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Es ist eine Sache theoretisch über den Tod zu philosophieren - ganz anders redet man darüber, wenn man selbst davon betroffen ist.
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In der Literatur gibt es einige sehr bekannte Beispiele einer personifizierten Darstellung des Todes. Eines davon ist Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“, ein Werk, das er aufgrund der Vorlage des altenglischen „everyman“ geschrieben hat. Tausende Menschen besuchen noch immer die Aufführungen des „Jedermann“ der Salzburger Festspielen, die jedes Jahr vor dem Salzburger Dom stattfinden. „Jedermann“ ist ganz bewusst als Name der Hauptfigur gewählt, damit jeder sich angesprochen fühlen kann. Dieser Jedermann trifft inmitten einer großen Feier auf den Tod, der ihm verkündet, dass er in einer Stunde sterben wird. Als Jedermann begreift, dass er tatsächlich nur noch eine Stunde Leben wird, entsteht eine Dramatik, die kaum noch zu überbieten ist. Die Frage ist, wie wird Jedermann die Stunde nutzen?

Aber ist nicht unser ganzes Leben wie diese eine Stunde des „Jedermann“? Wenn wir jung sind, empfinden wir das natürlich nicht so. Sobald wir aber älter geworden sind oder in die Jahre kommen, ist das schon anders. Dann empfinden wir es vielleicht tatsächlich. In jedem Fall kann der Tod uns tatsächlich zu jeder Zeit ereilen. Wir wissen nur nicht wie und wo und wann, und das ist auch gut so. Denn wüssten wir es; wie würden wir damit wohl umgehen? Vielleicht wie die Hauptfigur in diesem Stück. „Jedermann“ hat Geld, ist umgeben von Freunden und kerngesund. Er steht mitten im Leben. Im Mittelalter, wo die englische Vorlage des Stückes „everyman“ entstand, war es nicht unüblich, dass Texte und Schriften verbreitet wurden, die dazu aufriefen, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen und so zu leben, dass man zu jeder Zeit darauf vorbereitet ist. Den Menschen von damals war es jedenfalls noch viel bewusster als uns heute, dass sie jeden Tag sterben konnten, sei es durch Krankheit, Seuchen oder Unfällen. Deshalb gab es auch diese Art der Literatur, diese „ars moriendi“, was als „Kunst des Sterbens“ übersetzt werden kann. Aber kann das Sterben tatsächlich zu einer Kunst erklärt oder wie eine Kunst erlernt werden?

Wer das Sterben eines Menschen schon einmal miterlebt hat oder von den letzten Minuten im Leben berühmter Persönlichkeiten gelesen hat, der weiß, dass am Ende unseres Lebens nur noch das Wesentliche zählt. Die Frage z. B., wofür wir gelebt haben, oder was uns wichtig war, ob unser Leben mit Sinn erfüllt war. Es gibt sehr berühmte Menschen, von denen wir wissen, dass sie angesichts ihres eigenen Todes vor Angst und Reue schier wahnsinnig geworden sind. Andererseits gibt es auch Menschen, die ihre Augen in einem großen Frieden zum letzten Mal geschlossen haben.

Jan-Peter Grapp berichtet in der aktuellen Ausgabe des Thema-des-Monats-Podcasts von ERF Medien Südtirol überaus bewegend, wie er die letzten Tage, Wochen und Monate mit seiner an Krebs erkrankten Frau verbracht hat, die gezwungen war, ihn mit zwei kleinen Kindern zurückzulassen. So schwer und tragisch sich diese Erzählung auch anhört und so schwer diese letzte gemeinsame Zeit für den Referenten auch sein mochte, so waren diese letzten Tage seiner Frau doch davon geprägt, dass sie die „Kunst des Sterbens“ widerspiegelten. Denn allen Schwierigkeiten, Schmerzen und Schwächen zum Trotz lebte sie vor, was es bedeutet, in Jesus Christus verwurzelt und geborgen zu sein.

An diesem Beispiel erkennen wir, was ein Leben mit Jesus Christus in der Stunde unseres Todes bedeuten kann. Das wird auch deutlich, wenn wir in der Bibel lesen, wie der Apostel Paulus seinem Freund und Mitarbeiter Timotheus schreibt: „Für mich ist nun DIE ZEIT gekommen, dass mein Blut wie ein Trankopfer ausgegossen wird und ich aus diesem Leben scheide. Ich habe den guten Kampf gekämpft. Ich bin am Ziel des Wettlaufs, zu dem ich angetreten bin. Ich habe den Glauben bewahrt und unversehrt weitergegeben. Nun wartet auf mich der Siegeskranz, mit dem der Herr, der gerechte Richter, mich an seinem Gerichtstag belohnen wird – und nicht nur mich, sondern alle, die sehnlich darauf gewartet haben, dass er kommt“ (2. Timotheus 4,6-8).

Der Apostel Paulus blickt hier ohne Angst auf seinen nahenden Tod. Er klammert sich auch nicht verzweifelt an das Leben auf dieser Erde, sondern freut sich vielmehr auf die Belohnung, die ihn im Himmel erwartet. Das kann er, weil er weiß, dass er sich redlich und mit ganzen Herzen für Gott und sein Wort eingesetzt hat. Paulus betont aber auch, dass nicht nur er, als Missionar und Apostel, sich auf den Himmel freuen kann, sondern jeder, der Jesus Christus von ganzem Herzen glaubt und vertraut. Wer mit Jesus lebt, den begleitet er durch das Tor des Todes, hinein in das neue, andere Leben. Dadurch kann der Tod seinen Schrecken verlieren. Wenn wir nämlich wissen, dass ein ewiges Leben bei Gott auf uns wartet, müssen wir nicht angstvoll auf das Ende unserer Erdenzeit blicken, sondern können auf das warten, was Gott uns schenkt. Deshalb können wir auch ganz anders auf diese letzten Stunden unseres Lebens blicken und auf den Tod und den Prozess des Sterbens zugehen. Das gilt sowohl für unser eigenes Leben als auch für das Leben der von uns geliebten Menschen. Es ist die „Kunst des Sterbens“, die wir durch ein Leben mit Jesus von ihm geschenkt bekommen.

Näheres dazu hören Sie im Podcast. Es ist der sechste Teil einer Reihe zum Thema „Leid und die Frage nach dem Warum“ mit Matthias Clausen, Klaus Göttler, Nicolai Hamilton und Jan Peter Grapp im ERF Südtirol.