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v.l.n.r.: Bei der Präsentation des Programms: Moderatorin Ulrike Schelander-Sertic, Bischofsvikar Darius Schutzki, Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel und Pfarrerin Angelika Reichl von der Diakonie Eine Welt.
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Dem Verhältnis von Kirchen zu Tradition und Innovation widmet sich die 14. „Lange Nacht der Kirchen“, die am Freitag, 25. Mai, österreichweit begangen wird. In einem Pressegespräch am Dienstag, 15. Mai, informierten die Verantwortlichen über weitere zentrale Themen, präsentierten ausgewählte Programmpunkte und erzählten über die Entwicklung der ökumenischen Großveranstaltung über knapp eineinhalb Jahrzehnte.

Veronika Prüller-Jagenteufel: Es braucht Innovationsschub für Kirche

Die inhaltlichen Leitlinien – auch aus ökumenischer Perspektive – skizzierten Veronika Prüller-Jagenteufel, Leiterin des Pastoralamts der Erzdiözese Wien, und Darius Schutzki, Bischofsvikar der römisch-katholischen Kirche. Prüller-Jagenteufel betonte, es gehe in der Langen Nacht der Kirchen darum, „den großen Reichtum, den wir an unseren Kirchenräumen haben, sichtbar zu machen.“ Kirchen seien karitative Räume, aber auch Räume der Stille, des Gebets, der Diskussion und der Musik. Das Event sei zudem wichtig, um Traditionen hochzuhalten: „Traditionen sind nicht nur etwas Verstaubtes, sondern es gibt auch einen wichtigen christlichen Grundbestand an Traditionen wie die Menschenwürde oder die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben vieler.“ Allerdings brauche es auch einen Innovationsschub für eine Kirche, die sich noch mehr in die Niederungen und zu den Menschen gebe, denn: „Kirche sind die Gemeinden, die Menschen, die Kirche leben.“

Darius Schutzki: „Es wird spürbar, was Menschen gerade beschäftigt“

Schutzki beschrieb in seinem Statement die Lange Nacht der Kirche als „Barometer für die Sensibilität einer Gesellschaft.“ Mit den Themen, die in den Veranstaltungen aufgegriffen werden, werde „spürbar, was die Menschen gerade berührt und beschäftigt.“ Heuer sei das z.B. das Gedenken an die Ereignisse 1918 oder 1938. Auch der ökumenische Charakter der Nacht sei zentral: „Die Lange Nacht der Kirchen ist ein Beispiel für das, was wir gemeinsam können. Das war nicht immer so.“ Zugleich meinte Schutzki aber: „Es ist nicht wichtig, dass wir alle aus einer Schüssel essen. Jeder soll in seiner Konfession gefestigt sein und das eigene vertreten, erst dann können wir das Gemeinsame suchen.“

50 Jahre Diakonie in der Steinergasse

Erstmals an der Langen Nacht der Kirchen beteiligt ist die evangelische „Diakonie Eine Welt“. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens ihres Standortes in der Steinergasse im 17. Wiener Gemeindebezirk richtet die Hilfsorganisation, zu der Institutionen wie der Diakonie Flüchtlingsdienst oder Brot für die Welt gehören, am 25. Mai ein großes Fest aus. Pfarrerin Angelika Reichl präsentierte das Programm und betonte die diakonische Aufgabe, die Kirchen zukomme: „Für Menschen in der Not da zu sein ist für viele Menschen eine zentrale Aufgabe der Kirchen.“ Mit dem Fest wolle die Diakonie Eine Welt die Türen öffnen und über die alltägliche diakonische Arbeit erzählen.

Die Lange Nacht der Kirchen findet österreichweit in 620 Kirchen statt, 2477 kostenlose Veranstaltungen sind gemeldet und im Programm unter wwww.langenachtderkirchen.at abrufbar. In Wien wird Bischof Michael Bünker mit Kardinal Christoph Schönborn und dem Zeithistoriker Oliver Rathkolb über das 100-Jahr-Jubiläum der Gründung der Ersten Republik sprechen. Die einzelnen Programmpunkte beginnen um 18 Uhr und dauern bis ein Uhr früh. Der Eintritt ist kostenlos. Am selben Abend wird die Lange Nacht der Kirchen auch in Südtirol, Tschechien, der Slowakei, Estland und Teilen der Schweiz veranstaltet.