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Erziehung ist gut – Vertrauen ist besser
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Viele Eltern geben sich sehr viel Mühe bei der Erziehung ihrer Kinder. Sie möchten gerne alles richtig machen. Das ist schön, nur leider oft nicht so einfach umzusetzen. Natürlich möchte jeder das Beste für sein Kind. Aber auch Eltern sind Menschen und manchen Fehler. Immerhin, einige dieser Fehler lassen sich vermeiden. Wenn wir z. B. Kinder verwirren oder überfordern, ist das alles andere als gut. Doch dieser Fehler lässt sich vermeiden, wenn man darüber Bescheid weiß. Wenn Eltern z. B. widersprüchliche Forderungen an ihr Kind stellen oder Aussagen tätigen, die sich widersprechen, verwirrt das ihr Kind. Wann es immer wieder passiert, ist es natürlich besonders schlecht. Beispielsweise wollen Eltern manchmal, dass ihr Kind gehorcht, fordern aber gleichzeitig Eigenständigkeit und Eigeninitiative vom Kind. Was soll das Kind tun? Beides ist leider nicht immer in Einklang zu bringen.

Der bekannte Familientherapeut Reinhold Ruthe berichtet im aktuellen Thema-des-Monats-Podcast des ERF, wie Kinder und Jugendliche auf diese Unstimmigkeiten in ihrer Erziehung reagieren. Kinder können Widersprüche nämlich nicht so ohne weiteres wegstecken. Wenn sie sich solche Verhaltensweisen nicht erklären können, sind sie gezwungen einen Ausweg zu suchen, um sie zu kompensieren. Eine der typischen Reaktionen ist Misstrauen, sowohl zu anderen als leider auch zu sich selbst. Immerhin hat das Kind die Erfahrung gemacht, dass es sich auf Aussagen oder Anweisungen nicht verlassen konnte, deshalb zweifelt es oft auch an der Glaubwürdigkeit der anderen, aber oft leider auch an seinen eigenen Gefühlen und Gedanken. Besonders traurig wird dieses Misstrauen, wenn es auch auf Gott übertragen wird.

Einige Kinder und Jugendliche versuchen dem inneren Dilemma auch durch Passivität zu entkommen. Diese schieben dann Aufgaben und Entscheidungen vor sich her, ziehen sich zurück und lassen sich immer wieder ablenken. Eine weitere Form vermeintlicher „Bewältigung“ sind Drogen und Süchte aller Art. Angefangen von den Süßigkeiten bis hin zu den harten Drogen. Alles das können vermeintliche „Bewältigungsstrategien“ sein, die nur dazu dienen, die Verwirrung und Überforderung zu kompensieren. Der Preis, der dafür bezahlt wird, ist hoch. Im schlimmsten Fall sehen sie überhaupt keinen Ausweg mehr und bringen sich um, weil ihnen das Leben selbst zur Bedrohung wird, dem sie um jeden Preis entfliehen wollen. Eltern sind also immer gut beraten, wenn sie eigene Aussagen, Forderungen und Haltungen überprüfen, die sie ihren Kindern gegenüber äußern. Es ist gut, wenn Eltern sich immer wieder einmal fragen: Ist mein Reden und Verhalten korrekt? Ist es nicht vielleicht – trotz all meinem Bemühen – letztlich doch voller Widersprüche? Halte ich selbst, was ich von meinen Kindern verlange? Oder sage ich vielleicht einmal so und einmal so, je nachdem wie es mir gerade in mein Konzept passt? Alles Fragen, die wichtig für unsere Erziehung sind.

Wer sich seiner eigenen „Zerrissenheit“, Inkonsequenz oder Launenhaftigkeit bewusst wird, ist aber bereits auf dem besten Weg, diese gravierenden Fehler zu erkennen und vielleicht auch zu vermeiden. Schließlich möchten wir unsere Kinder ja zu mündigen Personen erziehen, deshalb ist es auch wichtig, dass wir solche Situationen auch mit ihnen reflektieren und unsere eigenen Fehler auch eingestehen, wenn wir solche finden. Solche klärenden Gespräche können natürlich nur in einer angstfreien Atmosphäre stattfinden. Das Kind muss sich sicher fühlen und wissen, dass es aussprechen darf, was es beobachtet, überfordert oder ärgert.

Eigene Schuld und Unfähigkeit vor seinen Kindern einzugestehen, ist nicht immer einfach und oft auch selbst schwer zu verarbeiten. Aber es ist notwendig und schafft eine Atmosphäre der Verantwortung. Letztlich ist das auch die Voraussetzung, um eine tragfähige, langfristige Freundschaft mit unseren Kindern aufzubauen, die auch dann noch hält, wenn DIE ZEIT der Erziehung vorbei ist und die Kinder erwachsen werden. Darin liegt vielleicht auch das Besondere an dieser Haltung unseren Kindern gegenüber. Wenn sie erwachsen sind, werden sie es zu schätzen wissen, dass seine Eltern ehrlich waren und die Größe hatten, eigene Fehler zuzugeben. Das wird spätestens dann der Fall sein, wenn sie in ihrem eigenen Leben merken, dass alles nicht so einfach ist.

Schön ist es auch, wenn wir uns als gläubige Menschen an Gott, den Vater, wenden, wenn uns Fehler passieren. Gott ist anders als wir, unfehlbar und verlässlich. Wenn Kinder also sehen, wie wir uns als Eltern an ihn wenden, wenn wir schuldig geworden sind, lernen sie diesen Weg ebenfalls zu gehen, der unendlich entlastend sein kann. Wenn wir unseren Kindern also diese wichtige Wahrheit vorleben, werden sich auch lernen, sie für sich selbst anzuwenden und in Anspruch zu nehmen. Das Schlimmste ist, wenn wir durch Unwahrheiten und Mogeleien unseren Kindern etwas vorzuspielen, was letztlich doch nicht haltbar ist. Es wird früher oder später ohnehin deutlich werden, dass es uns nur darum geht, unsere Schwächen zu verdecken. Das ist töricht und erzeugt Misstrauen. Vertrauen hingegen entsteht dort, wo Kinder merken, dass wir offen und ehrlich miteinander umgehen.

Näheres dazu im Podcast. Es ist der dritter Teil einer Reihe zum Thema „Wer fordert, der fördert“ mit Reinhold Ruthe im ERF.