IM Österreich – 26.06.2017

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Zentralafrikanische Republik: Morden geht weiter

Die Zentralafrikanische Republik (ZAR) kommt nicht zur Ruhe. Nun ist ein Sonderstaatsanwalt ernannt worden. Die drei höchsten religiösen Führer, zwei Pastoren und ein Imam, begrüssten diesen Schritt. Die drei waren bereits in Genf für ihren gemeinsamen Einsatz für den Frieden von den Vereinten Nationen geehrt worden.

Noch ist der religiös-ethnische Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) nicht beendet. Mehrere tausend Menschen starben, seit die mittlerweile aufgelöste Séléka im März 2013 versucht hatte, die Macht zu ergreifen. Bereits vor zwei Jahren, im Januar 2015 meldete eine UN-Kommission, dass verschiedene Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt worden seien, darunter der Einsatz von Kindersoldaten.

Nun ist ein Sonderstaatsanwalt eingesetzt worden, der die Geschehnisse untersuchen soll. Pastor Nicolas Guérékoyamé-Gbangou, einer der drei erwähnten Geistlichen, nennt dies gegenüber "Open Doors" einen "bedeutenden Schritt in die richtige Richtung."

Dem Teufelskreis entkommen

"Ohne Gerechtigkeit kann kein Frieden erreicht werden", bilanziert Guérékoyamé-Gbangou weiter. "Vergebung und Versöhnung wird erst möglich, wenn zuvor die Täter zur Verantwortung gezogen worden sind." Der Zustand der Straflosigkeit habe einen Teufelskreis der Gewalt ausgelöst. "Über drei Jahrzehnte - und seit der Unabhängigkeit im Jahr 1960 - ist es nie zu echter Gerechtigkeit gekommen. Warlords sind nie für ihre Gräueltaten zur Rechenschaft gezogen worden", erläutert Guérékoyamé-Gbangou weiter.

Deshalb müsse der Geissel der Straflosigkeit ein Ende bereitet werden. "Wir sind überzeugt, dass mit dieser Ernennung unseren Sorgen und Bedürfnissen Rechnung getragen wurde." Der Sonderstaatsanwalt Toussaint Mukimapa stammt aus der benachbarten Demokratischen Republik Kongo. In seiner Heimat hatte er als Generalstaatsanwalt nach dem Krieg einen Prozess der beschleunigten Strafverfolgung internationaler Verbrecher angestrengt. Unter anderem erreichte er, dass die Milizenführer Thomas Lubanga und Germain Katanga dem Internationalen Strafgerichtshof überstellt und dort verurteilt wurden.

Gewalt noch nicht zu Ende

Die ZAR wird stabiler, doch im Norden und Nordosten des Landes sorgen bewaffnete Milizen immer noch für Instabilität. Aus der einstigen Séléka hervorgegangene Rebellengruppen versuchen die Kontrolle über wirtschaftliche Aktivitäten, wie etwa das Ausbeuten von Goldminen, zu erlangen. Dazu kommen Viehdiebstahl, Erpressungen entlang von Hauptstrassen und so weiter.

Selbst die Hauptstadt Bangui ist nicht verschont geblieben: am 7. Februar wurden drei Kirchen zerstört oder niedergebrannt und Pastor Jean-Paul Sankagui wurde ermordet. Er hinterlässt eine Frau und zwölf Kinder. Zur Trauerfeier erschienen sowohl der Premierminister wie auch der Parlamentspräsident, der der ranghöchste muslimische Politiker des Landes ist. An der Trauerfeier nahmen über tausend Menschen teil, darunter mehrere hundert Muslime, die Sankaguis Engagement für ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen schätzten.

Auf dem Open Doors Weltverfolgungsindex belegt die Zentralafrikanische Republik aktuell Rang 34 unter den Ländern, in denen Christen am härtesten verfolgt werden.