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Immer wieder gibt es Berichte in Medien über Vandalismus in und an Kirchengebäuden. Die Bandbreite reicht von Schmierereien, Diebstählen, Sachbeschädigungen bis hin zur Brandstiftung. Die Schäden gehen in die Millionen. Im Oktober 2017 verwüsteten beispielsweise Täter die St. Martini-Kirche Bremen-Lesum. In der spätbarocken Saalkirche wurden zwei Orgeln und das Taufbecken massiv beschädigt sowie der gesamte Kirchenraum mit Löschpulver verunreinigt. Der Schaden belief sich allein hier auf rund 500.000 Euro. Ebenfalls im Herbst beschmierten Täter in Köln die katholische St. Agnes-Kirche und das Zentrum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Köln-West mit antichristlichen Zeichen.

EKD: Keine Zunahme von Vandalismus – Katholische Kirche: Es gibt eine Steigerung

Die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) hat dies zum Anlass genommen, die 20 Landeskirchen und 27 (Erz-)Bistümer in Deutschland zu befragen, ob die Gewalt gegen Kirchengebäude zunimmt. Elf Landeskirchen und 22 Bistümer haben geantwortet. Die meisten von ihnen erfassen die Delikte nicht zentral und können damit auch keine Statistik vorlegen. Auch die EKD verfügt nach eigenen Angaben über keine Zahlen. Dennoch erklärte eine Sprecherin, man könne „nicht bestätigen, dass es deutschlandweit eine Zunahme von Vandalismus in Kirchen gibt“. Die Pressestelle der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz beobachtete dagegen eine Steigerung „und zwar hinsichtlich der Quantität als auch hinsichtlich des Zerstörungsgrades“. Das können jedoch nur zwei Bistümer anhand von Zahlen bestätigen. Das Bistum Speyer registrierte von 2012 bis 2017 insgesamt 64 Fälle von Sachbeschädigungen und Vandalismus an kirchlichen Gebäuden. Man habe eine „geringe Zunahme“ festgestellt. Das Bistum Mainz verzeichnete 2016 in Kirchen 24 Einbruchschäden – so viele wie seit 2010 (21) nicht mehr. Es entstünden jährliche Schäden von 50.000 bis 100.000 Euro, meist durch Aufbrüche von Opferstöcken und lädierte Türen und Fenster.

Hessen-Nassau: Deutlich mehr Einbrüche

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau berichtet von einem deutlichen Anstieg der Einbrüche. 2014 seien zehn Delikte gemeldet worden (Schaden: knapp 20.000 Euro). 2016 waren es 28 (Schaden: 42.000 Euro). Mit schwindendem Respekt gegenüber Religion habe dies nur am Rande etwas zu tun, vielmehr mit einer „offenbar steigenden allgemeinen Einbruchsrate“, so Pressesprecher Volker Rahn (Darmstadt). Zehn Landeskirchen – darunter die hannoversche als die mitgliederstärkste – können nicht bestätigen, dass die Gewalt gegen Kirchengebäude gestiegen ist, obwohl auch sie in der Regel keine Statistiken führen. In der kleinsten Landeskirche – Anhalt – liegt der letzte „schwerere Fall“ von Vandalismus nach eigenen Angaben elf Jahre zurück. Dort identifizierten „sich viele Menschen mit ihrer Kirche, auch wenn sie nicht kirchlich gebunden sind“. In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland melden laut Pressesprecherin Solveig Grahl (Erfurt) die Gemeinden Einbrüche oder Schadensfälle „nicht der Landeskirche, sondern den Kreiskirchenämtern. Falls Anzeige erstattet wird, geschieht das direkt bei der Polizei und geht nicht über uns.“ Vereinzelt würden Fälle jedoch auch über die Berichterstattung in den Medien bekannt.

Bistumssprecher: Der Respekt vor kirchlichen Gebäuden sinkt

Bei den Bistümern haben 16 keinen Zuwachs an Kirchenschändungen festgestellt, können das aber meist nicht statistisch belegen. Trotzdem ist jedes vierte Bistum der Ansicht, dass die Achtung vor der christlichen Kultur sinkt. „Insgesamt ist zu beobachten, dass der Respekt vor kirchlichen Gebäuden, vor kirchlichen Handlungen, vor dem, was den Gläubigen heilig ist, abnimmt“, so der Pressesprecher der Diözese Würzburg, Bernhard Schweßinger. Anderer Ansicht ist die Pressesprecherin der Bremischen Evangelischen Kirche, Sabine Hatscher: „Wenn es an Respekt fehlt, ist es eher nicht der Respekt gegenüber der christlichen Kultur, der nachlässt, sondern die fehlende Hemmschwelle bezüglich der Aneignung fremden Eigentums.“ Das Bistum Regensburg macht die Erfahrung, „dass die Sorgen zunehmen, Kirchen tagsüber geöffnet zu lassen“, so Pressesprecher Clemens Neck. Grund sei vor allem das rücksichtslose Vorgehen bei Einbruchsfällen. Betroffen seien davon neben den Kirchen jedoch auch kirchliche Gemeindehäuser und Kindertagesstätten. Auch die Lage der Kirchengebäude hat einen Einfluss auf die Häufigkeit von Übergriffen. Besonders „Kirchen in Städten und in der Nähe von Autobahnausfahrten“ seien gefährdet, so das Bistum Augsburg. Der Großteil der befragten Kirchen plädierte trotz Diebstählen und anderer Straftaten in Kirchen, die Gebäude auch außerhalb der Gottesdienstzeiten für Besucher zu öffnen.