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Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb.
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Führende Repräsentanten der theologisch konservativen Protestanten haben die Entscheidung der württembergischen Landessynode begrüßt, keine öffentlichen Segnungen homosexueller Partner zu erlauben. Ein Gesetzesvorschlag des Oberkirchenrates, eine solche Handlung unter bestimmten Bedingungen zu ermöglichen, erhielt am 29. November nicht die in der zweiten Lesung erforderliche Zweidrittelmehrheit. Von 96 Synodalen stimmten 62 dem Vorschlag zu, 33 lehnten ihn ab, einer enthielt sich. Für eine Zweidrittelmehrheit wären 64 Jastimmen nötig gewesen. Zuvor hatte die Synode mit deutlicher Mehrheit einen Gesetzesvorschlag der linksliberalen „Offenen Kirche“ abgelehnt, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu trauen. Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), schrieb auf Facebook: „Ich bin dankbar für die gute Entscheidung und damit hilfreiche Klarheit der Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.“ Gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte Steeb weiter, dass sich die theologische und kirchenrechtliche Unterscheidung zwischen einer Segnung und einer Trauung homosexueller Partner in der Öffentlichkeit ohnehin nicht vermitteln ließe. Aber noch wichtiger sei, „dass wir nicht nach unserem Gutdünken entscheiden können und dürfen, was wir gerne segnen wollen“. Mit dem früheren württembergischen Landesbischof Theo Sorg (1929–2017) halte er vielmehr daran fest: „Kirche kann nicht segnen, was Gott nicht segnet.“ Und das gelte eben auch dann, „wenn wir damit gegen die öffentliche und vor allem veröffentlichte Meinung stehen“.

Bekennende Gemeinschaften: Ein ermutigendes Zeichen über Württemberg hinaus

Die Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands äußerte sich ebenfalls lobend: „Dieser Beschluss ist ein ermutigendes Zeichen für an Bibel und Bekenntnis gebundene Christen weit über Württemberg hinaus“, äußerte der Vorsitzende des Zusammenschlusses, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg). „Was die Bibel Sünde nennt, darf die Kirche nicht öffentlich segnen.“ Er würdigte zugleich, dass Gemeindemitglieder in Württemberg die Synode direkt wählen können. Dieses Wahlrecht legitimiere und repräsentiere „eindeutiger und klarer die gottesdienstliche Gemeinde und glaubenskonservative Christen“. Es sei damit ein Vorbild für andere Landeskirchen.

Bekenntniskreis Baden: „Hochachtung“ für Synodale, die dem Druck widerstanden

Der Bekenntniskreis Baden drückte seine „Hochachtung“ für die Synodalen aus, die sich dem Kompromissvorschlag der Kirchenleitung verweigert hätten. „Sie haben auf diese Weise theologisch wie kirchlich unbestechlich gehandelt und sich weder von politisierendem Druck noch von ganz gehässigen Kommentaren bestimmen lassen“, erklärte Pfarrer i. R. Rolf-Alexander Thieke (Uhldingen am Bodensee) für den Bekenntniskreis. In ihm haben sich Mitglieder der Evangelischen Landeskirche in Baden zusammengeschlossen. Die badische Landessynode hatte im vergangenen Jahr beschlossen, dass dort gleichgeschlechtliche Partner getraut werden können.

Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche: Diskriminierung ist niemals christlich

Dagegen kritisierte die „Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche“ die Entscheidung in Württemberg. Man sei „bestürzt“, dass die Synode „noch nicht einmal“ den Kompromissvorschlag des Oberkirchenrates akzeptiert habe, erklärte der Pressesprecher der Arbeitsgruppe, Markus Gutfleisch (Recklinghausen). Die Evangelikalen hätten jede Veränderung verweigert. Die Arbeit „für die volle Akzeptanz und kirchenrechtliche Gleichstellung“ gehe in Württemberg weiter. Gutfleisch: „Das Ziel ist die Trauung lesbischer und schwuler Paare im Gottesdienst.“ Diskriminierung sei „niemals christlich“.