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In Konfliktsituationen brauchen wir die Weisheit, mit unseren Gefühlen richtig umzugehen.
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<p>„Betende Hände sind stärker als geballte Fäuste.“ Dieser Satz stammt von Corrie ten Boom (1892-1983), die während der nationalsozialistischen deutschen Besetzung der Niederlande eine Unter-grundorganisation gründete und damit zahlreiche Juden vor dem Holocaust gerettet hat. Corrie ten Boom war die Frau, die es nach Jahren Nationalsozialistischer Besetzung ihres Heimatlandes und einer Gefangenschaft im KZ Ravensbrück über das Herz brachte, einem der Wärter des KZ, unter dem sie sehr gelitten hatte, die Hand zu geben und ihm zu vergeben. Als entschiedene Christin konnte sie über die schreckliche Zeit im KZ, in dem auch ihre Schwester starb, hinwegsehen und dem Wärter vergeben.

Dr. med. Ute Horn, die Referentin der aktuellen Ausgabe des Thema-des-Monats-Podcasts von ERF Medien, zeigt, wie wir das auch in unserem Alltag umsetzen können: Wahrscheinlich haben die wenigsten von uns solch furchtbare Dinge in ihrem Leben erlebt, aber jeder von uns weiß, wie es sich anfühlt, ungerecht oder sogar bösartig behandelt zu werden. Wenn das in unserem Leben eintritt, wenn das Verhalten eines anderen uns ärgert, wenn wir Unrecht erfahren oder Demütigung, stehen wir praktisch immer vor der inneren Entscheidung, wie wir darauf reagieren. Generell können wir den anderen damit konfrontieren oder wir können die negativen Gefühle für uns behalten. Eine solche Entscheidung im Moment des Ärgers zu treffen, ist wahrscheinlich nicht klug und nicht immer sinnvoll. Viel besser ist es, sie in Ruhe und überlegt zu treffen. Deshalb wird es zuerst einmal darauf ankommen, dass wir die aufgebrachten Gefühle abkühlen lassen und die Konfliktsituation mit einem gewissen zeitlichen Abstand noch einmal reflektieren. Wenn sich dann herausstellt, dass es nicht notwendig ist, alles noch einmal in einem klärenden Gespräch anzusprechen, erübrigt sich alles Weitere. Als Christen haben wir auch die Möglichkeit, solche Dinge im Gebet an Gott abzugeben, vor allem wenn das Verhalten des anderen ohnehin nachvollziehbar ist. Wenn die verletzende, emotionale Reaktion des Anderen z. B. aus seiner Lebenssituation heraus kam, die wir verstehen können, lohnt es sich wahrscheinlich nicht, es ihr deshalb vorzuhalten.

Anders ist es freilich, wenn einer mutwillig und vielleicht auch immer wieder meine Gefühle verletzt, mich schlecht redet oder schikaniert. In so einem Fall können wir versuchen, sie oder ihn auf das Problem hinzuweisen und ihn damit konfrontieren. Ein Christ wird auch da zuerst um Gottes Hilfe bitten, damit Gott ihm weise Worte für die Begegnung mit dem anderen schenkt, mit denen der andere sich dann nicht sofort angegriffen fühlt und in eine Haltung der Abwehr geht. Sollte es z. B. sein, dass unser Ärger überhaupt unbegründet war, ist ein klärendes Gespräch natürlich auch hilfreich, weil damit wieder alles ins Lot kommen kann. Aber auch wenn es tatsächlich zu einer schwierigen Auseinandersetzung kommen sollte, ist es gut, wenn die Dinge, die uns verletzen, angesprochen werden. Dadurch lernen wir, einen anderen besser zu verstehen und seine Reaktionen einzuordnen. Missverständnisse können aus dem Weg geräumt werden und vielleicht gelingt es uns dann auch, beim nächsten Mal viel klüger und vorsichtiger zu handeln, um verletzende, emotionale Momente zu vermeiden.

„There is only bitter or better“, sagt ein englisches Sprichwort. Auf Deutsch: „Du hast die Wahl zwischen Bitterkeit oder Verbesserung“. Schwierige Lebenssituationen, die uns wütend machen, können so weit gehen, dass sie uns jede Lebensfreude rauben. Wer eine Ungerechtigkeit Tag für Tag mit sich schleppt, wird innerlich vielleicht davon „zerfressen“. Im Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Ephesus heißt es deshalb: „Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan, samt aller Bosheit“ (Epheser 4,31). Warum? Um aller Bitterkeit und allen bösen, zerstörerischen Gedanken in unserem Herzen keinen Raum zu geben. Das ist schon allein deshalb notwendig, weil sie uns gefangen nehmen und uns zu Sklaven unserer eigenen Gefühle machen. Das einzige Mittel gegen diese Bitterkeit ist Vergebung. Selbst wenn unser Zorn berechtigt ist und der andere seine Fehler nicht einsehen kann oder will, so ist Vergebung für mich persönlich noch immer der Weg, mit dieser Verbitterung fertig zu werden und zu verhindern, dass sie zu einer zerstörerischen Kraft in mir wird, die mein Leben lähmt. Das Unrecht ist damit nicht aus der Welt, aber die zerstörerische Kraft ist gebrochen. Und darum geht es.

Aber was bedeutet eigentlich „Vergeben“? Letztlich nichts anderes, als dass ich dem anderen nicht das gebe, was er verdient, und auf das „Recht der Rache“ verzichte. Genau das erleben wir bei Gott, der uns ständig vergibt. In seiner unendlichen Geduld rechnet er uns unsere Verfehlungen nicht zu, sondern vergibt uns. Deshalb heißt es ja auch: „Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr einander!“ (Kolosser 3,13). Wenn wir lernen, einander zu vergeben, kann ein harmonisches Zusammenleben möglich werden und wir belasten uns nicht mit Rachegedanken, Hass und Bitterkeit. 

Näheres dazu hören Sie im Podcast. Es ist der vierte Teil einer Reihe zum Thema „Goldene Regeln für ein besseres Miteinander“ mit Dr. Ute Horn im ERF Südtirol.