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Der Nahostexperte und Nachrichtenkorrespondent Johannes Gerloff aus Jerusalem blickt zurück auf den 06.12.17 und beleuchtet die Folgen.
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Es war wie ein Aufschrei, der durch die europäischen Medien ging, als der amerikanische Präsident Donald Trump am 6.12.2017 entschied, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen und damit die Stadt Jerusalem als Hauptstadt des Staates Israels anerkannte. Viele befürchteten eine dritte Intifada der Palästinenser, andere wiederum waren der Meinung, dass es zu einem nächsten Krieg führen würde. Doch nichts davon geschah.

Wie aber lässt sich dieses Ereignis - zwei Jahre später - bewerten? Im Grunde war Trumps Amtshandlung überhaupt nichts Besonderes. Israel wird als Staat von vielen Regierungen anerkannt und hat natürlich das Recht, den Sitz seiner Hauptstadt festzulegen. Denn sobald ein Staat als souveräner Staat anerkannt wird, hat er auch das Recht, seine Hauptstadt selbst festzulegen. Deshalb ist es ein Widerspruch in sich, wenn Israel als Staat anerkannt wird, ihm gleichzeitig aber das Recht abgesprochen wird, seine Hauptstadt selbst zu wählen. David Ben Gurion, Israels erster Ministerpräsident, entschied sich bereits 1949 für Jerusalem als Hauptstadt und nahm damit sogar den Rücktritt seines damaligen Außenministers in Kauf.

Als US Präsident Donald Trump am 6.12.2017 die Verlegung der US Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem veranlasste, setzte er damit nicht nur ein deutliches Zeichen für die gesamte Weltöffentlichkeit, sondern vollzog letztlich, was US Präsidenten vor ihm zwar immer wieder versprachen, aber nie in die Tat umsetzten. Johannes Gerloff erinnert sich, wie seine palästinensischen Freunde an diesem besagten Tag entweder gänzlich unbeeindruckt waren von Trumps Anerkennung oder bestenfalls die Europäer kritisierten, die sich darüber empörten. Der Generalstreik, den die Palästinenser an jenem Tag aus Protest ausriefen, schadete letztlich jedenfalls nur den Palästinenser selbst und zu der befürchteten dritten Intifada kam es auch nicht. Wer sich empörte, waren einmal mehr die europäischen Politiker, die die Palästinenser herausforderten, auf die Verlegung der amerikanischen Botschaft zu reagieren, um nicht weniger „pro-palästinensisch“ dazustehen als die Europäer.

Das Gelände, auf dem die Botschaft der USA heute steht, ist übrigens nicht in West- oder Ostjerusalem, sondern im „Niemandsland“, d. h. im Gebiet der UNO. Eine wirklich politische Aussage spiegelt die Verlegung der Botschaft also gar nicht wider. Die Reaktion der europäischen Medien allerdings war damals – zumindest aus heutiger Sicht – eine absolute „Überreaktion“. In diesem Zusammenhang ist es vielleicht wichtig, dass wir uns immer wieder daran erinnern, dass Antisemitismus, wie die Geschichte uns zeigt, letztlich stets demjenigen schadet, der ihn vertritt. Das sollten wir uns ins Gedächtnis rufen, insbesondere als Christen.

Näheres dazu von Johannes Gerloff im Podcast. Es ist der erste Teil seines Vortrags zum Thema „Trump, Israel und Europa“ aus der Themenreihe "Israel – Brennpunkt der Weltgeschichte" im ERF Südtirol.