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Jeder Mensch kennt die Sehnsucht nach „mehr“ – aber nur die wenigsten wissen, was diese Sehnsucht wirklich stillen kann.
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„Alles beginnt mit der Sehnsucht“, so heißt es in einem sehr bekannten Gedicht. In unserem Herzen ist immer Raum für noch mehr, noch Schöneres, Größeres, nachdem wir unser Leben lang suchen. Ist eine dieser Sehnsüchte erfüllt, brechen sofort weitere Sehnsüchte in uns auf. Diese Gedanken der großen jüdischen Schriftstellerin Nelly Sachs, der 1966 Literaturnobelpreis verliehen wurde, kennen wir alle aus unserem Leben nur zu gut. In ihrem Gedicht „Alles beginnt mit der Sehnsucht“ hat Nelly Sachs diese Sehnsucht sehr treffend in Worte gesetzt. Es ist ein Merkmal unseres Lebens, dass wir mit einer schier unstillbaren Sehnsucht ausgestattet sind. Was auch immer wir kaufen, welche Orte wir bereisen oder was wir auch erleben – die Sehnsucht nach „mehr“ ist latent in uns. Das zeigen nicht zuletzt auch die Projekte des US-amerikanischen Raumfahrt- und Telekommunikationsunternehmens „SapceX“, das von Elon Musk 2002 mit dem Ziel gegründet wurde, Technologien wie das Starship-Raketenprojekt zu entwickeln, die es der Menschheit ermöglichen sollte, den Mars zu kolonisieren und menschliches Leben auf anderen Planeten anzusiedeln.

Im September 2021 machte „SapceX“ mit einem ersten Weltraumflug für Laien groß von sich reden. Ohne einen Astronauten an Bord, bekamen vier nicht für die Raumfahrt ausgebildete Personen die Möglichkeit, die Erde aus einer ganz neuen Perspektive zu sehen. Das Projekt galt als „Testlauf“ für den Weltraumtourismus, der in den nächsten Jahren als neuer Wirtschaftszweig ausgebaut und angeboten werden soll. „Die Welt ist nicht genug“ – das wird bei diesem SpaceX-Projekt deutlich. Die Milliardäre, die sich einen solchen Flug ins All leisten können, haben, so scheint es, alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die diese Erde ihnen bietet; deshalb sehnen sie sich nun nach dem All. Ihr Reichtum und Wissen, die Möglichkeit zu reisen und an jeder nur erdenklichen Vergnügung teilzunehmen ist für sie bereits in Erfüllung gegangen – jetzt möchten sie mehr. Wobei es bereits vorhersehbar ist, dass auch die Eroberung des Weltalls nicht ausreichen wird, um die Sehnsucht dieser Menschen zu erfüllen. Die Frage ist: warum?

„Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und doch Schaden leidet an seiner Seele?“ Auf diese Aussage Jesu im Evangelium des Matthäus, Kapitel 16, geht Dr. Christian Wachtmann in der aktuellen Ausgabe des Thema-des-Monats-Podcast von ERF Medien Südtirol in seinem Vortrag ein, der unter der Überschrift „Die Welt ist nicht genug“steht. Dr. Christian Wachtmann ist überzeugt, dass nur die wenigsten Menschen überhaupt klar benennen könnten, wonach sie sich sehnen, selbst wenn ihnen bewusst ist, dass ihrem Leben etwas fehlt. Sehnsucht ist ein Gefühl, ein Empfinden des Menschen, das er in sich trägt, ohne dass er es genauer definieren könnte.

Kein Wunder, dass Sehnsucht in einer Vielzahl von Bildern, Liedern und Gedichten thematisiert wird. Schon der weise König Salomo, von dessen interessanten Weisheitssprüchen wir viele in der Bibel finden, beschrieb das Geheimnis dieser unstillbaren Sehnsucht, bis er am Ende seines Lebens schließlich resümierte: „Ich gönnte mir alles, was meine Augen begehrten, und erfüllte mir jeden Herzenswunsch. Meine Mühe hatte sich gelohnt: Ich war glücklich und zufrieden. Doch dann dachte ich nach über das, was ich erreicht hatte, und wie hart ich dafür arbeiten musste, und ich erkannte: Alles war letztendlich vergebens – als hätte ich versucht, den Wind einzufangen! Es gibt auf dieser Welt keinen bleibenden Gewinn. Auf alle wartet das gleiche Schicksal.“ (Prediger, Kapitel 2, die Verse 10 - 11).

Der französische Gelehrte Blaise Pascal (1623 – 1662) sprach in diesem Zusammenhang von der „Leere in unserem Herzen“, die zu füllen uns nicht gelingt, solange wir uns nicht an Gott wenden, weil sie nur von Gott gefüllt werden kann. Genau diese innere Leere ist es letztlich, aus der heraus unsere Sehnsucht entsteht, wie sie jeder von uns kennt. Sie lässt sich weder unterdrücken noch durch irgendeine Form der Zerstreuung füllen. Deshalb rät Dr. Wachtmann in seinem Vortrag auch, sich bewusst Zeit zu nehmen für diese innere Leere, um sie zu ergründen. Nur, wer sich ihr stellt, kann zu dem tieferen Geheimnis vordringen, das hinter dieser Leere steckt und gleichzeitig der Schlüssel zur Reife von uns Menschen ist.

Der berühmte Buchautor C.S. Lewis sagte einmal: „Wenn ich in mir selbst Sehnsüchte entdecke, die nichts in dieser Welt stillen kann, dann ist die einzige logische Erklärung, dass ich für eine andere Welt geschaffen bin.“ Wenn diese Welt, in der wir leben, letztlich nicht genug ist – und das trifft letztlich auf jeden von uns zu – dann muss es noch eine andere geben, eine, für die wir letztlich geschaffen sind. Es ist interessant, dass Wissenschaftler dieses Denken noch immer verneinen, während unsere Gefühle und vor allem unsere Sehnsucht uns genau in diese Richtung weisen. Wir sind für weit mehr geschaffen als nur für Arbeit, Beziehungen, Geld und Karriere. Unser Leben hat einen tieferen Sinn, anders sind diese inneren Sehnsüchte in uns nicht zu erklären. Wir sollten deshalb auch niemals aufhören, nach diesem Lebenssinn zu suchen. Wichtig ist nur, dass wir dabei nicht in dem stecken bleiben, was uns als Antwort auf unsere Sehnsucht nur vorgetäuscht wird, was diese Antwort aber letztlich nie sein kann.

Näheres dazu hören Sie im Podcast. Es ist der erste Teil einer Reihe zum Thema „Vom Geheimnis der Sehnsucht“ mit Dr. Christian Wachtmann, Dipl. Ing. Lutz Röder und Dr. Albrecht Kellner im ERF Südtirol.