen könnte. 2016 lag der Anteil der Muslime in der Bundesrepublik laut Pew bei 6,1 Prozent (fünf Millionen). „Solche Studien und daraus abgeleitete Prognosen sind mit großer Vorsicht zu beurteilen“, erklärte Eißler auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Es gebe zu viele Faktoren, die unvorhersehbar Einfluss nähmen. So spiele neben den Zuwanderungszahlen auch die Geburtenrate eine Rolle. Eißler: „Hier werden häufig lineare Entwicklungen nach oben vorausgesetzt, was aber weder sicher noch sehr wahrscheinlich ist, wie andere Studien zeigen.“

Angst und Ablehnung gegenüber Muslimen fördern radikalen Islam

Aber auch er geht davon aus, dass der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten steigen wird. Darauf sollte man laut Eißler nicht mit Angst und Ablehnung reagieren, denn das fördere und verstärke die Radikalisierung von Muslimen. Vielmehr sollten Christen Muslimen zeigen, „was ihnen wichtig ist, welche Werte und welche Hoffnung sie haben“.

Gegen radikale Formen des Islams alle legalen Mittel anwenden

Gegen radikale oder gar gewaltbereite Ausprägungen des Islams müssten freilich alle legalen Mittel angewendet werden, so der EZW-Referent. Neben Politik und Behörden seien auch die Bürger herausgefordert, sich mit Formen des politischen und militanten Islams kritisch auseinanderzusetzen. Eißler: „Leider propagieren die maßgeblichen Zentren islamischer Gelehrsamkeit weltweit (nicht die islamischen Zentren an deutschen Unis) in der Breite einen rückwärtsgewandten, politisch anmaßenden Islam, der im Kern eine Ideologie der Ungleichheit und des Anspruchs auf gesellschaftliche Herrschaft mit sich bringt.“ Darauf müssten Politik und die Kirchen engagierter reagieren, als es bis jetzt in der Regel der Fall sei. Eißler: „Dieser Islam gehört nicht zu Deutschland und sollte auch keinen Platz im Dialog haben.“