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1. Er hat dem Ritter das Leben gerettet: Tenzing Norgay (1914-1986)

Wikimedia Commons

Warst du schon mal Bergsteigen? Auf dem Mount Everest? Zwei Männer arbeiteten sich Stück für Stück den berühmten Berg hinauf. Als der Eine in eine Gletscherspalte rutscht, reagiert sein Begleiter blitzschnell, sichert ihn und rettet ihm so das Leben. Sir Edmund Hillary bestieg als erster Mensch den Mount Everest und wäre an dieser Gletscherspalte fast gestorben.

Gerettet hat ihn einer der einheimischen nepalesischen Guides: Tenzing Norgay. Sie erreichten den Gipfel von 8.848m Höhe am 29. Mai 1953. Die erste Frage der Journalisten an den Expeditionsleiter lautete: “Wer hat denn nun die Ehre, der Erste gewesen zu sein, und wer ist nur gefolgt?” Seine Antwort: “Sie haben es zusammen geschafft, als ein Team.” Und doch ist nur ein Name dieses Teams weltbekannt.

2. Sie trainierte die Amazonen: Edith Garrud (1872-1971)

von Arthur Wallis Mills (1878–1940); Wikimedia Commons

Schau Dir diese Karikatur mal genau an: Die Frauenrechtlerin, die Jiu-Jitsu konnte! Edith Garrud und ihr Mann hatten ein Jiu-Jitsu Dojo betrieben und wurden eingeladen, bei einer Versammlung der Frauenrechtsbewegung zu sprechen.

Normalerweise sprach ihr Mann bei solchen Gelegenheiten und Edith führte die Demonstrationen durch. Aber die Frauen wollten Edith selbst hören. Sie wurde Teil der Bewegung und brachte vielen Mitstreiterinnen Jiu-Jitsu bei. Sie bildeten eine geheime Kampfeinheit, die Amazonen. Ihre Aufgabe war es, die Frauenrechtlerinnen vor Verhaftung oder Verletzung zu schützen.

Sie versteckten Knüppel unter ihren Kleidern und schafften sich eine Art Rüstung aus Pappkarton. Und die Amazonen waren erfolgreich: Als die Polizei eine Kundgebung stürmte, hielten sie 50 Polizisten ab, so dass die Rednerinnen entkommen konnten. Laut der Frauenbewegung wurden die Amazonen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs aufgelöst, zumindest wurde es so an die Öffentlichkeit getragen…

3. Er protestierte durch sein Schweigen: Bayard Rustin (1912-1987)

Chicago Urban League Records, University of Illinois at Chicago Library

Er wurde für einen Busprotest verhaftet, 13 Jahre bevor Rosa Parks ihren berühmten Sitzplatz einnahm. Bayard Rustin war ein afro-amerikanischer Bürgerrechtsaktivist. Rustin war überzeugt, dass nur durch gewaltfreie Proteste eine erfolgreiche Bewegung entstehen kann. Deshalb überzeugte er auch Martin Luther King Jr. davon. Er hatte früh erkannt, dass King der passende Leiter für dieses nächste Kapitel der Bürgerrechtsbewegung war.

Rustins Rat brachte Erfolge hervor, doch als die Bewegung an Fahrt aufnahm, wurde Rustin erpresst. Ein politischer Rivale hatte von seiner Homosexualität erfahren und drohte, Rustin und King einer ausgedachten Affäre zu beschuldigen. Um die Bürgerrechtsbewegung zu schützen, zog Rustin sich aus dem öffentlichen Aktivismus zurück. Damit verschwand sein Name aus den meisten Geschichtsbüchern.

4. Sie machten alles wie immer, auch im KZ: 1st Chefoo Girl’s Brigade (1940er Jahre)

Carsten Beul

Pfadfinder – über ihre Abzeichen und Halstücher lachen manche vielleicht. Ihre Tugenden können aber viel bewirken. In den 1940er Jahren wurden alle Ausländer innerhalb der chinesischen Grenzen in ein Konzentrationslager in Weihsien verfrachtet.

Die Gefangenen lebten einen Alltag von Hungersnot, Wachhunden, Bajonette-Drills und Appellen. In dem Lager war auch eine Pfadfindergruppe, die 1st Chefoo Girl’s Brigade. Während ihrer zweieinhalb Jahre in dem Lager, hielten die Mädels an ihren Gewohnheiten fest. Sie veranstalteten Treffen, auch wenn beim Anwesenheitscheck nun besprochen wurde, wer in andere Langer geschickt wurde. Wenn sie ihre mickrigen Mahlzeiten aus Blechdosen aßen, wurden schlechte Tischmanieren genauso kritisiert wie zuvor. Die Mädels sangen weiterhin ihre Lieder. Sie sammelten die Asche aus den Öfen der Wachleute, um neue Kohleblöcke zu formen, oder sie zum Schreiben zu nutzen. Sie machten Wettkämpfe daraus, ein Feuer so lang wie möglich zu erhalten. Wer weiß, ob ihnen bewusst war, dass sie sonst erfroren wären.

