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Gottes Gnade reicht aus, um uns ans Ziel zu bringen.
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Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer Autobahnbrücke unterwegs, die Pfeiler stehen sicher, die Statik ist genaustens berechnet und trägt Sie über den Abgrund. Es gibt nur einen Nachteil: Die letzten 10 Meter der Brücke fehlen. Was machen? Genügend Schwung nehmen? Absurd. Natürlich befährt niemand eine solche Brücke. Aber viele Christen stellen sich Gottes Gnade so vor. Sie denken, mithilfe der Gnade können sie Gott näherkommen – dann aber gibt es einen Rest des Weges, der nur durch eigene Leistung und durch gute Werke überbrückt werden kann. Stimmt nicht. Gottes Gnade reicht aus. Wir müssen uns nicht durch unsere Taten den Himmel erkaufen. Jesus hat uns frei gemacht, nicht nur von Schuld und Sünde, sondern auch von dem Druck „ein guter Mensch“ sein zu müssen. Da ist nichts hinzuzufügen. Wer die Gnade und die Botschaft vom Tod Jesu am Kreuz wirklich verstanden hat, der weiß, dass kein Mensch jemals „gut“ sein kann.

Trotzdem sollte uns diese Gnade und Freiheit nicht dazu verleiten, Böses zu tun und uns einfach darauf zu verlassen, dass die Gnade schon ausreichen wird, um es wiedergutzumachen. Die Gnade soll uns vielmehr dazu motivieren, den Menschen um uns herum, Gutes zu tun und uns für Gott und sein Wort einzusetzen. Im Römerbrief, Kapitel 6 in den Versen 1 und 2 schreibt der Apostel Paulus dazu: „Was heißt das nun? Sollen wir an der Sünde festhalten, damit die Gnade sich noch mächtiger auswirken kann? Auf keinen Fall! Für die Sünde sind wir doch schon gestorben, wie können wir da noch in ihr Leben?“ Die Gnade, die wir erfahren haben, soll bewirken, dass wir aktiv für Jesus und sein Reich werden.

Jürgen Werth beleuchtet im aktuellen Thema-des-Monats-Podcast des ERF Südtirol eine Begebenheit, von der uns im zweiten Kapitel des Markus-Evangeliums berichtet wird. Vier Männer tragen ihren gelähmten Freund zu dem Haus, in dem Jesus lehrt. Aber wegen der Volksmengen können sie mit ihrem kranken Freund nicht zu ihm gelangen. Deshalb decken sie kurzerhand das Dach ab und lassen den Bettlägerigen an Seilen direkt vor Jesus hinab. Wie diese vier Männer, so sollten auch wir uns verhalten: Wir können die Not dieser Welt nicht beenden, aber wir können Menschen, die Hilfe brauchen, zu Jesus bringen – zu demjenigen, der wirklich helfen kann. Das kann durch Gebet geschehen, in dem wir Gott die Sorgen und Nöte unserer Freunde anvertrauen und ihn bitten einzugreifen. Gleichermaßen können wir Menschen in unserem Umfeld aber auch einladen, sich selbst an Gott zu wenden und ihm zu Vertrauen.

So erging es auch dem Gelähmten, von dem wir in der Bibel lesen. Jesus blickt ihn an. Er sieht aber nicht nur das „oberflächliche“ Problem seiner Gehbehinderung. Nein, Jesus blickt tiefer. Und obwohl es offensichtlich ist, dass die Freunde ihren kranken Freund zu Jesus gebracht haben, damit der ihn von seinen Gebrechen heilt, sodass er wieder gehen kann, sagt Jesus zu ihm: „Kind, deine Sünden sind dir vergeben“ (Markus 2,5). Jesus sieht die Probleme in unserem Inneren. Der Gelähmte wird geheilt, er kann auf seinen eigenen Füßen nach Hause gehen. Doch gleichzeitig Jesus heilt diesen Menschen auch innerlich. Er hat die Macht, Sünden zu vergeben, so wie er auch die Macht hat, Krankheiten zu heilen. Wenn der Gelähmte verstanden hat, was Jesus an ihm getan hat, dann wird er sicher auch andere zu Jesus, dem Retter und Heiland gebracht haben – denn das ist unsere Aufgabe.

Nein, die Gnade Gottes führt nicht zu Gleichgültigkeit oder Faulheit. Sie spornt uns vielmehr an, dass wir Menschen den Weg zu Jesus zeigen, dass wir uns für das Gute einsetzen. William Wilberforce (1759–1833) kämpfte 18 Jahre lang für die Abschaffung der Sklaverei in England –  weil er überzeugt war, dass es in Gottes Welt- und Menschenbild nicht vorgesehen sein kann, dass ein Mensch einen anderen besitzt. Er kämpfte diesen Kampf für die Freiheit anderer und bewies dabei einen unglaublich langen Atem. Solche Dinge sind es, die Gottes Gnade in uns bewirken will. Wir müssen uns diese Gnade nicht verdienen, aber wir dürfen durch sie aktiv werden.

Näheres dazu im Podcast. Es ist der fünfte Teil einer Serie zum Thema „Kein Leben ohne Gnade“ mit Jürgen Werth im ERF Südtirol.