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Wiener Bevölkerung bejubelt den Einzug der Wagenkolonne von Adolf Hitler am Praterstern in Wien.
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Anlässlich des Gedenkens an den "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland am 13. März 1938 vor 80 Jahren räumen die katholischen Bischöfe Österreichs ein christliches Versagen ein: Die damaligen Bischöfe hätten - wie auch Politiker, Künstler und Wissenschaftler - nach der Besetzung Österreichs die katastrophalen und menschenverachtenden Konsequenzen "nicht deutlich genug erkannt oder benannt". Auch heute schmerze noch, dass die Christen - "auch und gerade die Bischöfe" - 1938 und in den Jahren des NS-Furors danach "nicht stärker der Macht des Hasses, der Unmenschlichkeit und der Diktatur entgegengetreten sind", heißt es in der Erklärung "1918 - 1938 - 2018. Erinnern und Gedenken", die die Bischöfe anlässlich ihrer jüngsten Frühjahrsvollversammlung in Sarajewo veröffentlicht haben.

Ein "jahrhundertelang religiös verbrämter Antijudaismus" habe schließlich zur Folge gehabt, "dass Christen insgesamt einem national und rassisch begründeten Antisemitismus nicht entschieden genug widerstanden". Erst viel zu spät sei "traurig und beschämt" erkannt worden, "dass mit der Zerstörung der Synagogen und der Shoah unschuldige und wehrlose Menschen getötet und der Name des Ewigen geschändet wurde". Damals jedoch gab es "zu wenige, viel zu wenige Gerechte", heißt es in der Erklärung - auch wenn man auf einzelne Priester und Laien, Frauen und Männer verweisen könne, die - wie Franz Jägerstätter, Provikar Carl Lampert, Jakob Gapp, Otto Neururer oder Sr. Restituta Kafka - ihrem Gewissen gefolgt waren und Widerstand "inmitten dieser Dunkelheit" leisteten.

Der Blick zurück zeige nach Überzeugung der Bischöfe aber auch, "dass Läuterung und Lernen aus der Geschichte möglich und notwendig sind": So erinnern die Bischöfe in ihre Erklärung daran, dass die politischen Verantwortlichen nach 1945 statt auf Rache und Misstrauen auf Recht und Kooperation gesetzt hätten. "Eine freie Kirche in einer freien Gesellschaft" - die bis heute gültige Formel aus dem "Mariazeller Manifest" von 1952 - sei zum Leitwort für das breite Wirken der katholischen Kirche in Österreich geworden; die zum Markenzeichen der "Erfolgsgeschichte" Österreichs in der Nachkriegszeit. Und als "Antwort auf die zerstörerischen Kräfte eines überzogenen Nationalismus" verstehe sich die Europäische Union, der Österreich seit 1995 als aktives Mitglied angehört, so die Bischöfe. Fundament für diese Entwicklungen "war und ist eine demokratische Ordnung auf Basis der Menschenrechte".

Neben dem Jahr 1938 sei indes auch das Jahr 1918 ein folgenschwerer Wendepunkt gewesen, dessen heuer gedacht wird: Die Gründung einer demokratischen Republik auf den Trümmern der untergegangenen Monarchie. Im Kontext dieser Ereignisse heben die Bischöfe in ihrer Erklärung hervor, dass sich die Katholische Kirche in jener Zeit als eine Kraft erwiesen habe, "die den friedlichen Wandel und den neuen Staat unterstützte".

Aus beiden einschneidenden Daten gelte es heute die Lehre zu ziehen, sich den "mühsam errungenen Wert von Menschenrechten, Demokratie und Gemeinwohl" wieder so bewusst zu machen, "dass der Einsatz dafür angesichts immer wieder vorhandener Gefährdungen stärker ist und bleibt".

Bünker: "Das Verbindende in den Vordergrund stellen"

Eine ähnliche Lehre zieht auch der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker aus der Erinnerung an die Ereignisse von 1938: Die Erinnerung an die Ereignisse von damals sei wichtig, um zu sehen, mit "wie wenig Entschlossenheit und Selbstgewissheit im damaligen Österreich" die politischen Kräfte, aber auch die Kirchen auf den Nationalsozialismus reagiert hätten.

Zugleich könne die Geschichte lehren, dass es in einer Demokratie notwendig ist, "im Interesse der Freiheit auch die eigenen weltanschaulichen Lager und Grenzen ein Stück weit zu überschreiten und Verbindungen einzugehen", heißt es in einer Stellungnahme Bünkers. "Bei allen politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, bei allen religiösen Unterschieden, bei aller Vielfalt, in der wir leben, ist es wichtig, das Verbindende in den Vordergrund zu stellen und zu sagen: Die Humanität ist es, die uns gemeinsam verpflichtet, und für die Humanität gerade dort einzutreten, wo sie bedroht ist - das ist unser gemeinsamer Auftrag".

Ökumenischer Rat: Kirchen "vom Ungeist mitbetroffen"

Bereits am Samstag hatte der Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) in einer Erklärung unterstrichen, dass den christlichen Kirchen eine Mitschuld an jener Entwicklung zukomme, die vor 80 Jahren zum "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich führte: "Auch die christlichen Kirchen waren vom Ungeist mitbetroffen, der dem NS-Regime den Boden bereitet hat. Manche Kirchen bejubelten nicht nur den 'Anschluss', sondern trugen auch die NS-Politik, sei es den Antisemitismus, sei es die Auslöschung vermeintlich unwerten Lebens, voll und ganz mit, was uns heute schamvoll als Verrat am Evangelium erscheint", heißt es in der Erklärung.