IM Österreich – 25.06.2017

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Erfahrungsbericht: Neue Hoffnung trotz Epilepsie

Erfahrungsbericht von Robert Poloha über Epilepsie

Es ist wunderbar wie Gott sogar einen einfachen Einkauf bei Ebay verwenden kann. Eine einfache Suchanfrage auf Google zum Thema Epilepsie brachte zahlreiche Buchempfehlungen in der Preislage von einigen hundert Pfund bis hin zu fünf Pfund auf Ebay. Ich dachte mir, mit fünf Pfund ist nicht viel verloren, also erstand ich das Buch und war gespannt was ich darin wohl finden würde. Der Titel 'The Village' (Die Gemeinschaft) erschien mir als Titel für ein Buch etwas seltsam, da ich nach medizinischer Lektüre gesucht hatte. Ich versuche mich in diesem Fachgebiet immer auf dem neuesten Stand zu halten, denn ich gehöre zu jenen fünf Prozent der Epileptiker die nur schwer zu behandeln sind und mit denen die Ärzte oft nicht weiterwissen. Wenn ich in die unterschiedlichen Praxen trete werde ich üblicherweise wie folgt begrüßt: 'Guten Morgen Robert! Leider gibt es keine neuen Medikamente die wir bei Dir testen könnten. Wie können wir Dir heute sonst noch weiterhelfen?'

Dann also kam das Buch, 'The Village', versehen mit einer Widmung des Autors an den Vorbesitzer. Beim kurzen Überfliegen des Buches stellte ich fest, dass es sich entgegen meiner Hoffnung, nicht um ein medizinisches Buch über Epilepsie handelte. Ich glaubte einen Roman oder einfach eine erfundene Geschichte erhalten zu haben. Ich wollte mehr über Epilepsie lernen und nicht einfach irgendeinen Roman lesen. Deswegen legte ich das Buch auf einen Stapel ungelesener Bücher und habe vergaß es. Nach ein paar Monaten lag das Buch noch immer an oberster Stelle auf dem Stapel. Da sagte ich mir schuldbewusst, dass ich dieses Buch doch einfach lesen sollte. Also gab ich mir einen Ruck, setzte mich auf mein Sofa und begann es zu lesen. Beim genauen Lesen wurde mir auf einmal bewusst, dass es sich bei diesem Buch um die Lebensgeschichte eines ebenfalls an Epilepsie erkrankten Menschen handelte. Allerdings war sein Ansatz im Umgang mit der Krankheit ein grundsätzlich anderer als meiner: Diese Person entschied sich dafür sein Leben mit Epilepsie zu leben und statt aufzugeben, mehr darüber zu lernen und diese Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen um ihnen ihr Leben mit dieser Krankheit zu erleichtern. Dieses Buch packte mich ganz und gar. Als ich am Ende angelangt war, wollte ich unbedingt mit dem Autor in Kontakt kommen.

Also startete ich eine weitere Google-Anfrage und versuchte mein Glück auf Facebook um den Autor zu finden. Nach einigen Tagen fand ich dann tatsächlich den Autor dieses Buches. Ich war überglücklich und fasste den Mut mit ihm Kontakt aufzunehmen. In unseren Gesprächen stellten wir fest, dass wir zahlreiche Gemeinsamkeiten hatten und so viel voneinander lernen konnten. In nur wenigen Monaten entstand eine Freundschaft, wie nur Gott sie schenken kann.

Wenn ihr Epilepsie habt, sprecht mit anderen darüber! So viele Menschen wissen nicht einmal, dass sie an Epilepsie erkrankt sind oder können die Symptome nicht zuordnen. Ermutigt und helft andere Menschen mit eurer Geschichte. Epilepsie muss nicht eure Nemesis sein: Ihr könnt sie besiegen. Helft anderen ihr Leben damit zu leben. Es macht mich so traurig, dass viele Leute mit Epilepsie in eine Ecke gedrängt werden, weil die Menschen Angst davor haben, gerade deswegen, weil wir ja ebenfalls Menschen sind: Wir sprechen, gehen und schauen wie alle anderen Menschen aus. Aber plötzlich beginnt der Anfall und der ganze Körper spielt verrückt und wir haben keine Kontrolle mehr über unseren eigenen Körper. Wir sind normal, nur die Elektroden in unserem Gehirn bekommen hin und wieder eine extra Portion Energie. Helft anderen Menschen indem ihr von euch und eurem Leben erzählt. Gründet eine eigene Selbsthilfegruppe von Menschen die sich gegenseitig unterstützen und helfen können. Je mehr dieses Konzept um sich greift umso mehr Menschen wird es helfen. Die Gemeinschaft ('The Village') kennt keine Grenzen.

Übersetzung: Stefanie Unterguggenberger

Tags
Gesundheit