page-header

1. Wahrheit ist absolut

Giphy

Zwei einander widersprechende Aussagen können nicht zugleich zutreffen. Entweder/oder. Für den Autor Ravi Zacharias ist deshalb klar: Wenn “Wahrheit” nicht existiert, gibt es auch kein “falsch”. Und wenn es kein “falsch” gibt, was würde “wahr” dann überhaupt bedeuten? Und wäre es dann “wahr” zu behaupten, dass es kein “falsch” gibt? Es wird schnell klar, dass bei diesem Gedankengang nichts sinnvolles herauskommen kann. Deshalb weist Zacharias darauf hin, dass selbst Relativisten sich an dieses Gesetz der Logik halten müssen, ob sie wollen oder nicht.

2. Die Wahrheit kann sich auch ändern

Giphy

Absolute Wahrheit ist nicht Wahrheit, die sich der Zeit und Veränderung entzieht. Wenn man von “absoluter Wahrheit” spricht, geht es darum, was man meint, wenn man etwas “wahr” nennt. Trotzdem gibt es zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Wahrheiten. Die Aussage “Der US-Präsident hat schwarze Haare” stimmte vielleicht zu Beginn von Barack Obamas erster Amtszeit. Acht Jahre später aber waren seine Haare ergraut. Und Obamas Amtsnachfolger hat auch keine schwarzen Haare.

3. Die Wahrheit ist ein Monstrum

Giphy

Im Alltag sind wir eigentlich alle davon überzeugt, dass es eine Wahrheit gibt, die wir finden, erfassen und wissenschaftlich erklären können, wenn wir nur gut genug danach forschen. Wir wollen Fakten. Doch zeigt sich schnell, dass menschliche Aussagen nie richtig objektiv sein können und es ganz schön gefährlich sein kann, allgemeingültige Aussagen zu treffen. Das stimmt auch! Aber können wir allen Ernstes so tun, als wären alle “Wahrheitsbehauptungen” gleichermaßen richtig und gut?

Terry Eagleton nennt ein eindringliches Beispiel für dieses Dilemma: “Wenn du behauptest, Demokratie bedeutet, dass jeder Mensch wählen darf, und ich dagegenhalte, dass dies nur für Menschen gilt, die eine Reihe teuflisch schwieriger Intelligenztests bestanden haben, wird es immer irgendwo einen Liberalen geben, der sagt, dass wir beide aus unserer Perspektive Recht haben.”

Es gibt also die Wahrheit. Aber sie ist “monströs”, denn sie ist ein paar Nummern zu groß, um sie in unsere Hosentasche zu stecken.

4. Relativismus ist gar nicht so dumm

Giphy

“Es gibt keine Wahrheit!” diese Ansicht wird insbesondere postmodernen Philosophen wie Francois Lyotard, Jacques Derrida und Michel Foucault nachgesagt. Wie wir in Punkt 1 gesehen haben, widerspricht sich diese Aussage selbst. Derrida selbst ärgerte sich über dieses Mißverständnis: Er betonte, dass es ihm darum ging, aufzuzeigen, dass es wichtig ist, immer zu schauen: Wer trifft eine Aussage und warum? Es gibt keine Wahrheit ohne Kontext. Viele sogenannte Relativisten betonten vor allem die Gefährlichkeit von absoluten Wertesystemen, weil sie so einfach zu missbrauchen sind: stattdessen sollten wir immer skeptisch bleiben, wenn jemand sagt, er habe die absolute Wahrheit begriffen.

5. Wir glauben von Natur aus an die Wahrheit

Giphy

Als Menschen funktionieren wir alle mit einer internen Grundeinstellung: unser “Auslieferungsmodus” ist sozusagen der Glaube. Jedes Mal wenn wir eine Aussage hören, nehmen wir sie als Wahrheitsanspruch wahr. Erst dann können wir überhaupt die Frage stellen: “Stimmt das überhaupt?”. Dann können wir die Aussage ablehnen, sie prüfen, Gegenargumente entwerfen. Oft können wir sie sogar erfolgreich Widerlegen. Unseren Unglauben ausdrücken. Aber selbst Unglaube ist untrennbar mit dem Konzept von Wahrheit verknüpft.

