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Nahostexperte Johannes Gerloff untersucht, welche Gebiete zum historischen Israel gehören und welche Rolle die Palästinenser dabei spielen.
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Wir ordnen die Realität gerne in unsere vorgefertigten Gedanken ein, anstatt Situationen und Informationen offen und sachlich zu bewerten. Im Hinblick auf Israel warnt Nahostexperte Johannes Gerloff davor, aktuelle Geschehnisse in Israel und dem Orient ungefiltert auf biblische Passagen zu übertragen. In seinem Vortrag betrachtet Gerloff den Text aus Hesekiel 36, in dem es heißt: „Du Mensch, weissage über die Berge Israels! Sag: Ihr Berge Israels, hört das Wort Jahwes! So spricht Jahwe, der Herr: Weil die Feinde über euch sagen: 'Ha, die ewigen Höhen sind jetzt unser Besitz!'“ Mit diesen „Bergen Israels“, wie die Bibel sie nennt, sind die heute umstrittenen Gebiete gemeint. Viele Bibelleser schließen daraus, dass die „Feinde Israels“ hier die Palästinenser sein müssen. Johannes Gerloff kommt jedoch zu einem anderen Schluss.

Schon die Bezeichnung „Palästinenser“ ist eigentlich gar nicht so klar definiert, wie wir das aus europäischer Sicht oft glauben. Vielmehr handelt es sich bei der Gruppe, die wir heute als „Palästinenser“ bezeichnen, um ein Volksgemisch, von dem sich die einzelnen weniger als „Palästinenser“ sondern als „Muslime“ bezeichnen. Das macht deutlich, dass hinter der Idee von Nation und Nationalität eigentlich unser europäisches Denken steht - das stimmt aber nicht unbedingt mit dem orientalischen Denken überein. Deshalb steht hinter der konfliktbeladenen Frage: „Wem gehört Israel?“ vielmehr eine zentraleuropäische Sicht von Staat, Land und Nation.

Die „Palästinenser“ beanspruchen nämlich nicht die „Berge Israels“, von denen dieser Vers aus Hesekiel 36 spricht. Wer aber sind die „Feinde“, von denen in diesem Vers die Rede ist? Sind es am Ende wir Europäer, die sich das Recht herausnehmen, in Israel mitzubestimmen, in dem wir beispielsweise Jerusalem nicht als Hauptstadt anerkennen? Hauptstädte wie Washington, Wellington und Brasilia werden doch auch anerkannt – obwohl sie dieselbe Vergangenheit haben. Die Frage, die wir uns im Blick auf den Nahostkonflikt in Europa stellen müssen, so meint Nahostexperte Johannes Gerloff, ist nicht: „Was ist die Lösung?“ sondern „Warum treten wir Europäer so dominant auf?“ Europa mischt sich nämlich immer wieder mit einer europäischen Ideologie in den Konflikt ein. Die sogenannte „Zweistaatenlösung“ will vor Ort eigentlich niemand. Sie wird vielmehr als Vorschlag von außen eingebracht und kann aus diesem Grund auch gar nicht funktionieren. Bei der Frage „Wem gehört das Land?“ kann es letztlich ja auch nur eine eindeutige Antwort geben.

Wenn wir die Bibel ernst nehmen, gehört Israel weder den Israelis noch den Palästinensern, weder Juden noch Moslems – sondern Gott, dem Allmächtigen und Ewigen. Wenn Israel aber Gott gehört, so gibt der Allmächtige dieses Land, wem er will. Es gibt genügend Stellen der Bibel, in denen auch den Juden immer wieder deutlich gemacht wird, dass sie nur Fremdlinge sind und „Beisassen“ in Gottes Land. Selbst Abraham bat in Hebron um Land, als er seine Frau Sarah bestatten musste (Vgl. 1. Mose 23,4). Er nahm es sich nicht, sondern bat darum. Das Land Israel ist für das Volk der Israeliten wie ein „Firmenwagen“ – sie dürfen es nutzen, es ist aber nicht ihr „Besitz“. Deshalb geht es im Nahostkonflikt nicht um „Besitz“, sondern immer nur um das, was Gott mit dieser Welt vorhat.

Näheres dazu von Johannes Gerloff im Podcast. Ein Vortrag zum Thema „Wem gehört Israel?“ aus der Themenreihe "Israel – Brennpunkt der Weltgeschichte" aus dem Radioprogramm des ERF Südtirol.