IM Österreich – 26.03.2017

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Interview mit Präsidentschaftskandidaten

Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer ganz persönlich

Anlässlich der Stichwahl bei der Österreichischen Bundespräsidentenwahl, lud Sven Kühne (Vorstandsvorsitzender von IM Österreich und Chefredakteur des christlichen Onlineportals Glaube.at) die Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer zum Sonntagsgespräch.

WELCHE WERTE SIND IHNEN PERSÖNLICH AM WICHTIGSTEN?

Alexander Van der Bellen: Freiheit, Respekt und Menschlichkeit. So wichtig die individuelle Freiheit ist, wir müssen auch Verantwortung übernehmen. Das möchte ich jetzt für Österreich tun, weil mir Österreich viel geschenkt hat.

Norbert Hofer: Mir liegt ein Österreich am Herzen, das sich zu seinen Werten geprägt aus dem Judentum, Christentum, Humanismus und der Aufklärung bekennt. Die Höchstleistungen in Kunst und Kultur sind auch im Geiste dieser Werte entstanden.

WELCHEN STELLENWERT HABEN FÜR SIE DIE EHE UND FAMILIE?

Alexander Van der Bellen: Niemand von uns hat sich selbst auf die Welt gebracht. Wir sind von Geburt an auf die Liebe und Fürsorge der Eltern angewiesen. Hier können wir lernen, Verantwortung füreinander zu übernehmen.

Norbert Hofer: Für mich hat die Familie einen sehr hohen Stellenwert. Sie ist die Keimzelle unserer Gesellschaft, eine organisch gewachsene Einheit, in die sich der Staat möglichst wenig einmischen soll. In Zeiten, wo jede zweite Ehe geschieden wird, ist auch der Familienbegriff gewachsen. So ist das Bild einer idealen Familie mit Mutter, Vater und gemeinsamen Kindern um Alleinerzieher(innen) mit Kind(ern), ebenso wie diverse Patchwork-Formen zu erweitern. Darauf muss auch die Politik reagieren. Gleichgeschlechtliche Lebensformen sollten nicht durch ein liberales Adoptionsrecht oder ein liberales Fortpflanzungsrecht als Familien gefördert werden, denn Kinder haben das Recht auf Eltern beiderlei Geschlechts, daher sind gesellschaftspolitische Experimente auf dem Rücken der Kinder abzulehnen.

WÜRDEN SIE SICH AKTIV FÜR VERFOLGTE CHRISTEN EINSETZEN?

Alexander Van der Bellen: Ich werde mich auf den Auslandsreisen als Bundespräsident sehr aktiv für die Menschenrechte einsetzen. Die Freiheit der Religionsausübung ist ein ganz wesentlicher Bestandteil davon.

Norbert Hofer: Ja, selbstverständlich. Gerade im laufenden Krieg des IS sind Christen ganz besonders Repressalien dieses Regimes ausgesetzt. Immer wieder erschüttern Berichte über Christen, die auf der Flucht vor dem IS nach Europa von Muslimen ins Meer geworfen werden. Hier haben die christlichen Kirchen eine ganz besondere Verantwortung zu übernehmen.

WANN BEGINNT FÜR SIE DAS LEBEN? BEI DER ZEUGUNG ODER BEI DER GEBURT?

Alexander Van der Bellen: Die Verantwortung der Politik beginnt jedenfalls bei den Rahmenbedingungen für eine kinderfreundliche Gesellschaft und den Chancen für alle Menschen, ein geglücktes Leben in der Verantwortung füreinander zu führen.

Norbert Hofer: Das Leben beginnt mit der Zeugung, daran ist nichts zu rütteln. Seit Jahren kämpfe ich auch für die Abschaffung der so genannten Eugenischen Indikation, weil behindertes Leben gleich viel Wert hat.

WÜRDEN SIE ETWAS GEGEN ZWANGSPROSTITUTION IN ÖSTERREICH VON DER REGIERUNG EINFORDERN?

Alexander Van der Bellen: Ich habe null Toleranz, wenn es um Gewalt, Ausbeutung und sexuelle Belästigung geht. Dagegen müssen wir entschieden vorgehen.

Norbert Hofer: Zwangsprostitution ist ein furchtbares Verbrechen, dass man Frauen, Mädchen aber zum Teil auch jungen Burschen antut. Natürlich braucht es hier nicht nur ein Verbot, sondern auch entsprechende Exekutionsmöglichkeiten. Wichtig ist aber auch die Aufklärung der Bevölkerung, denn das Geschäft mit der „käuflichen Liebe“ boomt. Auch wenn man im Volksmund vom „ältesten Gewerbe“ spricht, so muss es gerade im Bereich der Prostitution strenge Regeln und ausreichende Kontrollen geben. Null Toleranz für Menschenhändler und Zuhälter.

