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Caritas bittet um Spende für Obdachlosenhilfe. v.l: Hr. Peter, Caritas Wien-Generalsekretär Klaus Schwertner, Caritas-Präsident Michael Landau, Frau Rosy
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Schnee und Minusgrade machen besonders wohnungslosen Menschen und jenen, die sich die Heizkosten nicht leisten können, zu schaffen. Darauf weist die Caritas hin, die um Spenden für die Versorgung Obdachloser mit dem "Gruft Winterpaket" - es umfasst einen Schlafsack und eine warme Mahlzeit - aufruft. "Versteckte Not ist österreichweit ein Thema. Jeden kann es treffen", sagte Caritas-Präsident Michael Landau am Montag bei einer Pressekonferenz. Schauplatz war die Wiener "Gruft", wo Obdachlose und Armutsbetroffene eine Möglichkeit haben, tagsüber dem Winter zu entkommen und ein Stück Zuhause zu finden. Niemand soll unversorgt auf der Straße stehen und in der Kälte erfrieren müssen, so der Anspruch der Caritas.

Die Situation Obdachloser hat sich gewandelt, so die Beobachtung der Caritas. "Betroffen sind oft immer jüngere Menschen. In unserem Haus für junge Wohnungslose ist das Durchschnittsalter von 27 auf 21 gesunken", berichtete der Wiener Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner. Zugleich steige die Anzahl von Obdachlosen, die alt und pflegebedürftig sind oder die dringend psychiatrische Versorgung benötigten. In Pflegeheimen gebe es für die Betroffenen keinen Platz, weshalb Pflegeangebote in Notquartieren - die jedoch zumeist nur im Winter geöffnet sind - zur Anlaufstelle würden. In jedem Fall gilt: "Obdachlosigkeit ist verbunden mit viel Scham, Einsamkeit und dem Gefühl, nicht mehr zurück in die Mitte der Gesellschaft zu finden", schilderte Landau.

Die Caritas bietet in den Städten mit vielfältigen Angeboten "Überlebenshilfe" für den Winter, darunter Tages- und Betreuungszentren wie die "Gruft", wo allein heuer bereits 114.000 warme Mahlzeiten ausgegeben wurden. Suppenbusse wie der "Canisibus" teilen heiße Suppen aus, ähnliche Angebote wie etwa der "Luisebus" bieten mobile medizinische Versorgung. Kältetelefone geben der Bevölkerung in den Landeshauptstädten die Möglichkeit, Caritas-Streetworkern (die im "Kältebus" unterwegs sind) Hinweise auf Obdachlose zu geben und diese somit vor dem Erfrieren zu retten. Von zentraler Bedeutung sind zudem die Beherbergungsplätze und Notunterkünfte - allein in Wien über 1.200, wobei 260 neu geschaffen wurden -, sowie die Sozialarbeit und Beratung. Die meisten Angebote werden dank umfangreicher ehrenamtlicher Mithilfe möglich.

Aufgaben für die Politik

Von den Regierungsverhandlern forderte Landau, sich vor allem um die dauerhafte Sicherung des sozialen Friedens zu sorgen. "Solange Milliarden an Steuergeldern in Sümpfen auf weit entfernten Inseln versickern, will ich nichts hören davon, dass wir uns den Sozialstaat nicht leisten könnte. Was wir uns nicht leisten können, ist, keinen Sozialstaat zu haben", so der Caritas-Präsident. Habe Österreich auch die Finanzkrise überstanden, wachse dennoch die Kluft zwischen Arm und Reich ständig, wie die konstant große Nachfrage nach Hilfsangeboten beweise. Konkret müssten die Frage der Pflege, der "Arbeit, von der man leben kann" sowie vor allem die Mietrechts-Reform von der Politik angegangen werden.

Kältetelefon anrufen

An die Bevölkerung appellierte Schwertner, gegenüber Armutsbetroffenen und Obdachlosen "nicht wegzuschauen und auch nicht so schnell die Schuldfrage zu stellen". Verständnis der Situation gelinge dann am ehesten, "wenn man die Nähe von Armen, Obdachlosen und Bettlern aushält und sie sucht", Solidarität durch eine Haltung des Teilens, "denn solange wir ein Viertel unserer Lebensmittel wegwerfen, haben wir kein Recht darauf, nicht allen zu helfen", betonte der Caritas-Generalsekretär. Wirklich lebensrettend könne es sein, die Nummer des Kältetelefons im jeweiligen Bundesland am Handy eingespeichert zu haben und bei Bedarf auch anzurufen.

Erreichbar ist das Kältetelefon in Wien unter 01-480 45 53 (24 Stunden); in der Steiermark unter 0676-880 15 111 (von 19 bis 24 Uhr); in Kärnten die Tagesstätte Eggerheim unter 0463-555 60 38 (von 8 bis 18 Uhr) sowie die Notschlafstelle unter 0676-89 85 27 9020 (von 20 bis 6 Uhr); in Salzburg der Bahnhofssozialdienst unter 0662-871 240 (von 9 bis 17 Uhr) und die Notschlafstelle unter 0676-848 210 651 (von 17 bis 9 Uhr); in Tirol die Wolfgangsstube bzw. die Katharinastube unter 0676-873 063 30, der Bahnhofssozialdienst unter 0676 87306293 sowie das Angebot "medcare" unter 057 144 451; in Vorarlberg das Caritas Center Feldkirch unter 05522-200 1700 (von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr). In Notfällen ist jedoch nach wie vor die Rettung unter 144 die erste Wahl.

Problem Spendenrückgang

Wie der jüngste Bericht des Fundraising-Verbandes zeigte, brachen 2017 die Spenden bei den meisten Hilfsorganisationen ein. Bei der Caritas-Inlandshilfe fehlten "ein paar Hunderttausend Euro", die in Wien etwa für das Tageszentrum "Zweite Gruft" oder das "Juca"-Wohnhaus für junge wohnungslose Menschen benötigt würden, betonte Schwertner. "Noch ist es nicht so, dass wir uns Hilfe an den unterschiedlichen Orten nicht mehr leisten könnten. Doch das Geld fehlt in den Einrichtungen spürbar". Sein Aufruf: "Spenden Sie - mit einer freien Spende für Menschen in Not in Österreich oder mit einem Gruft-Winterpaket!" Für 50 Euro wird dabei Obdachlosen ein winterfester Schlafsack und eine warme Mahlzeit ermöglicht. "Die Hilfe kommt an", so das Versprechen der Hilfsorganisation.