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Gunter Friedrich gründete mit seiner Frau vor über zehn Jahren den gemeinnützigen Verein „Tamìd“, das ist hebräisch und bedeutet beständig, stets oder dauerhaft.
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Am Nachmittag des 21. Februar ist Gunter Friedrich bei einem Arbeitsunfall gestorben. Er betrieb mit seiner Ehefrau Èva Friedrich und ihren Kindern einen landwirtschaftlichen Betrieb und setzte sich mit „Tamíd“ gegen Menschenhandel ein. Wie die Niederösterreichischen Nachrichten berichteten, starb er beim Arbeiten mit einem Miststreuer.

Was ist „Tamíd“?

Der 67-jährige Gunter Friedrich, ehemaliger Werkerzieher, gründete mit seiner Frau vor über zehn Jahren den gemeinnützigen Verein „Tamíd“, das ist hebräisch und bedeutet beständig, stets oder dauerhaft. Laut der offiziellen Webseite will das Ehepaar Mädchen und jungen Frauen helfen, die unter Missbrauch, Prostitution, Abhängigkeit, Menschenhandel oder Sklaverei leiden oder gelitten haben. Beziehungsweise wollen sie Mädchen vor so einem Schicksal bewahren. Diese sind häufig Waisen und haben keinerlei Berufsausbildung bekommen. Wenn sie die Waisenhäuser verlassen, landen sie viel zu oft auf der Straße. Das wollte das Ehepaar Friedrich ändern.

Begonnen hat alles mit einer Idee, die Èva während eines Gottesdienstes hatte: Röcke, die aus verschiedenen Ober- und Unterteilen bestehen. Mit Knöpfen oder Reißverschlüssen lassen sich beliebige Unterteile mit Oberteilen kombinieren. Jedes Rock-Set ist somit ein Unikat. Diese einzigartige Idee ließ sich Èva sogar patentieren.

In „Tamíd“-Werkstätten bekommen Mädchen eine zweijährige Ausbildung zur Näherin. Gebet, Seelsorge und Bibellesen sind ebenfalls Teil dieses Praktikums, denn der Glaube an Gott ist den Friedrichs besonders wichtig.

Tamíd“ – Mode, die frei macht.

Die genähten Röcke, mittlerweile auch Hemden, Taschen und Schmuck, werden in den „Tamíd“-Werkstätten von den Mädchen produziert und dann in Europa, v.a. in Österreich, von den Friedrichs verkauft. Mit den Erlösen werden die Werkstätten (das Material etc.) und die Mitarbeiter bezahlt. Dadurch lernen die jungen Mädchen, dass gute, konsequente Arbeit von Abhängigkeiten frei macht und das stärkt das Selbstwertgefühl. Der Erwerb und das Tragen der „TamídMode sollen den Käufern eine ständige Erinnerung daran sein, dass hinter jedem Stück ein Mädchen steht, das Hoffnung auf eine Zukunft ohne Missbrauch und Abhängigkeiten hat.

Derzeit gibt es „Tamíd“-Werkstätten in Uganda und in Nepal. „Nach fast zehn Jahren in Uganda, wollen wir das Projekt den Einheimischen dort übergeben. Die Werkstätte finanziert sich schon zu zwei Drittel von selbst und wir wollen, dass sie in Zukunft nicht mehr abhängig von dem Verkauf in Europa sind“, meint Èva Friedrich bei einem „Tamíd“-Verkauf in der FCG Graz im Jänner 2019. Wie es mit "Tamíd" weitergehen wird, ist noch offen.

„Gunter, wir werden Dich hier schmerzlich vermissen"

Der so tragisch ums Leben gekommene Gunter Friedrich war nicht nur Landwirt und Aktivist gegen Menschenhandel, sondern auch Musiker. Er spielte „Hang“ (ein handgespieltes Blechklanginstrument, auch Handpan genannt) auf diversen Festivals, u.a. „Artcross“ und nahm mit David M. Boyd und Kit Hawkins die CD „Adoremus“ auf. Die Erlöse der CD gehen zum Teil auch an "Tamíd". "Artcross"-Gründerin Nina Krämer schreibt auf der Facebookseite von „Artcross“: „Gunter, wir werden Dich hier schmerzlich vermissen – zumindest all diese Jahre noch... bis wir Dich wiedersehen.“

Adoremus
Adoremus