Als das Lager 1945 von den Amerikanern befreit wurde, sprach man der Mädelstruppe viel Anerkennung aus. Sie hatten an einem schrecklichen Ort Hoffnung und ein wenig Normalität verbreitet. Pfadfinder sollte man nicht unterschätzen.

5. Sie machte Milch massentauglich: Alice Catherine Evans (1881-1975)

National Photo Company Collection; Wikimedia Commons

Milch macht müde Mädchen munter! Aber nur Dank Alice Catherine Evans. Sie erforschte für die USA Bakterien in Milch und Käse und lieferte Ergebnisse, die für den sicheren Verzehr entscheidend waren. Ihr wissenschaftlicher Prozess wurde aber extrem verlangsamt. Denn Alices Ergebnisse wurden immer erst dann ernst genommen, wenn ein männlicher Kollege sie bestätigte. Während die meisten Europäer also schon längst pasteurisierte Milch tranken, wurde der Vorgang von vielen Amerikanern noch als überflüssig angesehen. Erst kurz vor ihrem Tod wurde die gesundheitsfördernde Pasteurisierung in Gesetzen festgelegt. Dafür hatte Alice Catherine Evans unzählbare Laborstunden aufgebracht.

6. Er fand etwas, dass die Welt veränderte: Poggio Bracciolini (1380-1459)

Wikimedia Commons

Poggio Bracciolini ist vermutlich der wichtigste Mann, von dem Du noch nie gehört hast. Eines Nachts im Jahr 1417 nahm der junge Mann ein staubiges Manuskript aus einem Büchereiregal und traute seinen Augen nicht. Er hielt einen tausend Jahre alten Text in der Hand, der den Verlauf des menschlichen Denkens verändern würde – das letzte verbliebene Manuskript von “De Rerum Natura” (Über die Natur der Dinge), das bahnbrechende Gedicht des römischen Philosophen Lucretius.

Es ist voll von radikalen Ideen von einem Universum, das aus winzigen Partikeln in ständiger Bewegung besteht. Durch Bracciolinis Fund begann das Kopieren und Übersetzen dieses alten Textes. Er kurbelte die Renaissance an und beeinflusste die verschiedensten Denker: Einstein, Shakespeare, Galileo, Thomas Jefferson und Freud. Wer weiß, was wir so in der Schule gelernt hätten, wenn dieser Text verloren gegangen wäre?!

7. Sie öffnet ihre Türen für die Sterbenskranken: Christine Deponio (*1953)

Tyne & Wear Archives

Was würdest Du mit ein paar leeren Zimmern in deiner Wohnung machen? Yoga-Raum, Man-Cave oder Gästezimmer? Christine Deponio hat aus ihrem Haus ein Therapiezentrum gemacht. Sie nimmt Krebs-Patienten im Endstadium auf. Diese Menschen brauchen oft andere Betreuung, als die reine medizinische Versorgung in Krankenhäusern. Angehörige haben oft nicht die Zeit, Kraft oder Mittel haben, um alle Bedürfnisse zu erfüllen. Christine hat deshalb ihr eigenes Wohnhaus im britischen Gateshead umgebaut. Dass sie 2011 mit einem Inspirations-Preis ausgezeichnet wurde, war für Christine unerwartet: “Es war eine große Überraschung. Ich mache einfach, was Gott sich wünscht. [Die Familien] brauchen jemanden, der da ist, zum Weinen, zum Lachen, zum Hoffnungen teilen. Da komme ich ins Spiel.” So einfach sieht Christine die Sache.

8. Sie rettete mit einem Komma ein Leben: Maria Feodorowna (1847 – 1928)

Wikimedia Commons

Zeichensetzung beachten! Maria Feodorowna rette mit einem Komma ein Menschenleben. Sie war die Ehefrau von Zar Alexander III. Als man ihrem Mann eine Liste von verdächtigen Verrätern und Kriminellen vorlag, passte sie genau auf. Der Zar schrieb seine Urteile hinter die einzelnen Namen. Diese Leute würden in Arbeits- / Sterbelager nach Sibirien geschickt werden. Hinter einen Namen schrieb der Zar: “Begnadigung unmöglich, nach Sibirien zu senden”. Maria kratzte das Komma aus und setzte es an eine andere Stelle: “Begnadigung, unmöglich nach Sibirien zu senden”. Mit diesem einen Komma rettete sie ein Leben.

Diese Geschichte konnte zwar nicht mit historischen Dokumenten belegt werden, sie demonstriert aber trotzdem die Auswirkungen einer scheinbar kleinen Handlung.

