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Auch in harmonischen Familien kann es mal zu Streit kommen.
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Streit, Wut und Ärger kommen in den besten Familien vor. Das ist ganz natürlich, je enger eine Beziehung, desto mehr kann es dazu kommen. Trotzdem sollten wir uns Gedanken darüber machen, wie wir mit negativen Gefühlen umgehen und wie wir sie vor allem in Kraft umwandeln können. Dazu ist es wichtig, dass wir Ursachen und Wirkungen emotionaler Ausdrucksweisen kennen und verstehen lernen. Dr. Med. Ute Horn, die Referentin des Thema-des-Monats-Podcasts von ERF Medien Südtirol, sieht im Gefühl von Ärger, Wut und Zorn zuerst mal keinen Grund zur Sorge. Das kann uns entlasten. Es ist auch gar nicht notwendig, dass wir mit aller Gewalt versuchen, Gefühle wie Wut oder Ärger zu unterdrücken. Es reicht, wenn wir uns damit auseinandersetzen, um diesen Gefühlen die zerstörerische Kraft zu nehmen.

Wir müssen uns zuerst fragen: Worüber ärgern wir uns? Wie die Referentin im aktuellen Thema-des-Monats-Podcasts ausführt, können das nämlich sehr unterschiedliche Dinge oder Situationen sein. Gefühle wie Zorn und Wut treten nicht selten dann auf, wenn Menschen sich bloßgestellt fühlen, ungerecht behandelt oder enttäuscht werden. Wenn sie sich schämen oder vielleicht sogar getäuscht worden sind. Es kann aber auch Stress und Überforderung sein, was den Ärger in uns hervorruft und dann zu Wut und Zorn führt. Selbstverständlich bleibt in all diesen Situationen immer zu fragen, ob der Ärger, den wir verspüren, überhaupt berechtigt ist, oder ob er sich vielleicht nur auf eine Vermutung stützt, die sich am Ende vielleicht sogar als falsch herausstellt.

Aber gehen wir davon aus, dass uns tatsächlich Unrecht getan wurde, dass wir betrogen oder hintergangen wurden, dass uns jemand ganz bewusst gedemütigt hat oder einfach böse war – dann wäre ein Ärger ja auch „berechtigt“. Er wäre zumindest eine verständliche und folgerichtige Reaktion. Eine daraus entstehende Wut kann sogar dazu führen, dass Missstände aufgedeckt und künftig verhindern werden. In diesem Fall wird der entstandene Ärger zu einer wichtigen, positiven Kraft, die wir nutzen können, notwendige Veränderungen herbeizuführen.

Wenn Ärger, Wut und Zorn jedoch unberechtigterweise in uns aufkommen und wir uns anschließend eigentlich dafür entschuldigen müssten, ist das alles andere als gut. Deshalb gilt es zuerst einmal, berechtigten und unberechtigten Ärger, Wut und Zorn streng voneinander zu trennen. Wer zum Beispiel auf den Absturz seines Computers oder den Ausfall seiner Waschmaschine mit Wut und Zorn reagiert, sollte sich gründlich damit auseinanderzusetzen. Denn so eine Wut wird immer eine „unberechtigte Wut“ sein und hat in jedem Fall mehr mit mir selbst und meinem Verhalten zu tun als mit der Sache an sich.

Was aber können wir tun, wenn Ärger und Zorn in uns aufkommt? Die Bibel sagt im Epheserbrief, Kapitel 4 Vers 26: „Wenn ihr zornig seid, dann versündigt euch nicht.“ Das klingt zuerst mal sehr fromm, beinhaltet aber einen überaus wichtigen und hilfreichen Gedanken. Es zeigt uns nämlich, dass der Zorn an sich noch gar nicht das Problem ist, also keine „Sünde“ darstellt. Was falsch und nach christlichem Verständnis zur „Sünde“ wird, ist das, was darauf folgt. Deshalb ist immer Vorsicht geboten, sobald Ärger in uns aufkommt. Denn es geht darum, dass wir in dieser gefühlsgeladenen Stimmung nicht Schuld auf uns laden. Es könnte sich herausstellen, dass wir im Unrecht waren. Es könnte aber auch sein, dass wir in unserem Zorn die Beherrschung verlieren und etwas anrichten, was wir später bereuen. Vieles ist möglich. Deshalb rät Dr. med. Ute Horn, die Referentin des ERF Südtirol, zu folgender Strategie:

  1. Sich den eigenen Ärger eingestehen. Was simpel klingt, kann tatsächlich helfen. Wir können uns zum Beispiel fragen, aus welchem Grund dieses Gefühl in uns lodert.
  2. Konfliktsituation geistig und körperlich verlassen, um zur Ruhe zu kommen. Das kann so geschehen, dass wir z. B. den Raum für ein paar Minuten verlassen, um durchzuatmen, oder in einem stillen Moment, in dem wir den Streitpunkten, dem Stress oder der anderen Person nicht mehr ausgesetzt sind, den Konflikt und die damit verbundenen Gefühle in einem Gebet zu Gott bringen und ihn um eine weise Reaktion bitten.
  3. Den Streit klären. Wenn wir die „Fassung“ wieder gewonnen haben, sollte der Grund des Ärgers geklärt werden. Dabei geht es darum, die Dinge ruhig und bedacht anzusprechen und auch dann noch ruhig zu bleiben, wenn sich nicht alles sofort lösen lässt. Wichtig ist, dass auch der andere zu Wort kommen und sich erklären darf. Missverständnisse oder Probleme können nur so ausgeräumt und vermieden werden.

Generell ist wichtig, dass wir uns Fehler gegenseitig zugestehen. Keiner von uns ist perfekt oder wird es jemals werden. Wir sind Menschen und machen Fehler. Deshalb sollte jeder von uns bereit sein, an sich zu arbeiten und das Miteinander in einer Familie, einem Team oder in einer Freundschaft zu fördern und seinen Teil dazu beizutragen. Das gilt für unsere Beziehungen in der Familie, am Arbeitsplatz und überall dort, wo Menschen aufeinandertreffen.

Näheres dazu hören Sie im Podcast. Es ist der dritte Teil einer Reihe zum Thema „Goldene Regeln für ein besseres Miteinander“ mit Dr. med. Ute Horn im ERF Südtirol.