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1. Knieschmerzen zum Vaterunser

„Aua!“ Wenn dir zum Vaterunser regelmäßig die Knie schmerzen, dann bist du bestimmt katholisch. Denn das Gebet des Herrn wird in der katholischen Messe nach dem Hochgebet gebetet.

Das bedeutet: Du hast während des Hochgebetes eine ziemlich lange Zeit auf den Knien verbracht und erhebst dich nun zum Vaterunser, was deine Gelenke dir unmittelbar zurückmelden. Es gibt allerdings Hoffnung für dich. Denn letztendlich ist alles eine Frage des Trainings. Gut trainierte katholische Knie überstehen locker auch ein zweieinhalbstündiges Hochamt mit Allerheiligenlitanei und eucharistischem Segen ohne lästiges Ziehen und Kneifen.

2. „Ist er denn auch katholisch?“

Wenn du deinen Eltern mit einem verliebten Glitzern in den Augen von deinem neuen Freund erzählst, zielt die wesentliche Frage einer guten katholischen Mutter nicht auf das Vorstrafenregister oder die Vermögensverhältnisse deines Angebeteten.

Nein! Viel wichtiger ist natürlich die Frage, ob der Schwiegersohn in spe denn auch katholisch ist. Nur so lassen sich lästige Konflikte rund um die kirchliche Trauung und die Taufe der Enkel schon im Vorhinein umgehen. Und überhaupt: ein Lutherbock und unsere Maria-Elisabeth-Theresia-Chantal? Not in my house!

3. “Rom ist weit weg.”

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Der Heilige Vater hat mal wieder zu tätigen Werken der Nächstenliebe und Barmherzigkeit aufgerufen, und du hast keine Lust? Kein Problem! Schließlich wohnst du nördlich der Alpen und musst die Weisungen deines Papstes maximal wohlwollend zur Kenntnis nehmen.

Viel mehr Spaß machen schließlich all die tollen liturgischen Abenteuer, wie Fronleichnamsprozessionen oder eine Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens. Und wenn dich doch das schlechte Gewissen packen sollte, weil du dich mal wieder so gar nicht an die vatikanischen Ermahnungen gehalten hast, bleibt dir ja immer noch die Beichte oder eine extra-große Zuwendung zum diesjährigen…

4. …Peterspfennig

Ja, unsere gute alte D-Mark – im Peterspfennig darf sie weiterleben, wenn auch durch ihren kleineren kupfernen Bruder. Doch damit keine Missverständnisse aufkommen: Bei der jährlichen Geldsammlung für den Papst darf es schon ein bisschen mehr sein als ein Pfennig. Schließlich ist der Denarius Sancti Petri “der bezeichnendste Ausdruck der Teilhabe aller Gläubigen an den wohltätigen Initiativen des Bischofs von Rom für die Weltkirche”.

Eine gute Sache also, die du übrigens auch über die Internetseite des Vatikans erledigen kannst.

5. “All ihr Heiligen Gottes, bittet für uns!”

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Wenn du katholisch bist, steht dir die gesamte Elite der himmlischen Belegschaft zur Verfügung.

Deine Autoschlüssel sind weg? Ein Gebet zum heiligen Antonius, und du findest sie wieder.

Du neigst zu Halsschmerzen? Der heilige Blasius ist dein Mann.

Und wenn du nicht möchtest, dass dein Eigenheim in Flammen aufgeht, hilft immer noch das bewährte Gebet: “Heiliger Sankt Florian, schütz unser Haus, zünd’ andere an!”

So hat alles seine Ordnung in der katholischen Welt, und für jedes diesseitige Problem gibt es eine jenseitige Lösung.

6. Gräbersegnung, oder: Man möchte ja nicht besprochen werden

Am 1. und 2. November, also den Festen Allerheiligen und Allerseelen, wird es ernst: Der Priester geht mit der Gemeinde über den Friedhof und besprengt die Gräber mit Weihwasser.

