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Die wirklich wichtigen Dinge im Leben muss man sich schenken lassen.
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Sie sind die kleinsten in unserer Gesellschaft, haben noch kein Wahlrecht und müssen noch viel lernen: Kinder. Auch wenn ihre Bedürfnisse und ihr Wert heute, im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten, in Politik und Gesellschaft zum Thema gemacht werden, sind sich doch wahrscheinlich nur wenig Erwachsene bewusst, dass sie sich Kinder zum Vorbild nehmen sollten. „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen.“ - So hat Jesus es einmal gesagt, nachzulesen im Matthäusevangelium, Kapitel 18 Vers 3. Was aber können Erwachsene von Kindern lernen? Welche Eigenschaft ist es, die es den Kindern leichter macht, zu Gott zu kommen?

Was Jesus hier meint, ist sicherlich, dass Kinder in der Lage sind, Geschenke anzunehmen – meistens besser als Erwachsene. Weihnachten ist beispielsweise für Kinder unglaublich aufregend, es gibt kaum einen Tag im Jahr, der so von ihnen herbeigesehnt wird. Sie machen sich nur wenig Gedanken darum, ob sie ihre Geschenke auch verdient haben und was eine angemessene Reaktion darauf sein könnte.

Für viele Erwachsene hingegen ist es kein unbeschwerter Genuss, ein Geschenk zu bekommen – vielmehr sehen sie sich dadurch oftmals unter Druck gesetzt: Sie haben das Gefühl, dem Schenkenden etwas schuldig zu bleiben und sich bei Zeiten revangieren zu müssen. Geschenke können sogar genutzt werden, um eine Botschaft zu vermitteln. Durch besonders großzügige Geschenke kann ich beispielsweise andere kleinmachen und bei ihnen das Gefühl verursachen, dass sie das „niemals wieder gut machen“ können.

Jürgen Werth, der langjährige Direktor des ERF Deutschland und bekannte Liedermacher, Sänger und Autor, setzt sich im aktuellen Thema-des-Monats-Podcast mit diesen Fragen auseinander. Er macht deutlich: Die wirklichen Geschenke sind die, für die ich nicht mal ein „Dankeschön“ erwarte, die ich vielleicht anonym mache, weil es mir einzig und allein um die Freude des anderen geht. 

Aber nicht nur beim Verschenken, sondern auch beim Annehmen von Geschenken können wir noch eine Menge dazulernen: Die wirklich wichtigen und bedeutsamen Dinge im Leben kann man sich schließlich nur schenken lassen – man hat keinen Einfluss darauf, ob man sie bekommt. Man kann sie nicht erarbeiten, nicht verdienen oder erst recht nicht „zurückzahlen“. Dazu gehören zum Beispiel der Sonnenschein, die Jahreszeiten, Musik, Freunde oder Aufgaben, die unser Leben erfüllen – die Liste ließe sich beliebig weiterführen.

Das Problem ist, dass wir den menschlichen Umgang mit Geschenken oft auf Gottes Geschenk der Gnade übertragen. Sobald wir glauben, Gott würde uns entsprechend unserer erbrachten Leistungen behandeln, führen wir keine lebendige Beziehung mehr mit ihm, sondern leben in einer steifen Religion, in der wir immer nur bemüht sind, ihn durch unser Handeln gnädig zu stimmen.

Selbst wenn es möglich wäre, Segen zu kaufen oder zu erarbeiten, wäre das eine lächerliche Vorstellung. Denn wir haben ja sogar unseren materiellen Besitz und unsere Begabungen von Gott geschenkt bekommen. Und nicht zuletzt wäre doch Gnade, die man sich mit guten Werken erkauft, gar keine Gnade mehr. Deshalb müssen wir uns immer bewusst machen, dass wir mit leeren Händen zu Gott kommen sollen, sie ihm entgegenstrecken dürfen, um von ihm Geschenke entgegenzunehmen. Dabei braucht sich niemand von uns unwohl zu fühlen. Denn wir alle können letztlich nichts tun, um uns Gottes Liebe zu verdienen. Wir müssen aber auch nichts dafür tun. Alles, was wir tun müssen, ist, uns mit der Gnade Gottes beschenken lassen – und immer wieder Gott, von dem diese Gnade kommt, dafür danken – genau das bedeutet leben – mit Gott leben.

Näheres dazu im Podcast. Es ist der erste Teil einer Serie zum Thema „Kein Leben ohne Gnade“ mit Jürgen Werth im ERF Südtirol.