6. Wahrheit ist mehr als “wahr “und “falsch”

Giphy

Unsere Gier nach wissenschaftlichen Fakten ist ein Merkmal der Modernisierung, die wir alle, oft ohne es zu wissen, verinnerlicht haben. Wir sind es gewöhnt, den internen “Faktenchecker” anzuschalten, wenn wir etwas lesen. Doch dieser Faktenchecker ist das falsche Instrument, wenn wir zum Beispiel einen Film wie “Star Wars” darauf untersuchen wollen, ob er uns “etwas wahres” zu sagen hat. Das Gleiche kann man auch von religiösen Texten behaupten: Wenn Jesus in der Bibel das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter erzählt könnten wir auch die Frage stellen “Hat sich diese Geschichte wirklich genau so zugetragen? Und wenn es nicht ganz genau so passiert ist, ist Jesus dann ein Lügner?”

Die Wahrheit ist natürlich, dass nicht alle Aussagen als wissenschaftlich-faktische Wahrheitsansprüche interpretiert werden dürfen. Wahrheit ist mehr.

7. Alle menschlichen Wahrheitsansprüche sind Sprache

Giphy

Die einzige Möglichkeit, wie wir uns als Menschen austauschen können, ist Sprache. Und Sprachen sind unterschiedlich. Jeder Übersetzer kann ein Lied davon singen, wie schwierig es ist, bestimmte Ideen oder Konzepte wirklich wahrheitsgemäß von der einen in die andere Sprache zu übertragen. Die Menschheit hat unzählige verschiedene Sprachen hervorgebracht. Deshalb müssen wir bei jeder Aussage aufs neue verhandeln, klären und austauschen – meinen wir hier dasselbe, oder reden wir aneinander vorbei? Trotzdem wissen wir alle irgendwie intuitiv, was wir meinen, wenn wir über “richtige” oder “falsche” Übersetzungen sprechen. Wenn wir aber einen Wahrheitsanspruch stellen, wie “Mord ist falsch”, dann nutzen wir etwas menschengemachtes (unsere Sprache) um etwas unfassbares auszudrücken. Das sollten wir immer im Hinterkopf behalten, wenn wir über dieses Thema nachdenken.

8. Wahrheit ist überlebenswichtig

Giphy

Gerade in Diktaturen, in despotischen Regimes oder angesichts von staatlichem Terror ist es geradezu überlebenswichtig, an eine unverrückbare, objektive Wahrheit zu glauben, um überhaupt eine Chance auf Widerstand zu haben. Lügen und Falschinformationen aufzudecken, mächtige Funktionäre in die Verantwortung zu nehmen, Ungerechtigkeiten öffentlich zu machen – das sind wichtige Aufgaben einer politischen Opposition oder eines effektiven Widerstandes gegen brutale Machthaber.

Gerade hier ist der “eingebaute Faktenchecker” der Aufklärung genau das Richtige – und abwiegelnder Relativismus á la “jeder hat auf seine Weise Recht” genau das Falsche. Es kommt also auch hier auf den Kontext an.

9. Kein Mensch kann die Wahrheit wirklich wissen

Giphy

Wir können glauben. Wir können zu 100% überzeugt sein. Wir können andere dazu zwingen, uns zuzustimmen.

Für die Pädagogen Rolf Balgo und Reinhard Voß ist aber klar: „Da niemand einen privilegierten Zugang zu der Wirklichkeit hat, ist wahres Wissen ebenso unmöglich.“

Es mag zwar eine Wirklichkeit und eine Wahrheit geben – trotzdem ist es uns als Menschen niemals möglich, diese voll und ganz zu erfassen. In diesem Kontext macht es dann Sinn, wenn Religionen wie der Islam oder das Christentum zum Beispiel von einem Gott sprechen, der die Wahrheit in sich verinnerlicht. Insofern wäre es nur logisch und konsequent, wenn Jesus Christus als ganz Mensch und zugleich ganz (transzendenter) Gott sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (vgl. Joh 14,6).

Wer dies glaubt, erkennt aber auch die eigene Unzulänglichkeit an. Ein von Gott geschaffener Mensch kann sich unmöglich zum Richter über die Wahrheit machen, sondern muss diese Entscheidung immer an Gott abgeben. Es ist wohl kein Zufall, dass der “Sündenfall” des Menschen in der biblischen Erzählung dann stattfand, als der Mensch vom “Baum der Erkenntnis von Gut und Böse” aß – dadurch stellte er sich selbst in die Rolle des Richters über die Wahrheit und brachte tiefes Unglück über sich selbst.