Für eine katholische Familie bedeutet das im Vorfeld maximalen Stress, denn schließlich möchte man nicht vor versammelter Mannschaft am Grab von Oma Erna stehen, aus dem das Unkraut wuchert und auf dem die verwelkten Stiefmütterchen traurig die Köpfe hängenlassen. Unausgesprochenerweise gilt es vielmehr, die gepflegteste und am besten gejätete letzte Ruhestätte der lieben Anverwandten zu präsentieren. Das ist dann quasi eine große Urban-GardeningCasting-Show.

7. Hokospokus!

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Du bist in der Kirche und verstehst nur Bahnhof? Dann bist du entweder in eine charismatische Gemeinde geraten, in der gerade in Zungen geredet wird oder du bist in einer katholischen Messe auf Latein.

Ja, das gibt es noch! Tatsächlich ist Latein nach wie vor die offizielle liturgische Sprache in der katholischen Kirche. Das allseits bekannte “Hokuspokus” ist übrigens wahrscheinlich eine Verballhornung der lateinischen Worte Hoc est enim corpus meum aus der katholischen Liturgie. Das kommt davon, wenn der Priester nuschelt. Dabei ist Latein eine so schöne Sprache! “Schnee” heißt zum Beispiel auf lateinisch “nix”.

8. “Das war schon immer so.”

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Das katholische Totschlags-Argument schlechthin lautet: “Das war schon immer so.” Egal, ob es um die Erbsensuppe beim Pfarrfest oder die Zulassung von Frauen zum Weihesakrament geht – die Tradition ist Katholiken ein hohes Gut.

Was Außenstehenden als innovationsfeindlich scheinen mag, bestätigt sich für katholische Christen allein schon durch die kirchliche Erfahrung: Den Laden gibt es jetzt schon 2000 Jahre, so schlecht kann das alles also nicht gewesen sein. Eine Erkenntnis, die übrigens besonders im katholischen Köln tief verwurzelt ist.

So heißt es im Rheinischen Grundgesetz: “Kenner mer nit, bruche mer nit, fott domet.” („Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, fort damit.“) Womit die katholische Lust an Neuerungen und Reformen ganz gut zusammengefasst wäre.

9. Die Tante im Kloster

Besonders in katholisch geprägten Landstrichen gehört sie zur Grundausstattung einer gut organisierten Familie: die Tante im Kloster. Allerdings gehört sie auch hier mittlerweile zu einer bedrohten Art. Das ist schade.

Denn auf die Tante im Kloster kann man besonders gut zurückgreifen, wenn man es selber mit der Religion nicht so genau nimmt, aber doch irgendwie nicht ganz den Anschluss zur Sphäre des Heiligen verlieren möchte.

Die Tante im Kloster ist auch super im Socken stricken, sie schenkt die schönsten Geschenke zur Taufe / Erstkommunion / Trauung und ist überhaupt eine treue Seele, die an ihre Familie denkt und für sie betet. Die Tante im Kloster ist toll.

10. Kanzelschwalben

Die Kanzelschwalben, auch Weihwasserforellen oder Priesteranbetungsverein genannt, sind in katholischen Gemeinden keine Seltenheit. Sie sind meist reifen Alters, weiblich und gehen oft und gern in die Kirche – allerdings nur, wenn auch der Priester der Andacht, Messe, Beerdigung oder Taufe vorsteht.

Was für die Kanzelschwalbe gar nicht geht, sind Gottesdienste, die von PastoralreferentInnen oder sonstigen Laien geleitet werden. Denn in der Theologie der Kanzelschwalbe bewegen wir uns hier bereits hart am Rande der gottesdienstlichen Gültigkeit.

Die Kanzelschwalbe weiß fast allles, was in der Gemeinde vor sich geht und teilt dieses Wissen großherzig mit allen, die es hören wollen oder auch nicht. Besonders ins Herz geschlossen hat sie den Priester, der – Single, der er nun mal ist – auch eine ganz hervorragende Projektionsfläche für sie bietet.