9. Sie hat mehr als nur Muscheln gesammelt: Mary Anning (1799-1847)

Foto: Patrick Buechner

Ich suche am Strand gerne nach Muscheln und Treibholz und stelle mir vor, was für Resien diese kleinen Gegenstände schon hinter sich haben. Die Britin Mary Anning war erst 12 Jahre alt, als sie bei einem Strandspaziergang ihre erste große Entdeckung machte. Sie fand was man zu der Zeit, für das erste Dinosaurierskelett hielt – die Überreste eines Ichthyosaurus, einem prähistorischen Reptil.

Bis zu diesem Fund hielt man das Artensterben für unmöglich. Ihr Geschlecht und ihr sozialer Status erschwerten es ihr sehr, Teil der wissenschaftlichen Gesellschaft im England des 19. Jahrhunderts zu sein. Doch sie las, so viel sie nur konnte, und wurde eine renommierte Fossilien-Sammlerin und -Händlerin. Oft riskierte sie dabei ihr Leben im Angesicht von Erdrutschen oder Klippen. Sie gab den Ausschlag für entscheidende Fortschritte in der Artenforschung und inspirierte außerdem den wohl bekanntesten englischen Zungenbrecher: “She sells seashells by the seashore.” (Bitte 10x schnell sagen!)

10. Er predigte über Rettungsboote: Thomas Byles (1870-1912)

Wikimedia Commons

Die Gemeindeglieder schätzten ihren Priester Thomas Byles so sehr, dass sie ihm halfen ein Ticket zu kaufen, als er für die Hochzeit seines Bruders nach New York reisen wollte. Das Boot war ein brandneuer Oceanriese, die Titanic. Während der Überfahrt hielt Byles Gottesdienste für die Passagiere der 2. Und 3. Klasse. Am Sonntagmorgen, dem 14. April 1912 sprach er in seiner Predigt darüber, dass jedermann “ein Rettungsboot in Form von religiöser Zuflucht haben sollte, falls er jemals spirituellen Schiffbruch erleide”. Einen Tag später kollidierte die Titanic mit einem Eisberg.

Mehreren Zeitungsartikeln zufolge, wurde Thomas Byles ein Platz im Rettungsboot angeboten. Doch er bemühte sich stattdessen zum Heck des Boots zu kommen, wo viele Menschen hoffnungslos festsaßen. Er betete mit ihnen und nahm ihnen die Beichte ab. Thomas Byles kam nie in New York an. Der Priester hatte sein Leben gelassen, um andere zu retten und um den panischen Passagieren verschiedenster Herkünfte und Religionen Beistand zu leisten. Eine Augenzeugin berichtete: ‘Continuing the prayers, he led us to where the boats were being lowered. Helping the women and children in he whispered to them words of comfort and encouragement.’ – The Evening World, April 22 1912 Miss Bertha Moran

11. Sie hat Undenkbares vergeben: Corrie ten Boom (1892-1983)

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Als die Nazis 1940 einmarschierten, war für Corrie ten Boom klar, dass sie etwas unternehmen wollte, um Menschen zu helfen. Das Familienhaus sollte ein Zufluchtsort werden. In Corries Schlafzimmer wurde ein Versteck gebaut, doch 1944 gab sich ein Informant als Hilfsbedürftiger aus und verrat Familie ten Boom. Sie wurden verhaftet und in das KZ Ravensbrück gebracht. Mit ihrer Schwester veranstaltete Corrie heimlich Gottesdienste in ihrer Baracke.

Ihre Familie starb in Ravensbrück, doch Corrie wurde kurz später auf Grund eines “Schreibfehlers” auf einer Liste entlassen. 1946 begann Corrie ten Boom die ganze Welt zu bereisen. Nach einem Gottesdienst kam ein Mann auf sie zu, den sie sofort erkannte: ein Wachmann aus Ravensbrück. Er stellte sich vor, sagte, dass er nun Christ sei, und bat um Vergebung. In ihrer Biographie schildert Corrie die Begegnung so:

“Sekunden stand ich wie gelähmt vor diesem Mann, doch es kam mir vor als wären es Stunden. Ich kämpfte in meinem Inneren. Kälte umklammerte mein Herz. Doch Vergebung ist kein Gefühl, sondern in erster Linie ein Akt des Willens. Ich betete und hob die Hand. Ich betete darum, dass Gott mir das Gefühl der Vergebung schenken möge. Mit einer mechanischen Bewegung legte ich meine Hand in die Hand, die sich mir entgegen streckte.Dann geschah etwas Unglaubliches! Ein heißer Strom entsprang in meiner Schulter. Er lief meinen Arm entlang und sprang über in unsere beiden Hände. Mein ganzes Sein wurde von dieser heilenden Wärme durchflutet. Ich hatte plötzlich Tränen in den Augen und konnte sagen:’Ich vergebe dir! Ich vergebe dir von ganzem Herzen’”