WIE IST ZWISCHEN KRIEGSFLÜCHTLINGEN UND WIRTSCHAFTSFLÜCHTLINGEN ZU UNTERSCHEIDEN?

Alexander Van der Bellen: Ich will geordnete Verhältnisse. Deshalb müssen wir zwischen Schutzsuchenden und Arbeitsmigranten unterscheiden. Die Basis meines Handelns ist die Verfassung und die Menschenrechte. Wir sind verpflichtet, Menschen, die vor Krieg und Folter flüchten, erst einmal Schutz und ein faires Asylverfahren zu geben. Wir haben gleichzeitig gerade 500.000 Arbeitslose in Österreich. Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen kommen wollen, haben derzeit keine Chance auf Aufnahme bei uns.

Norbert Hofer: Zunächst ist festzustellen, welche Regionen derzeit wirklich Kriegsgebiete sind. Wer nicht aus solchen Regionen kommt, soll ein faires Verfahren bekommen, aber dann auch, wenn eben kein Asylgrund im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention vorliegt, rasch in seine Heimat zurückgebracht werden. Die Statistiken belegen ja, dass immer mehr Personen aus den Maghreb-Staaten bei uns um Asyl ansuchen. Deshalb braucht es dringend Rückführabkommen, hier ist der Außenminister gefordert, da eine EU-weite Lösung nicht in Sicht ist. Es wäre auch sinnvoll, ähnlich wie Anfang 2015 im Kosovo, als sich tausende Kosovaren nach Österreich aufmachten um Asyl zu beantragen, klare Informationen vor Ort zu geben, um den Menschen schon vor der Abreise klar zu machen, sie werden zurückgebracht. Im Kosovo war diese Aktion, auch mit Hilfe der dortigen Regierung, erfolgreich.

WELCHE ROLLE SPIELT GOTT IN IHREM LEBEN?

Alexander Van der Bellen: Ich komme aus einer evangelischen Familie. Ich bin nicht gläubig im engeren Sinn, fühle mich persönlich aber der Botschaft des Neuen Testaments verpflichtet. Vor allem die Kernbotschaft des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter, dass die Not des anderen uns zum Nächsten macht und damit moralisch zur Hilfe verpflichtet, halte ich für ein hohes Ziel für uns alle, an dem ich mich orientiere.

Norbert Hofer: Ich kommuniziere regelmäßig mit Gott. Ich mag es, mit jemanden zu reden, der weit klüger ist als ich. Außerdem besuche ich auch sehr häufig die Sonntagsmesse in meiner Pfarre in Pinkafeld.

GEHÖRT DER ISLAM ZU ÖSTERREICH UND EUROPA?

Alexander Van der Bellen: Der Islam ist seit 1912 in Österreich offiziell als Religionsgemeinschaft anerkannt. Egal, welche Religion, es gelten die Menschenrechte, aber auch die Pflichten. Insbesondere erwarte ich mir, dass unsere Rechtsordnung und die darin ausbuchstabierten Werte akzeptiert und eingehalten werden.

Norbert Hofer: Der Islam ist kein Teil Europas, wohl aber muslimische Bürger, die auch unsere österreichischen Grundwerte sowie das österreichische Rechtsverständnis akzeptieren. Wer die Scharia über die staatliche Rechtsordnung stellen möchte, hat in Österreich keinen Platz und gehört auch nicht hierher.

WIESO SOLLTEN CHRISTEN SIE WÄHLEN?

Alexander Van der Bellen: Weil ich immer das Verbindende vor das Trennende stellen werde. Die Sozialpartnerschaft, die Volkspartei, die Sozialdemokratie, Kirchen, Vereine, Organisationen und viele andere haben dieses Land gemeinsam aufgebaut. Ohne den Glauben an uns hätten wir die Herausforderungen der letzten Jahrzehnte nicht lösen können. Die Lösung unserer aktuellen Probleme und Schwierigkeiten liegt sicher nicht in den extremen Antworten und Spaltung, sondern in Augenmaß und dem Vermitteln.

Norbert Hofer: Weil ich Wert lege auf ein Europa, das auf unseren christlich-jüdischen Werten aufgebaut ist, und nicht auf ein Europa der Beliebigkeiten.

Sven Kühne: Herzlichen Dank für Ihre Zeit und das Gespräch!

 

 

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