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Ausland Katalonien

Christen rufen zum Dialog und zur Verständigung auf

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Der Konflikt um die Unabhängigkeit Kataloniens belastet auch die christlichen Gemeinden in Spanien. Die Ansicht äußerte der Pfarrer der deutschsprachigen evangelischen Martin-Luther-Kirche in Barcelona, Holger Lübs, gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Trotz Hoffnungen auf eine friedliche Zukunft sei die Lage sehr angespannt: „Wir spüren ganz klar den Druck aus Madrid.“ Die Auseinandersetzungen sorgten für „Risse durch Familien und Freundschaften“. Wer anderer Meinung sei als die Mehrheit seiner Familie, ziehe sich auch in Gemeinden stärker zurück. Gerade jetzt sei es deswegen wichtig, Zeichen des Friedens zu senden, so Lübs. Am Tag der Abstimmung über die Unabhängigkeit Kataloniens (1. Oktober) habe man darum in einem Wahllokal direkt gegenüber dem Gemeindezentrum sowohl Wählern als auch Polizisten Kaffee gebracht. Lübs zufolge gibt es zwischen den Einwohnern katalanischer und spanischer Herkunft große Unterschiede – etwa bei der Sprache. Ausländische Christen sollten sich laut Lübs aber nicht in den Konflikt einmischen, sondern eine neutrale Einstellung wahren. Von der angekündigten Parlamentsrede des katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont am 10. Oktober erhofft sich Lübs, dass er „darin auf Ministerpräsident Mariano Rajoy zugeht – und dieser umgekehrt auf ihn“. Lübs ist seit 2013 Pfarrer der Gemeinde in Barcelona. Sie wurde 1885 gegründet und zählt heute 500 Mitglieder.

Bund der freien Gemeinden: Christen sollen „Brücken bauen“

Der Sekretär des spanischen Bundes der Freien Evangelischen Gemeinden, Francisco Portillo, sprach gegenüber idea von gemischten Gefühlen: „Da ist zugleich Unsicherheit und Hoffnung.“ Man wisse, dass manche Christen für und andere gegen eine Unabhängigkeit Kataloniens seien. Wichtig sei, respektvoll miteinander umzugehen, damit die aktuelle politische Situation nicht zu Barrieren zwischen Christen führe. Die „Vereinigung der evangelischen Kirchen in Spanien“ forderte Bevölkerung und Regierung zum gewaltfreien Dialog auf. Besonders die christlichen Gemeinden des Landes stünden jetzt in der Verantwortung, „Brücken zu bauen, wo andere Mauern errichten, und Auswege zu zeigen, wo andere nur geschlossene Türen sehen.“ Von den 46 Millionen Einwohnern Spaniens sind 69 Prozent Katholiken, drei Prozent Protestanten und vier Prozent Muslime. Katalonien hat 7,5 Millionen Einwohner.