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Kinder zu erziehen ist eine wunderschöne, aber auch herausfordernde Aufgabe.
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Wunschzettel werden selten im Frühjahr geschrieben. Gewisse Wünsche, Erwartungen und Bedürfnisse der Kinder sollten Eltern aber das ganze Jahr über im Blick behalten. Was aber sind das für Bedürfnisse und Wünsche, die unsere Kinder haben? Viele Eltern fühlen sich überfordert, diese Bedürfnisse ihrer Kinder zu kennen. Dr. med. Ute Horn, die Referentin in der aktuellen Ausgabe des Thema-des-Monats-Podcasts im ERF Südtirol, kennt als siebenfache Mutter diese Gefühle von Eltern. Sie kennt aber auch die Liste von Wünschen und Bedürfnissen der Kindern, auf die wir Acht haben sollten. Deshalb geht sie in ihren Referaten auch immer wieder darauf ein.

Da sind zum Beispiel die Aufmerksamkeit und das Interesse der Eltern an ihren Kindern. Jedes Kind wünscht sich diese Aufmerksamkeit der Eltern, diese besondere Form der „Zuwendung“. Dabei geht gar nicht in erster Linie um Worte. Kommunikation und Austausch finden zu einem nicht unwesentlichen Teil auch in Gestik, Mimik und im Tonfall einer Person statt. Kinder spüren, wenn die Worte nicht zur nonverbalen Kommunikation passen. Aber auch Worte können verletzen und langfristig sogar Schaden an den Kindern anrichten. Ein Kind kann sich zum Beispiel für die Krankheit seiner Mutter schuldig fühlen. Warum? Vielleicht weil diese in einer stressigen Situationen leichtfertig gesagt hat: „Du machst mich krank!“

Natürlich meinen wir solche Sätze nicht wörtlich, aber Kindern nehmen das oftmals ganz anders auf. Sie ordnen es anders ein, als wir vermuten. Dass uns solche oder ähnliche Sätze „herausrutschen“, kann passieren. Dennoch ist es ein großer Unterschied, ob das immer wieder passiert, oder ob wir ein Gefühl dafür entwickeln, was wir sagen, und uns dann auch bei den Kindern entschuldigen, wenn wir merken, dass es nicht richtig war. Das ist wichtig. Denn wie sollen Kinder lernen, sich für etwas zu entschuldigen und ihre eigenen Fehler einzugestehen, wenn sie es von niemanden gezeigt bekommen? Das gleiche gilt für das Vergeben oder um Vergebung zu bitten. Kinder brauchen unser Beispiel, damit sie sehen, wie man so etwas auf ehrliche Art und Weise macht.

Vor allem ist es wichtig, dass wir Zeit für unsere Kinder haben. Wo es darum geht, für mehrere Kinder da zu sein, sollte sogar darauf geachtet werden, dass man sich für jedes einzelne Kind DIE ZEIT nimmt. Stillere Kinder gehen sonst unter. Was das bedeutet, bemerkt man erst später. Deshalb ist es so wichtig, dass wir auch bei stilleren Kindern darauf achten, was sie beschäftigt und dass es einen Rahmen gibt, in dem dieses Kind solche Dinge auch ansprechen kann. Jedes einzelne Kind möchte für sich spüren, dass wir ehrlich an ihrem Leben interessiert sind. Das gilt dann auch später noch, wenn sie schon etwas größer sind. Denn auch da möchten sie erleben, dass wir uns Dinge, wie die Namen ihrer Lehrer oder Schulfreunde merken, um mit ihnen darüber zu reden.

Das alles würden sie wahrscheinlich so nie von uns fordern, aber sie sehnen sich danach. So wie sie sich auch nach einer konsequenten Erziehung sehnen, deren Bedeutung und Wert sie früher oder später erkennen. Klare, logische Regeln haben Kindern noch nie geschadet. Im Gegenteil, die sind gut für sie. Dr. med. Ute Horn und ihr Mann halten sich, wie die Referentin betont, an den Grundsatz: So wenige Regeln wie möglich aufstellen – die aber konsequent durchzusetzen. Bevor man aber straft und schimpft sollten Eltern immer auch versuchen, das Kind und seine Situation zu verstehen. Denn auch Kinder können in Zwängen stecken. Es muss nicht immer Ungehorsam sein. Deshalb tun Eltern gut daran, mit dem Kind zu reden Gespräch und seine Beweggründe und Gedanken zu kennen.

Einer der ganz besonderen, aber nie ausgesprochenen Wünsche lässt sich vielleicht in dem Satz zusammenfassen: „Sei mein Vorbild!“ Wie gesagt, so einen Wunsch wird nie ein Kind aussprechen. Trotzdem haben Kinder diesen Wunsch. Denn Kinder brauchen Menschen in ihrem Umfeld, die sie bewundern und zu denen sie aufschauen können. Vor allem brauchen sie Menschen, die ihnen vorleben, wie man sich als selbstbewusster, begabter und freundlicher Mensch in unserer Gesellschaft verhält. Sie wollen und müssen gezeigt bekommen, wie man mit anderen Menschen umgeht, wie man eine gute Ehe führt usw. All das und viele andere Dinge des Lebens können Kinder nur lernen, wenn sie sehen, wie es geht, welche Dinge wertvoll sind im Leben und deshalb auch Priorität haben.

Kinder wollen auch gelobt, beschützt und versorgt werden – körperlich und seelisch. Sie brauchen Nahrung, Zuwendung und vor allem Liebe. Das sind alles Wünsche von Kindern, die nicht immer ausgesprochen werden, die aber latent vorhanden sind.

Viele Eltern müssen auch lernen, Kinder loszulassen, wenn es an der Zeit ist. Denn auch das ist wichtig. Wenn Kinder ihre eigenen Erfahrungen sammeln müssen und Dinge anders machen, als wir es machen würden, müssen wir lernen das zu akzeptieren. Selbst wenn sie sich für etwas entscheiden, was wir vielleicht völlig anders machen würden. Das können durchaus schmerzliche Erfahrungen sein, die wir als Eltern machen. Doch sie sind wichtig. Wenn wir möchten, dass unsere Kinder tüchtig, reif und stark werden, müssen Kindern auch ihre eigenen Erfahrungen machen.

Näheres dazu hören Sie im Podcast. Es ist der zweite Teil einer Reihe zum Thema „Goldene Regeln für ein besseres Miteinander“ mit Dr. Ute Horn im ERF Südtirol.