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Interview in "NÖN": Auf Nachfolger warte viel Arbeit - "Durch starken Rückgang der Glaubenspraxis ist grundlegende Neuordnung der Seelsorge überfällig".
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Der St. Pöltener Diözesanbischof Klaus Küng (77) erwartet für 2018 einen Nachfolger im Amt. Anlässlich seines 75. Geburtstages am 17. September 2015 hatte er gemäß dem Kirchenrecht dem Papst seinen Rücktritt angeboten, nach dessen Annahme amtiert er seither "nunc pro tunc" ("jetzt für später"), bis der Vatikan die Nachfolge regelt. "Das Verfahren ist, denke ich, im Gange", sagte Küng im Interview der Wochenzeitung "Niederösterreichische Nachrichten" (NÖN, 9. Jänner). Wie lange es noch dauert, "liegt nicht in meiner Hand", so der Bischof. Er nehme jedoch an, dass der Wechsel im Verlauf des Jahres erfolgen wird.

Küng ist seit 2004 Diözesanbischof von St. Pölten, davor war der gebürtige Bregenzer und ausgebildete Arzt seit 1989 Bischof von Feldkirch. In St. Pölten trat er die Nachfolge des umstrittenen Bischofs Kurt Krenn (1936-2014) an, der nach einem Skandal rund um das dortige Priesterseminar vom Vatikan zum Rücktritt gedrängt wurde. Über diese schwierige Zeit der Diözese sagte Küng den NÖN, es sei sein Bestreben gewesen, "die Ordnung wiederherzustellen, Spannungen abzubauen und Gräben zu schließen, auch Wunden zu heilen". In den ersten Jahren habe er einen Erneuerungsprozess initiiert, einiges habe sich verbessert. "Aber es bleiben noch immer manche Wunden, und Spannungen können sehr rasch wieder aufkommen", erklärte der Bischof.

Er hoffe, dass sein Nachfolger den eingeschlagenen Weg fortsetzt. Küng verwies auf zahlreiche seelsorgliche und spirituelle Initiativen wie die "33 Schritte", die Impulse im "Jahr des Glaubens" und im "Jahr der Barmherzigkeit" oder die "Alphakurse" zur niedrigschwelligen Glaubensvermittlung. "Es wurde einiges erreicht, aber da fehlen noch viele Schritte", wies Küng hin. Auf seinen Nachfolger warte "sehr viel Arbeit, auch schwierige, denn wir befinden uns in einem rasanten Umbruch von Gesellschaft und Kirche".

Auf "Befähigung zum Christsein" setzen

St. Pölten sei eine "typisch josephinistische Diözese" mit vielen kleinen Pfarren. Durch den starken Rückgang der Glaubenspraxis bei einem Großteil der Bevölkerung ist nach den Worten des Bischofs "eine grundlegende Neuordnung der Seelsorge überfällig". Der christlichen Familie und der Jugendarbeit als "Befähigung zum Christsein" müsse eine zentrale Stellung zukommen. Auch missionarische Bemühungen würden notwendig sein, bei denen Küng auch auf die niederösterreichischen Stifte als "gute Stützen" hofft.

Er selbst wolle seine Aufgaben bis zum Schluss seiner Amtszeit verantwortungsbewusst wahrnehmen und dafür sorgen, "dass nötige Entscheidungen nicht aufgeschoben werden". Als "große Wünsche" für die letzte Phase seiner Zeit als Diözesanbischof nannte Küng viele geistliche Berufungen, die Ausweitung der Ehevorbereitung im Sinne des Papstschreibens "Amoris laetitia" für ganz Österreich und "dass eine bestimmte Jugendinitiative sich gut entfaltet".

Nachfolger braucht Rückgrat und Liebe

Als Nachfolger wünscht sich Küng - wie er sagte - "einen Mann des Glaubens mit Rückgrat", zugleich "liebevoll im Umgang und mit Verständnis für die Schwierigkeiten der Menschen". Sehr notwendig sei die "Gabe zur Leitung, was auch Gesundheit und gute Nerven voraussetzt, denn es erwarten ihn - gerade in den nächsten Jahren - große Aufgaben".

Er selbst wolle nach Ende seiner Bischofstätigkeit nach Wien übersiedeln, am Familienleben seiner Gemeinschaft Opus Dei teilnehmen und sich wieder mehr spirituellen Aufgaben widmen - Exerzitien, Vorträgen, der geistlichen Begleitung und Tätigkeit als Beichtvater. Auch "das eine oder andere zu schreiben" wäre denkbar, so Küng. In St. Pölten werde er gerne zur Verfügung stehen, wenn man mich braucht - etwa für Firmungen oder Wallfahrten. Und wenn es seine Gesundheit zulässt, werde er sich mehr den Bergen und dem Wandern widmen.